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Bützower Zeitung

17. Dezember 2017 | 14:56 Uhr

Bützow : Hühnerkot stinkt zum Himmel

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Hauptausschuss lehnt Befreiung vom Bebauungsplan für Errichtung eines Trockenkotlagers ab

svz.de von
erstellt am 30.Jul.2015 | 15:55 Uhr

Auf dem Gelände der Biogasanlage Kühlungsborner Straße will der Betreiber ein Hühnertrockenlager errichten. Im Hauptausschuss, wo es bei der jüngsten Sitzung um die Stellungnahme der Stadt zu eben diesem Bauvorhaben ging, löste das Thema eine hitzige Diskussion aus.

„Wir sind er Meinung, dass man dem so nicht zustimmen kann, auch wegen der Geruchsbelästigung zu der es kommen könnte“, begann Frank Schröder (CDU) und sprach für seine Fraktion. Die Bewohner der Kühlungsborner Straße sollten nicht über die Maßen belästigt werden.

Bürgermeister Christian Grüschow rief in Erinnerung, dass der Hauptausschuss nicht über die Genehmigung der Nutzung von Hühnermist  insgesamt befinden könne. Die Zuständigkeit dafür liegt beim Landkreis. Im Hauptausschuss ging es um die reine Baulichkeit. Diese abzulehnen könne die Verwendung von Hühnerkot nicht verhindern.

„Die Lagerung an sich ist ja schon geregelt“, fügte Bauamtsleiterin Doris Zich an. Eine Abdeckung soll nun aber dafür sorgen, störende Gerüche zu vermindern bzw. auszuschließen.  Die geplante Überdachung entspreche jedoch nicht der Festlegung des Bebauungsplans, so Zich weiter. Eine Ausnahmeregelung abzulehnen würde jedoch dazu führen, „dass man mit der jetzigen unbefriedigenden Lage weiter leben muss.“

Und diese ist aus Sicht der Anlieger mehr als unangenehm. Sie fühlen sich seit Monaten immer wieder von der starken Geruchsbelästigung gestört. Nicht nur Anwohner in der Kühlungsborner Straße sind betroffen, sondern auch auf der anderen Seite z.B: in der Straße Am Wasserturm. Es werde bereits über eine Bürgerinitiative nachgedacht, hat SVZ erfahren. Vor allem beschäftigt Anwohner die Frage, ob die Betreiber der Biogasanlage überhaupt eine Betriebserlaubnis für das Verarbeiten von Hühnerdung haben. Außerdem wurde beobachtet, dass dieser auf einer nicht befestigten Fläche liegt. 

Wolfgang Wehrmann (AfD) hatte die Situation nach eigener Aussage schon bei der Genehmigung der Anlage kommen sehen. Damals habe es geheißen, dass eine Geruchsbelästigung bei einer Biogasanlage nicht stattfinde. Jetzt wo diese doch eingetreten sei, „versucht man es gerade zu bügeln“, so Wehrmann und warf der Stadtverwaltung vor: „Argumente werden immer so genutzt, wie sie gerade gebraucht werden. Das ist bei dieser Angelegenheit leider auch so.“

Das Geruchsproblem sei weniger im Betrieb als in der Substratlagerung zu suchen, stellte Bürgermeister Grüschow fest. Seit zwei Jahren werde Hühnerkot verarbeitet, was offenbar zur Geruchsbelästigung führte. Ein Gutachten, das dem Antrag beiliegt besagt, dass das Bauvorhaben das Problem löse.

Joachim Fiedler (SPD) zeigte sich davon wenig überzeugt. „Rein wirtschaftlich gesehen ist das eine günstige Sache“, so der Fraktionsvorsitzende, der sich mit dem Thema auseinandersetzte. Seine Recherchen hätten ergeben, dass die Verwendung von Hühnerdung durch einen hohen Sandanteil dazu führe, dass alle paar Jahre eine Reinigung der Anlage nötig sei, was wiederum zu einer enormen Belästigung führe. Zu umgehen sei dies nur durch ein geschlossenes System. Das Bauvorhaben sieht jedoch nur eine an drei Seiten abgegrenzte Lagerung vor. „Im Gutachten haben sie sich ein Hintertürchen offen gelassen“, fügte er an. Darin heißt es, das geänderte Substrat führe zu keiner wesentlichen Änderung der Geruchsbelästigung.

 Rendite Weniger führt zu Belästigung vielerAuch Ralf-Peter Katzer (UBB) konnte sich mit der aktuellen Situation nicht anfreunden. Solange die Biogasanlage, wie zunächst genehmigt, mit Grünmasse betrieben wurde, sei es zu keiner Geruchsbelästigung gekommen. Seit zwei Jahren habe sich die Situation nun geändert, auch „weil es keine vernünftige Lagermöglichkeit auf dem Gelände gibt.“

Eine Abdeckung funktioniere als Geruchsschutz deshalb nur in der Theorie. „Sobald dieser Trockenkot nass wird, stinkt er und zwar erbärmlich!“ Er wolle für die Rendite weniger nicht in Kauf nehmen, dass hunderte Anwohner belästigt werden.  „Ich glaube nicht, dass wir das fördern sollten.“

Eine Meinung, die im Hauptausschuss eine breite Zustimmung fand. Der Antrag wurde schlussendlich mit fünf Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen abgelehnt.

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