Eickelberg : „Gundermann“ füllt die kleine Kirche

Kino in der Kunstkirche: Christian Meyer, Projektleiter „Starke Stücke“, gab eine kurze Erläuterung zum Film.
Kino in der Kunstkirche: Christian Meyer, Projektleiter „Starke Stücke“, gab eine kurze Erläuterung zum Film.

Film über singenden Baggerfahrer mit der besonderen Biografie bereichert 5. Eickelberger Kunstkirche, die noch bis Sonntag weitere Veranstaltungen bereithält

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02. August 2019, 20:00 Uhr

Die 5. Auflage der Eickelberger Kunstkirche findet eine Besucherresonanz wie nie zuvor. Und es ist noch nicht zu Ende. Bis Sonntag gibt es weitere kulturelle Angebote.

Und wieder mussten Bänke und Stühle geschleppt werden, denn die viele Menschen strömten in die kleine Kirche. Viele, die noch nie in diesem Gotteshaus waren und die, die ihr bei jeder Veranstaltung treu sind. 160 Menschen wollten den Film „Gundermann“ sehen, der dort gezeigt wurde.

Die Filmvorführung gehörte zum Projekt „Starke Stücke. Berührt und diskutiert“ des evangelisch-lutherische Kirchenkreis Mecklenburg. Mit dieser Reihe zieht Christian Meyer vom Kirchenkreis im achten Jahr durch kleine Dorfkirchen und zeigt emotional berührende und kontroverse Filme. „Die Kirche Eickelberg ist heute Eröffnungsort unserer Reihe ‚Starke Stücke‘“, erklärte Christian Meyer und weiter: „Wir touren mit den Filmen quer durch Mecklenburg-Vorpommern. In 39 Veranstaltungen an 36 Spielorten zeigen wir 25 verschiedene Filme. Immer bewusst in kleinen Dorfkirchen, weil wir Kultur auf‘s Land bringen wollen.“

Er freute sich, dass die Kunstkirche-Organisatoren sich „Gundermann“ ausgesucht hatten. Einen preisgekrönten Film von Andreas Dresen. „Endlich war die Zeit reif, diesen Film zu machen“, wusste Meyer. „Fast zwölf Jahre hat es gedauert. Im letzten Jahr konnte Andreas Dresen diesen Film abliefern und wurde auch gleich mit sechs Deutschen Filmpreisen ausgezeichnet. Er ist endlich auch ein wirtschaftlich erfolgreicher Film.“

„Gundermann“ – ist ein Film über den mit 43 Jahren an einem Schlaganfall verstorbenen Gerhard Gundermann, Baggerfahrer im Braunkohletagebau und Liedermacher mit einer widersprüchlichen Vergangenheit. In der DDR galt Gundermann als Sprachrohr der Menschen im Lausitzer Braunkohlerevier. Andreas Dresen zeigt seinen Film als einen einfühlsamen Beitrag zur deutsch-deutschen Geschichte. Dieser Film ist sehr viel mehr als nur eine Biografie. Mit ihm erklärt Dresen die DDR-Geschichte auf eine Weise jenseits aller Rechthaberei oder Besserwisserei. Er ist ein kraftvolles Bekenntnis zur Zerrissenheit mit tief berührender Wirkung.

Die 160 Menschen in der Eickelberger Kirche sahen einen aufrichtigen und bewegenden Musikfilm über ein gelebtes Leben mit all seinen Idealen, Verstrickungen, Enttäuschungen.

Als Christian Meyer zum Schluss in die Runde fragte, „Wer kannte Gundermann?“, meldete sich Sabine Wappler aus Warnow. „Ich habe ihn unmittelbar nach der Wende in Bützow, in der Scheune zwischen Stichert und Willert erlebt – genau so!“

Dieser Film lieferte jede Menge Gesprächsstoff, noch in der Kirche , aber auch Stoff zum Nachdenken, Zurückdenken, Erinnern auf dem Heimweg und Zuhause.

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