Gebürtiger Bützower ist Kapitän des Notfallschleppers "Baltic" : Hartmut Kuhlmann steuert 11 532 PS

<strong>Hartmut Kuhlmann </strong> aus Katelbogen bei Bützow ist einer der beiden Kapitäne im Schichtsystem des zweitgrößten Notfallschleppers der Bundesrepublik Deutschland. <foto>Horst Marx</foto>
1 von 2
Hartmut Kuhlmann aus Katelbogen bei Bützow ist einer der beiden Kapitäne im Schichtsystem des zweitgrößten Notfallschleppers der Bundesrepublik Deutschland. Horst Marx

Ein Bützower Jung führt den zweitgrößten Notfallschlepper Deutschlands. Kapitän Hartmut Kuhlmann hat mit den sieben Männern seiner Besatzung eine enorme Verantwortung für die Sicherheit der Schifffahrt in der Ostsee.

svz.de von
04. Januar 2013, 11:35 Uhr

Bützow/Rostock | Auf sein Kommando reagieren gewaltige 11 532 PS so empfindlich, als würde Hartmut Kuhlmann den Transformator einer Spielzeug-Eisenbahn bedienen. Mit bis zu 17 Knoten kann der Kapitän sein rund 3000 Bruttoraumzahl (BRZ) schweres und 61, 36 Meter langes Schiff bei fast jedem Wetter durch die See pflügen lassen. Wenn es überhaupt noch eines Beweises bedarf, welch gigantisches Kraftpaket die "Baltic" ist, dann mögen wir uns vorstellen, was an Bord los ist, wenn einer der modernsten Notfallschlepper Europas mit einem Pfahlzug von bis zu 127,2 Tonnen andere Schiffe auf den Haken und an die Schlepptrosse nimmt. Die Konzentration bei solchen Manövern gleicht an Bord der Anspannung von Jet-Piloten, wenn sie die Schallmauer durchbrechen. Allein der 500 Meter lange Schleppdraht besitzt einen Durchmesser von 62 Millimetern.

Ein Bützower Jung führt den zweitgrößten Notfallschlepper Deutschlands. Kapitän Hartmut Kuhlmann hat mit den sieben Männern seiner Besatzung eine enorme Verantwortung für die Sicherheit der Schifffahrt in der Ostsee, für ein viele Millionen Euro teures Schiff. Zwei Kapitäne und zwei Besatzungen sind im Schichtsystem von jeweils rund zwei Wochen Tag und Nacht an Bord der "Baltic", die an ihrem Liegeplatz in Rostock-Warnemünde am Werftbecken auch für Besucher der Hansestadt und ihres Seebads gut zu sehen ist. Keiner der Männer in der Schicht um Hartmut Kuhlmann oder von der anderen Crew, die Kapitän Bernhard Kittel aus Rostock führt, sehnt sich nach Havarie- oder Bergungseinsätzen. Die ausnahmslos erfahrenen und für ihren Job handverlesenen Seeleute - Nautiker, Ingenieure, Techniker und Decksmänner - wissen genau, dass jeder ihrer Einsätze sie in ein Bewährungsgebiet zwischen Leben und Tod führen kann.

Nur vier Tage nachdem die "Baltic" 2010 in Dienst gestellt wurde, ist die Besatzung zum furchtbaren Brand der Ostseefähre "Lisco Gloria" vor der Insel Fehmarn gerufen worden. Die Feuerlöschkanonen auf "seinem" Schiff, das Hartmut Kuhlmann "mein zweites Zuhause" nennt, haben eine Reichweite von 120 Metern und können eine Höhe von bis zu 50 Metern erreichen. Es gibt ein Bordhospital mit einer exakt sortierten Bordapotheke und neben Kojen und Kombüse sorgen auch diverse andere Aufenthaltsräume für die Zerstreuung der Besatzung. Hartmut Kuhlmann hat als Kapitän mit einer kleinen Crew die nagelneue "Baltic" vor fast drei Jahren von der Werft in Vigo (Spanien) in vier Tagen und Nächten nach Rostock-Warnemünde gebracht. "Das war schon eine sehr angespannte Zeit", sagt er, "denn nach der Einweisung durch spanische Nautiker und Techniker begann eigentlich das richtige Kennenlernen auf hoher See". Hartmut Kuhlmann wurde Seemann aus einem tiefen und bis heute fest verankerten Berufswunsch. 1974 begann er seine Lehre auf Ausbildungsschiffen der Deutschen Seereederei (DSR) in Rostock, war nach gutem Lehrabschluss auf Frachtschiffen des Flottenbreiches Asien/Amerika unterwegs und wechselte später nicht nur zu berühmt gewordenen Technischen Flotte (BBB - Bagger-, Bugsier- und Bergungsreederei), sondern auch in den Hörsaal sowie in die Seminarräume für sein Studium an der Fach-Hochschule für Seefahrt.

Der gebürtige Bützower sagt von sich und seiner Frau Monika, die als Sozialpädagogin arbeitet: "Wir sind sehr heimatverbunden und damit bodenständig." Das Ehepaar wohnt in Katelbogen bei Bützow. Die zwei Söhne sind erwachsen und stehen als Architekt beziehungsweise Berufsfeuerwehrmann auf eigenen Füßen. Über Weihnachten war Hartmut Kuhlmann mit seiner Besatzung an Bord.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen