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evangelisch-lutherische Kirchengemeinde : „Ich habe Bützow lieben gelernt“

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Nach elf Jahren in der Warnowstadt geht Pastor Karl-Martin Schabow in den Ruhestand und kehrt zurück zu seinen Wurzeln

svz.de von
erstellt am 30.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Die Kisten stapeln sich im Pfarramt, bald wird es hier ruhig. Denn in einer Woche heißt es für Karl-Martin Schabow, aber auch für die Bützower, Abschied nehmen.

Nach 41 Jahren im Dienst geht der Pastor der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Bützow am 1. Dezember nun in den wohlverdienten Ruhestand und verlässt auch die Warnowstadt. Gemeinsam mit seiner Frau kehrt er nach Waren an der Müritz zurück, wo er von 1976 bis 1989 in Kirch Grubenhagen tätig war. Das soziale Umfeld sei ihm noch immer vertraut und er kehre nun zu seinen Wurzeln zurück. „Unsere Familien stammen aus der Gegend“, so Schabow, der dort auch seine Frau kennenlernte.

„Ich wäre auch gern hier geblieben, weil ich Bützow und auch die Menschen lieben gelernt habe“, schwärmt Schabow. Die Bützower hätten es ihm leicht gemacht und ihn in ihre Häuser, Leben und Herzen gelassen. Die Mitarbeit in der Kirchengemeinde, im Rathaus und der Gesellschaft habe ihn sehr geprägt. „Da habe ich eine ungeheuerlich große Offenheit erlebt.“


Das Loslassen fällt schon jetzt schwer


Umso wichtiger sei es, zu gehen, meint er. Denn das Loslassen falle schwer. „Das ist einfacher, wenn man den Ort wechselt“, sagt er. Zudem wolle er es seinem potentiellen Nachfolger leichter machen, sich nicht ungewollt einmischen. „Wahrscheinlich wird im Februar ein Pastor zur Anstellung nach Bützow kommen“, erklärt Schabow.

Eines seiner größten Projekte hier war die Kirche selbst: „Ich habe in den elf Jahren versucht, die Stiftskirche zu restaurieren.“ Dabei habe er viele Menschen getroffen, die sich sehr engagierten, allen voran Architekt Hartmut Böhnke und Zimmermann Stephan Linde. Letzterer habe vier Jahre lang unermüdlich im Dachstuhl „mit Liebe und Begeisterung“ gearbeitet. Alle Helfer hätten Verantwortung für das Kulturgut Kirche übernommen, selbst wenn sie der Kirche nicht angehörten. „Und nun wurde uns nach elf Jahren alles wieder vor die Füße geworfen“, spielt er auf den Tornado an, der viel zerstörte. Das Jahr sei entsprechend chaotisch verlaufen und forderte den Pastor in seinen letzten Monaten im Amt noch einmal ordentlich heraus.

Doch auch bei seinen bisherigen Stellen habe er immer große Aufgaben bewältigt.

So war seine Arbeit in Kirch Grubenhagen von politischen Zwängen der DDR geprägt, „wo wir uns als Kirche auch haben durchsetzen müssen.“ Persönlich habe er das Regime unter anderem zu spüren bekommen, als er in dieser Zeit aus dem Urlaub zurückkehrte und alle Türen und Fenster im Haus offen standen, Schränke durchwühlt waren. Später recherchierte er Stasi-Akten, aus denen deutlich hervorging „dass sie ein Auge auf uns geworfen haben“.

Zur Wende zog es ihn dann nach Eldena, wo er als Pastor in der Kirchengemeinde sowie als Propst der Probstei vorstand. Hier beschäftigen ihn Demonstrationen, er erlebte die Umgestaltung der Landwirtschaft mit und war viele Jahre im Gemeindeparlament aktiv. „Dort bin ich sehr, sehr gern gewesen“, blickt er gern auf dieses Kapitel zurück.

Und dann landete er schließlich hier. Ein neues Umfeld mit neuen Herausforderungen sei für ihn, aber auch die Menschen seiner Umgebung die richtige Entscheidung gewesen. So wechselte er mit 54 Jahren noch einmal seine Stelle und kam nach Bützow, „weil ich der Meinung bin, ein Pastor muss hin und wieder seine Pfarrstelle wechseln“, so der 65-Jährige. „Bützow ist eine besondere Stadt“, sagt er mit einem Leuchten in den Augen. Vor elf Jahren hatte die Kirche keine tragende Rolle in der Warnowstadt. „Es ist uns gelungen, dass die Kirche wieder ihr Gesicht zeigt und das hat viel Spaß gemacht“, resümiert er. Viele kleine Schritte hätte es gebraucht, die ihn beispielsweise in die Schulen oder Altenheime führte. Auch die Zusammenarbeit mit der Miniaturstadt sei sehr gut.


Mehr Zeit für Kinder und Enkel


Im Ruhestand will er sich mehr Zeit für seine Familie nehmen. Kinder und Enkel sollen mehr von ihm haben.

Auch will er sich mehr seinen Büchern widmen, von denen er einen Großteil mit nach Waren nimmt. „Das ist alles Literatur, die ich kenne, womit ich mich aber tiefer auseinandersetzen möchte“, erzählt Schabow.

Langweilig wird es ihm also nicht. „Ich habe viele Interessen“, sagt er von sich selbst. So möchte er sich ehrenamtlich kommunalpolitisch einbringen. Seine Erfahrung will er darüber hinaus in seelsorgerlicher Begleitung und in der Notfallseelsorge einbringen. „Das sehe ich als sehr wichtig an“, betont er. „Zuvor muss ich mich aber erst mal ordnen“, will er nicht gleich wieder loslegen.

Für seinen Nachfolger wünscht er sich, dass er oder sie genauso offen aufgenommen wird und die Konfessionen noch enger zusammenrücken. „Ich gehe gern, aber auch mit viel Traurigkeit.“

Die Verabschiedung des Pastors findet am Sonntag, 8. November, 14 Uhr, in der Stiftskirche statt.

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