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Bützower Zeitung

21. November 2017 | 07:33 Uhr

Bützow : Heizkosten ruinieren Möbelbörse

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Der Arbeitslosenverband kann die Unterhaltung des Angebotes nicht mehr stemmen

von
erstellt am 27.Okt.2017 | 21:00 Uhr

Die Möbelbörse in der alten Molkerei wird zum Ende des Jahres geschlossen. Grund dafür sind finanzielle Schwierigkeiten, gegen die der Träger, der Arbeitslosenverband (ALV) Mecklenburg-Vorpommern, bereits seit Jahren kämpft. Die enormen Heizkosten haben das Projekt nun in die Knie gezwungen. „Die völlig maroden Nachtspeicheröfen sind seit langem der größte Posten“, sagt Christine Loheit, Geschäftsführerin des Verbandes. So kämen zu den ohnehin schon hohen Monatsbeiträgen am Ende jeden Jahres noch riesige Nachzahlungen. Ein finanzieller Aufwand, den der ALV nicht mehr stemmen kann.

Auch für die Bützower Wohnungsbaugesellschaft (Büwo), der das alte Gebäude gehört, rentiert sich die Unterhaltung längst nicht mehr. „Es wurde Mitte 2017 zum Verkauf ausgeschrieben“, berichtet Christine Loheit. „Wir wurden gefragt, ob wir gewillt seien, es zu kaufen, aber der Verband kann sich das nicht mehr leisten.“

Über die Verkäufe konnten die hohen Verluste schon lange nicht mehr ausgeglichen werden. „Die Einnahmen machen nicht mal ein Drittel aus“, sagt Christine Loheit. Die Nachfrage sei einfach nicht besonders hoch, Bützow sei in dieser Hinsicht ein schwieriges Terrain. „Es kommen viele Liebhaber von Einzelstücken vorbei, die suchen dann vielleicht mal nach Sammeltassen oder Ähnlichem. Aber dafür ist unser Angebot ja nicht gedacht“, so Christine Loheit. Auch die Bereitschaft, Möbel zu spenden, habe sich stark in Grenzen gehalten.

Eine verpasste Chance sieht die Geschäftsführerin in der Flüchtlingswelle. Als es an die Einrichtung von Wohnungen ging, sei die Möbelbörse gar nicht erst im Gespräch gewesen, die Aufträge seien direkt an große Warenhäuser gegangen. „Das wäre eine Möglichkeit gewesen, richtig aktiv sein zu können“, so Christine Loheit.

Für Gert Prochnow, der die Möbelbörse seit fast zwei Jahrzehnten geleitet hat, ist die Entscheidung besonders bitter. „Es wird immer erwartet, dass solche sozialen Angebote betrieben werden, aber wir sind dafür auch auf Spenden angewiesen. Das wurde in den letzten Jahren immer weniger“, sagt er. Für ihn ist klar: Die Stadt hätte das Projekt finanziell mehr fördern müssen.

Ein Vorwurf, den Christine Loheit jedoch relativiert. „Die Stadt unterstützt schon unsere Schuldnerberatungsstelle mit einem nicht geringen Betrag. Das ist für uns eine sehr große Hilfe. Für so ein kleines Projekt wie die Möbelbörse ist da kein Geld mehr übrig.“ Eine andere Förderung, beispielsweise vom Landkreis, sei auch nicht geflossen. „Das einzige, wovon wir profitiert haben, waren Ein-Euro-Jobs“, so Christine Loheit. Gert Prochnow war der einzige Festangestellte. Seine Stelle wird nun komplett gestrichen. „Wir haben leider auch nicht die Möglichkeit, das umzulegen“, so die Geschäftsführerin.

Die Möglichkeit, mit der Möbelbörse in ein anderes Gebäude zu ziehen, hat der Arbeitslosenverband bereits eingehend geprüft. „Es stehen zur Zeit einfach keine geeigneten Räumlichkeiten zur Verfügung. Und irgendwann muss man dann aus betriebswirtschaftlichen Gründen sagen, dass es nicht mehr geht“, sagt Christine Loheit. Dennoch schließt die Geschäftsführerin eine Wiederaufnahme des Projektes nicht aus. Sie sagt: „Sollte sich irgendwann doch ergeben, dass wir günstige Räume kriegen könnten, wäre es nicht allzu kompliziert, wieder etwas aufzubauen.“

Bis Ende des Jahres läuft die Möbelbörse wie gewohnt weiter. Über Aktionen sollen noch so viele Waren wie möglich verkauft werden. „Es kann sein, dass der eine oder andere Ladenhüter auf den Sperrmüll muss, aber das versuchen wir zu vermeiden“, so Christine Loheit.

Kontakt: 038461/653 45

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