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Cannabis-Häuser in Tarnow und Gnemern : Hauptangeklagter unter Bedrängnis

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Die Bestätigung, dass Fäden der Cannabisgärtner von Gnemern und Tarnow bis in die Niederlanden reichten (SVZ berichtete), wurde dem Gericht bei der Verhandlung am Mittwoch präsentiert.

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erstellt am 17.Nov.2011 | 07:32 Uhr

Tarnow /Rostock | Die Bestätigung, dass Fäden der Cannabisgärtner von Gnemern und Tarnow bis in die Niederlanden reichten (SVZ berichtete), wurde dem Gericht bei der Verhandlung am Mittwoch präsentiert. Der Vertreter der Rostocker Staatsanwaltschaft übergab einen dicken Aktendeckel mit Ermittlungsergebnissen der holländischen Polizei über Hausdurchsuchungen und die Festnahme von vietnamesischen Staatsbürgerinnen.

Die Verteidiger des Angeklagten Le Coung H.(48), der in mehreren Prozessen wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz als Hauptverdächtiger gilt, beantragten sofort eine Aussetzung beziehungsweise Unterbrechung der Hauptverhandlung. Sie befürchten durch die Übergabe der holländischen Ermittlungsergebnisse nicht absehbare Konsequenzen für ihren Mandanten. Gericht und Staatsanwaltschaft wiesen den Antrag zurück. Das Gericht setzte wie geplant die Verhandlung mit Zeugenbefragungen fort.

Eine 40-jährige Kriminalbeamtin berichtete über die Ermittlungsergebnisse der hiesigen Polizei. Sie war am 5. September 2010 dabei, als das Einfamilienhaus in Gnemen durchsucht wurde. Über das ganze Haus verstreut, vom Keller bis zum Boden, sogar in der Garage wurden Hanfsetzlinge in unterschiedlichen Wachstumsphasen gefunden. 660 Pflanzen waren schon abgeerntet und drei Kilogramm Marihuanablüten zum Trocknen ausgelegt. Eine Vietnamesin wurde an Ort und Stelle festgenommen. Sie gab an, Köchin für die Gärtner zu sein.

Im Tarnower Einfamilienhaus fand die Polizei neben 300 Pflanzen auch fünf Kilogramm Marihuanablüten, die getrocknet wurden. Hier wurde ein Vietnamese festgenommen, der in einem Plastikzelt neben dem Haus campierte. Gleichzeitig kam es in Leipzig zu der Festnahme eines vietnamesischen Bürgers, der mit dem Angeklagten in Verbindung gestanden haben soll. In einem Auto, das ein Tscheche lenkte, wurden 13 Kilogramm frische Marihuanablüten gefunden.

Auf den Angeklagten Le Coung H. sei man durch die Aussagen eines Landsmann gekommen, der sich zur Zeit in Haft befindet. Zudem erkannte ihn die Güstrower Maklerin an einem auffallenden Gesichtsmal wieder. Nach ihrer Aussage, war Le Coung H. dabei, als die Mietverträge für die Häuser in Gnemern und Tarnow unterschrieben wurden. Er war außerdem der von mehreren Zeugen beschriebene Fahrer eines silbernen Audi Kombi mit Rostocker Kennzeichen, der oft an den Häusern in Gnemern und Tarnow gesehen wurde. Über die Funkortung war er zusätzlich observiert worden. In der Wohnung seiner Lebensgefährtin fand man Dokumente der "Köchin" aus Gnemern und Hinweise auf ein Schließfach bei der Ostseesparkasse, im dem über 21 000 Euro lagerten.

Der zweite Zeuge reiste aus Peine an. Er hatte nachweislich den Mietvertrag über das Haus in Gnemern unterschrieben. Aus reiner Gefälligkeit für einen Herrn Thie, wie er sagte, den er aus einer Spielhalle in Hannover kannte. Herr Thie, der keine Papiere für Deutschland hatte, wollte dort Näherinnen unterbringen. "Ich kenne die Person nicht", sagte der Zeuge und zeigte zur Anklagebank. "Jetzt will ich keine Fragen mehr beantworten", sagte er schließlich. Er muss mit einem Ermittlungsverfahren wegen uneidlicher Falschaussage rechnen. Der Prozess wird am 23. November fortgesetzt.

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