Schwaan : Hobbyautor mit vielen Interessen

Hier fühlt er sich wohl: Fritz Wolbring in seinem gemütlichen Wohnzimmer und mit vielen Büchern.
Hier fühlt er sich wohl: Fritz Wolbring in seinem gemütlichen Wohnzimmer und mit vielen Büchern.

Fritz Wolbring schreibt Geschichten up Platt für die Schweriner Volkszeitung und würde gerne Joachim Gauck treffen, um mit ihm Kindheitserinnerungen zu teilen

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14. April 2017, 21:00 Uhr

Fritz Wolbring ist vielen Lesern der Bützower Zeitung als Autor von Geschichten up Platt bekannt. Am 29. August 1940 in Laage geboren, kam er nach dem Tod seiner Mutter 1946 nach Schwaan. Dort lebte er bei seinen Pflegeeltern Erna und Paul Junck. Das Abc erlernte Wolbring noch in der Ossenschaul, dem heutigen Rathaus II. Sein Abitur legte er an der Erweiterten Oberschule in Bützow ab. Am Institut für Lehrerbildung in Schwerin absolvierte er seine Ausbildung zum Grundschullehrer. Im Fernstudium legte er sein Deutschdiplom ab und eignete sich in weiteren Lehrgängen das Wissen für Musikschullehrer an. Da arbeitete er schon an der Oberschule II in seiner Heimatstadt Schwaan.

„Als Musiklehrer unterrichtete ich alle Schüler. Mein Ziel war es immer, bis Weihnachten alle Namen eines neuen Jahrgangs zu kennen“, sagt Fritz Wolbring. Mit der Wende gab es neue Aufgaben. Wolbring wurde Leiter der Grundschule und blieb es bis 2002. „Gesundheitsbedingt musste ich dann aufhören“, sagt Fritz Wolbring. „Müsste ich mich noch einmal entscheiden, würde ich nicht wieder Schulleiter sein wollen. Lehrer war ich mit ganzem Herzen. Doch so ein Verwaltungsposten, das ist nichts für mich“, so Fritz Wolbring. Der 76-Jährige ist seit 50 Jahren mit „seiner Gisela“ verheiratet, hat drei erwachsene Kinder, zwei Töchter und einen Sohn, sowie neun Enkelkinder.

SVZ-Reporter Ralf Badenschier stellte ihm die 20 Fragen zum Wochenende.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Im Garten, an der Warnow und an der Ostsee. Am schönsten ist es aber am Frühstückstisch gemeinsam mit meiner Frau. Es ist wunderschön, so gemeinsam in den Tag zu starten.

Was würden Sie als Bürgermeister in Ihrem Wohnort sofort ändern?
Ich würde sofort das Vorhaben mit dem Abriss der Aula stoppen. Diese Pläne vom Campus sind aus meiner Sicht einfach eine Nummer zu groß für eine so kleine Stadt.

Wo kann man Sie am ehesten treffen?
Das hängt von der Jahreszeit ab. Sobald die Sonne höher steigt natürlich im Garten. Da gibt es immer etwas zu tun. Ansonsten im behaglichen Wohnzimmer.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Ich durfte bereits in der 8. Klasse in der Schwaaner Fischfabrik arbeiten. Immer in den großen Ferien, vier Wochen lang. Da habe ich richtig gutes Geld verdient. Das bekamen wir damals noch in der Lohntüte.

Wofür haben Sie es ausgegeben?
Für ein rotes Diamant-Fahrrad und einen grauen Anzug. Meine Pflegemutter hat Zuhause für andere geschneidert und so ein wenig Geld verdient. Aber es war nicht so viel. Ich habe mich immer gewundert, wie sie uns durchgebracht hat. Und ich war immer schick eingekleidet.

Was würden Sie gerne können?

Ich würde sehr gerne Klavier spielen können. Ich kann zwar Gitarre spielen, aber das Klavier ist vom Klang her einfach sehr schön. Außerdem wäre es mir als Lehrer leichter gefallen, den Schülern die Harmonietöne zu erläutern und beizubringen.
Was stört Sie an anderen?

Das ändert sich immer mal wieder mit dem Alter und der eigenen Lebenserfahrung. Aber auf jeden Fall Großmannssucht und Angeberei.
Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?

Ich habe ein Buch mit DDR-Witzen. Ich lese daraus vor, wenn ich mit Freunden zusammen bin. Diese Spitzfindigkeiten und der Tiefgang, wir kennen ja die Hintergründe, das ist einfach herrlich.

Was haben Sie zuletzt Unvernünftiges getan?

Ich hätte im Garten gerne Feuer gemacht. Aber das dürfen wir ja nicht. Das wäre dann unvernünftig gewesen. Ich verstehe aber gar nicht, warum wir kein Feuer machen dürfen.
Wer ist Ihr persönlicher Held?

Mein Deutschlehrer in Bützow, Dr. Heinz Kröplin. Ich habe von ihm so viel gelernt. Viele Dinge, die im Studium behandelt wurden, kannte ich schon von ihm. Er hatte ein so umfangreiches Wissen. Vorher hatte ich in Aufsätzen immer eine Drei. Bei ihm habe ich meine erste Eins bekommen. Er war mir Vorbild, auch als ich später selbst Lehrer war.
Welches Buch lesen Sie gerade?

Ich lese immer verschiedene Bücher gleichzeitig, je nach Stimmungslage. Derzeit „Upschnappt“, plattdeutsche Geschichten von Wolfgang Mahnke. Außerdem „Schweigeminute“, eine Novelle von Siegfried Lenz.
Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?
Das Nordmagazin mit Informationen aus der Region. Außerdem schaue ich gerne historische Sendungen und Naturfilme.

Wo trifft man Sie eher: bei einer Karnevalsfeier oder bei einem Fußballspiel?

Dann eher beim Karneval. Ich mag die Büttenreden. Ich bin auch früher zum Karneval in den Lindenbruch gegangen. Ich wäre auch gerne selbst in den Karnevalverein gegangen. Aber ich weiß, ich mache bei zu vielen Themen meinen Mund auf. Da hatte ich die Befürchtung, dass ich zu viel sage.
Wen würden Sie gerne mal treffen?
Joachim Gauck. Ich würde ihn gerne fragen, ob er sich noch an unsere Treffen als Kinder in Wustrow erinnert. Meine Tante hatte dort ein Hotel und seine Oma wohnte in Wustrow. Gemeinsam haben wir das Gepäck von den Gästen transportiert. Ich hatte eine Schubkarre und Joachim Gauck einen Handwagen. Gemeinsam mit meiner Schwester haben wir seiner Oma auch immer Spargel gebracht.

Wenn Sie selbst kochen: was kommt dann bei Ihnen auf den Tisch, griechische, italienische, chinesische oder deutsche Gerichte?
Ich koche schon. Ich mag in erster Linie deutsche Gerichte. Ein schönes Eisbein mit Erbsenpüree und Sauerkraut ist was tolles. Ich würde mir aber auch zutrauen, Gerichte aus anderen Ländern zuzubereiten – natürlich nach Rezept.

Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?
„Geh auf mein Herz und suche Freud in dieser schönen Sommerzeit“ von Paul Gerhard. Es ist ein Kirchenlied aus der Zeit des 30-jährigen Krieges. Es beeindruckt mich sein Optimismus, obwohl er Frau und Kinder verloren hatte.
An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne und von wem haben Sie es bekommen?
Von meiner Enkelin habe ich vor zwei Jahren einen kleinen Teddy bekommen. Der hängt bei mir am Bett. Der Hintergrund: Als Kind hatte ich einen Teddy. Den hatte meine Schwester in den Ofen gesteckt, weil ich zuvor ihre Puppe beschädigt hatte. Ich sehe noch heute die Flammen im Ofen brennen.
Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
Ich würde gerne noch nach Rom und Paris fahren. Doch das geht gesundheitlich nicht mehr. Aber ich möchte noch viele schöne gemeinsame Jahre mit meiner Frau verbringen.
Wie gestalten Sie Ihre Freizeit als Rentner?

Ich schreibe die plattdeutschen Geschichten für die SVZ, lese gerne und viel, ich habe meinen Garten, ich löse Kreuzworträtsel und Sudoku. Außerdem spielen wir einmal die Woche Doppelkopf gemeinsam mit Marlene Haak und Karin Bruhns.
Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen und warum?
Pastor Heiner Jungmann. Er ist ein so offener, toleranter und verständnisvoller Mensch. Er hat mich auch im Krankenhaus besucht, als es mir nicht so gut ging.
















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