Schwaan : Hundebiss: Wut über träge Ämter

Selbst kleinere Hunde sind gefährlich, wenn sie aggressiv werden.
Selbst kleinere Hunde sind gefährlich, wenn sie aggressiv werden.

Mutter der Dreijährigen, die Opfer einer Attacke wurde, prangert langsame Konsequenzen an. Bissspuren im Kopfbereich verbleiben

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02. Juni 2017, 21:00 Uhr

Mehrere Wochen sind vergangen, seit ein Hund der Rasse Bullmastiff in Schwaan eine Dreijährige attackierte und der herangeeielte Nachbar Matthias Hallier das Leben des Mädchens rettete, indem er den Hund überwältigte (SVZ berichtete). Ariane Sennewald, Mutter der kleinen Juna, moniert nun, dass es seitens der Behörden zu lange dauert, bis Konsequenzen folgen. „Sicher ist es ein Verwaltungsakt. Aber es ist ein Unding, dass es fast neun Wochen braucht, bis eine Reaktion erfolgt.“


Spuren erinnern weiter an die Attacke


Noch immer erinnern Spuren im Kopfbereich – auf den sich die Hundeattacke richtete – an den Angriff am 28. März. Durch die Bisse seien laut Ariane Sennewald am Ohr Knorpel freigelegt worden, sodass ein Chirurg massive Mühen gehabt habe, das Ohr wiederherzustellen. Das Ohr sei noch immer vernarbt – und werde es wohl auch bleiben. Hinzu kommen Bissspuren im Gesichtsbereich. Aktuell seien es drei. „Es werden nicht alle Spuren verheilen“, ist sich Ariane Sennewald sicher.

All die Spuren machen es Ariane Sennewald nicht leichter mitansehen zu müssen, wie Woche für Woche konsequenzlos ins Land zieht. Sie habe sich an die Stadt Rostock gewandt (wo die Halterin des Hundes wohnt, zum Zeitpunkt der Attacke war der Hund bei den Eltern der Besitzerin in Schwaan untergebracht), an die Stadt Schwaan und Kontakt mit der Polizei gehabt. Vor allem in Rostock sei sie „regelmäßig gegen die Wand gelaufen“.

Danach gefragt, ob die Stadt Rostock den Ärger der Mutter über den langen Zeitraum nachvollziehen kann, antwortete diese: „Ja.“ Ulrich Kunze von der Stadt Rostock fügte an: „Allerdings entbindet dies die Hansestadt Rostock in ihrer Eigenschaft als Ordnungsbehörde nicht von der Pflicht zur ordnungsgemäßen Durchführung des laufenden Verwaltungsverfahrens. Die Tötung eines Tieres ist unumkehrbar und daher nur zulässig, wenn kein milderes Mittel einer Gefahrenabwehr möglich ist.“

Untätig war die Stadt Rostock indes nicht. Der Hund sei inzwischen, bis zur Aufklärung des Falls, in einem Tierheim untergebracht. „Das ist keine ungewöhnliche Vorgehensweise, allerdings ist es äußerst selten, dass die Hansestadt Rostock entsprechend verfahren muss“, heißt es von der Stadt. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Vorfalls wurde zudem ein Leinen- und Maulkorbzwang für den betroffenen Hund verfügt. Zumindest dem Leinenzwang kann Ariane Sennewald aber nichts abgewinnen, denn der Hund war während der Attacke angeleint und riss sich mit seiner enormen Kraft einfach los. „Meine Tochter hat dem Hund nicht ins Auge gepiekt oder sonst etwas, er kam einfach angerannt.“


Stadt Rostock will Mitte Juni Entscheidung fällen


Wann genau wird eine Entscheidung getroffen, wie es mit dem Hund weitergeht? „Eine Entscheidung zu dem Vorfall kann erst getroffen werden, wenn alle notwendigen Informationen (Rassefeststellung, Gutachten, Polizeiakte,...) vorliegen und fachlich ausgewertet sind. Wir hoffen, dass dies bis Mitte Juni der Fall ist“, heißt es von der Stadt Rostock. Zudem ist die Stadt Schwaan derzeit bemüht, ein Aufenthaltsverbot für den Hund zu erwirken.

Ariane Sennewald fühlt sich indes hilflos. Da alle Bescheide und Verfügungen nicht an sie gerichtet sind, könne sie auch keinen Einspruch einlegen. „Ich kann nichts machen.“ Eine Überlegung sei auch, an den Landrat heranzutreten, um zu klären, ob die bestehenden Regelungen ausreichen würden.

In welcher Form auch immer Hund und Halter bestraft werden – Ariane Sennewald will einfach nur, dass endlich Konsequenzen erfolgen. „Ich hätte den Hund gern weg, ob weggesperrt oder eingeschläfert, ist mir am Ende des Tages egal. Er gehört nicht unter Menschen“, sagt die Mutter der kleinen Juna. Sie habe Strafanzeige gegen alle beteiligten Personen gestellt. Für weiteren Unmut sorgen indes Äußerungen, die die Halterin laut Ariane Sennewald tätige. „Die Halterin behauptet, der Hund hat nur gespielt und lediglich mal zugeschnappt.“

Neben den rein äußerlichen Spuren an Junas Kopf sind laut Mutter Ariane Sennewald auch innere verblieben. „Sie hat Angst vor Hunden und ist derzeit eine Gefahr für sich selbst.“ Wenn Juna einen unangeleinten Hund sieht, renne sie schreiend weg.
 

Kommentar "Kampfhund oder Hund..." von Christian Jäger

Im Artikel über Matthias Hallier, der Juna während der Bissattacke dank seines beherzten Eingreifens das Leben rettete, schlich sich das Wort „Kampfhund“ ein. Ja, der Bullmastiff ist nicht als gefährliche Rasse eingestuft. Das merkten zahlreiche Leser des Onlineartikels auf der SVZ-Facebookpräsenz an. Der Einwand ist fachlich korrekt. Nach Informationseinholung ist einmal, ausgerechnet in der Überschrift, das Wort stehen geblieben. Nach einer solchen Attacke auf ein dreijähriges Mädchen scheue ich mich jedoch nicht davor, diesen Hund als Kampfhund zu bezeichnen.

Immerhin haben viele Leser aber erfasst, worum es im Wesentlichen ging: Um den Lebensretter Matthias Hallier. 1986 (!!!) „Gefällt mir“-Klicks  erhielt der Beitrag über ihn, hinzu kamen zahlreiche Kommentare, die den Schwaaner beglückwünschten und Respekt zollten. Und nur darum ging es.

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