Friedrich von Mecklenburg : Herzog rückt Bützow ins Zentrum

Originalmünzen aus der Universitätszeit: Angela Pupke zeigt Medaillen des Pädagogiums zu Bützows, das zusammen mit der Universität im Schloss untergebracht war. Die Medaillen sind ein Geschenk von Dr. Andreas und Dr. Ilse Hoop aus Bützow an das Heimatmuseum.
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Originalmünzen aus der Universitätszeit: Angela Pupke zeigt Medaillen des Pädagogiums zu Bützows, das zusammen mit der Universität im Schloss untergebracht war. Die Medaillen sind ein Geschenk von Dr. Andreas und Dr. Ilse Hoop aus Bützow an das Heimatmuseum.

300. Geburtstag von Friedrich von Mecklenburg fast vergessen. Erste Bibliothek in Mecklenburg entstand Dank ihm in Bützow

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13. November 2017, 12:00 Uhr

Der 9. November ist ein für Deutschland geschichtsträchtiges Datum. Es ist verbunden mit schönen, aber ebenso mit Ereignissen, auf die die Menschheit gerne verzichtet hätte. Die Novemberrevolution von 1918/19 begann am 9. November 1918 und führte in der Endphase des Ersten Weltkrieges zum Sturz der Monarchie im Deutschen Reich und zu dessen Umwandlung in eine parlamentarische Demokratie, die Weimarer Republik.

In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 brannten Synagogen und Geschäfte. Die Reichspogromnacht gilt als der Beginn der systematischen Vernichtung des jüdischen Volkes in Deutschland.

Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer, der Beginn auf dem Weg zur deutschen Wiedervereinigung ein Jahr später am 3. Oktober 1990.

Was fast in Vergessenheit geraten ist: Der 9. November ist auch der Geburtstag von Herzog Friedrich von Mecklenburg-Schwerin. In diesem Jahr wäre Friedrich der Fromme, wie er auch genannt wurde, 300 Jahre alt geworden, sagt Axel Ulrich vom Förderverein der Stiftskirche. Der Herzog, der die Regierungsgeschäfte im Herzogtum Schwerin nach dem Tode des Vaters am 30. Mai 1756 übernahm, hat in Bützow viele Spuren hinterlassen. „Man nannte ihn auch ,den Gütigen’“, sagt Pastorin Christine Oberlin von der evangelisch-reformierten Gemeinde. Die Reformierte Kirche im Ellernbruch würde es ohne Friedrich von Mecklenburg in Bützow gar nicht geben.

Bei einem Blick zurück in Ausgaben der Bützower Zeitung finden wir Beiträge, in denen über den Einfluss von Herzog Friedrich auf die Bützower Geschichte berichtete wird.

Friedrich der Fromme  (1717-1785)
Archiv
Friedrich der Fromme (1717-1785)

Universität und erste Bibliothek Mecklenburgs

Eines der wichtigsten Ereignisse ist im Jahr 1760. Herzog Friedrich sorgte dafür, dass das kleine Ackerbürgerstädtchen, mitten im Herzen Mecklenburgs, eine Universität bekam. Sabine Prescher vom Bützower Heimatmuseum erzählt die Geschichte: Nach einem Streit mit der Stadt Rostock erließ Herzog Friedrich die Verfügung, die Universität von Rostock nach Bützow zu verlegen. Friedrich, selbst studierter Theologe und Anhänger einer Reformbewegung innerhalb des deutschen Protestantismus, kam mit der an der Rostocker Universität gelehrten Orthodoxie in Konflikt, da er die Universität reformieren wollte.

Kurzerhand ließ er ein Konzept zur Gründung einer neuen Universität in einer seiner Städte erarbeiten. Zur Wahl standen neben Bützow auch Parchim und Güstrow. Ausschlaggebend für den Standort Bützow war wohl das leer stehende Schloss. So wurde am 20. Oktober 1760 die Fredericiana feierlich eröffnet. Die Stadt stellte außer dem Schloss mehrere Wohnungen und Räume für die Universität zur Verfügung. Professor Tychsen, Professor für Orientalische Sprachen, zog in das gegenüber dem Schloss gelegene Krumme Haus.

Es gab keinen besseren Platz für die Einrichtung der Bibliothek als das Krumme Haus. In Schwerin in der Justizkanzlei hatte Tychsen zuvor die alten Büchersammlungen der mecklenburgischen Herzöge Johann Albrecht und Christian Ludwig I. entdeckt und katalogisiert. Er überzeugte Herzog Friedrich, seine umfangreiche Büchersammlung der Universität zu überlassen. Es waren so etwa 12 000 Bände, darunter waren viele seltene Bücher und Handschriften, die nun den Professoren, den Studenten und der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden konnten. Die Bücher, Handschriften, Kuriosa, Schriftrollen und andere wertvolle Stücke wurden genauestens katalogisiert. Am 7. November 1772 wurde die erste öffentliche Bibliothek in Mecklenburg feierlich eröffnet. Auch Gesetze zur Nutzung der Bibliothek vergleichbar mit einer Benutzungsordnung wurden 1772 auf Verlangen des Herzogs erlassen. 1789 endete das Kapitel Universität Bützow.

Glaubensflüchtlinge finden neue Heimat

Gottfried Hägele, Vorsitzender des Vereins Pferdemarkt Quartier erinnerte anlässlich von Französischen Tagen im Kultursalon am Pferdemarkt vor vier Jahren an ein weiteren geschichtlichen Meilenstein für Bützow. Er schrieb unter anderem:

Heute, so glaubt man, hat sich der Einfluss der französischen Zuwanderer in Bützow fast verloren. Doch beim genauen Hinsehen stimmt dies nicht. Ohne die Fremden gäbe es wohl heute kein reformiertes Kirchengebäude im Ellernbruch. Ohne die herzoglichen Zusagen aus dem Jahre 1698 an die Glaubensflüchtlinge würde wohl die finanzielle Unterstützung des Landes Mecklenburg-Vorpommern für die Evangelisch-Reformierte Kirche Mecklenburg-Bützow geringer ausfallen. Ohne die Hugenotten trügen weniger Bützower französische Namen, wie Bornier, Hallier und Musché

Schon im Jahre 1683 ersuchten die Bützower Ratsherren beim damaligen Herzog um die Ansiedelung französischer Flüchtlinge, damit „…diesem nahtlosen und in den letzten Zügen liegenden Ort“ geholfen würde. Hugenotten nannte man die Protestanten aus Frankreich, die reformierten Glaubens waren, und die sich in ihrem eigenen Land ab 1685 einer zweiten Verfolgungswelle gegenüber sahen. Etwa 160 000 Hugenotten flohen 1686 aus dem katholisch regierten Frankreich. Die Ansiedelung von Hugenotten auf deutschem Territorium begründete sich nicht nur aus christlicher Nächstenliebe.

Wirtschaftliche und bevölkerungspolitische Erwägungen spielten ebenfalls eine Rolle. Für Bützow wurden Handwerkerfamilien, vor allem aus dem textilverarbeitenden Bereich, gesucht. Das herzogliche Privileg aus dem Jahre 1698 sicherte den Flüchtlingen Unterstützung in Wohnungsangelegenheiten, Abgabenbefreiung und den Aufbau eines eigenen kirchlichen Lebens zu. „Herzog Friedrich Wilhelm (1692-1713) zu Mecklenburg wies damals an, dass für die Hugenotten 25 Häuser zu bauen wären. Diese entstanden in der Wollenweberstraße“, schreibt Hobbyhistoriker Horst Legrand.

Und Gottfried Hägele weiter: Der erwünschte wirtschaftliche Aufschwung blieb jedoch weitestgehend aus. Der Bützower Tabak wollte nicht so recht gelingen, und die Seiden- und Wolleproduktion der Reformierten fand nicht genug Absatz. Trotzdem, die Hugenottenkolonie bestand als eigenständige kirchliche Gemeinschaft fast hundert Jahre. Als sich im Jahre 1713 die Witwe des Herzogs Sophie Charlotte im Bützower Schloss niederließ, gründete sie eine eigene, eine deutsch-reformierte Gemeinde, da sie selbst diesem Glauben angehörte. 1778, in der Regierungszeit von Herzog Friedrich der Fromme wurde im Ellernbruch die Reformierte Kirche gebaut. Die französische und die deutsche Gemeinde schlossen sich endgültig zusammen.

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