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Bützow : „Ich wollte schon immer mit Holz arbeiten“

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Stephan Linde ist auf Restaurierungsarbeiten und Kirchenbau spezialisiert

von
erstellt am 05.Sep.2016 | 12:00 Uhr

Mit seinem langen Bart und der Zimmermannskluft gehört Stephan Linde zu den bekanntesten Gesichtern in Bützow. Einen Namen gemacht hat er sich in den vergangenen 20 Jahren vor allem durch die Qualität seiner Arbeit: Der 48-Jährige ist auf die Restaurierung von Fachwerkhäusern beziehungsweise Kirchenbau spezialisiert.

In die Region kam Stephan Linde bereits 1994. Mit seiner Familie zog er damals nach Tarnow. Über den Bützower Architekten Hartmut Böhnke kam er zu seinen ersten Restaurierungsaufträgen. Die meisten seiner Arbeiten erledigt der Zimmermann selbst. Wenn er Hilfe brauche, bekomme er Unterstützung von seinem Bruder, erzählt er. Das Reizvolle an seiner Arbeit ist für den gebürtigen Kleinmachnower zum Einen das direkte Arbeiten mit dem Baustoff Holz. „Ich wollte immer schon damit arbeiten.“ Aber auch der historische Aspekt begeistert ihn bei seinen Aufträgen immer wieder aufs Neue. „Bei Restaurierungsarbeiten arbeite ich ja viel mit Hölzern, an denen vor 300 Jahren schon Zimmerleute gearbeitet haben. Ihre Arbeit wieder neu zu entdecken und herzustellen, finde ich spannend.“

Eines seiner größten Projekte: Die Reparatur des kompletten Dachstuhls der Bützower Stiftskirche. „Daran habe ich von 2007 bis einschließlich 2012 gearbeitet“, berichtet Stephan Linde. Im vergangenen Jahr wurde diese jahrelange Arbeit dann durch den Tornado auf eine Extremprobe gestellt. „Ich wurde direkt danach gerufen, um festzustellen, ob gefährliche Schäden entstanden sind, also Einsturzgefahr besteht“, berichtet Linde. Letztlich stellte sich heraus: „So, wie wir es gemacht haben, ist es genau richtig.“ Zwar sei das Dach nicht verschont geblieben, aber die Reparaturmaßnahmen hätten zum größten Teil lediglich das Nachsetzen der Verbindungsmittel beinhaltet. „Man weiß nie sicher, ob alles richtig ist. Deswegen war es für mich eine große Genugtuung zu sehen, dass meine Arbeit dem Sturm so standgehalten hat“, sagt Stephan Linde.

Auch privat hat Stephan Linde schon einiges erlebt. So saß er zu DDR-Zeiten für etwa ein Jahr in politischer Gefangenschaft. „Gemeinsam mit meinem Bruder habe ich mich politisch engagiert. Wir haben dann Freunden, die illegal die DDR verlassen wollten, kurz vor ihrem Fluchtversuch Unterschlupf gewährt.“ Nachdem die Aktion scheiterte, seien er und sein Bruder wegen Beihilfe zur Republikflucht verurteilt worden. „Man sagte uns, dass wir mit sechs Monaten Haft rechnen müssen“, so Linde. Um diesem Urteil zu entgehen, hätten sie selbst einen Fluchtversuch unternommen – der ebenfalls scheiterte. „Wir wurden dann zu 18 Monaten Haft verurteilt. Nach etwa einem Jahr kam dann die Wende und wir wurden als politische Häftlinge amnestiert.“

Für Stephan Linde folgte daraufhin eine Zeit der politischen Abstinenz. Jahrelang sei er nicht mehr wählen gegangen, erzählt der Zimmermann. „Jetzt gebe ich aber wieder meine Stimme ab. Ich positioniere mich auch gegen rechts, bin aber nicht mehr so aktiv und provokativ wie früher.“

Neben seiner Arbeit findet Stephan Linde Erfüllung im Westernreiten. Angefangen habe er damit 2006, seit einigen Jahren reitet er erfolgreich auf Turnieren. „Vor zwei Jahren habe ich mich auf den Extreme Trail spezialisiert. Dabei geht es mit dem Pferd über Hängebrücken und Schwebebalken.“ 2015 ist Stephan Linde in dieser Disziplin deutscher Meister geworden.

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