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Bützower Zeitung

19. November 2017 | 22:47 Uhr

Schwaan : Grüne Dame gibt Hoffnung

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Janett Radloff steht Patienten der Fachklinik Waldeck ehrenamtlich zur Seite

von
erstellt am 21.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Sie ist ein wenig aufgeregt, als der Reporter zum Fototermin bittet. Regina Labahn sitzt im Rollstuhl. Jenett Radloff nimmt ihre Hand, redet beruhigend auf sie ein. Und schon huscht ein Lächeln über das Gesicht von Regina Labahn.

Bis vor sieben Wochen kannten sich die beiden Frauen noch nicht. Jetzt begegnen sie sich regelmäßig in der Fachklinik Waldeck in Schwaan. Regina Labahn ist auf Rügen zuhause und erholt sich in der Fachklinik von einem Schlaganfall. Janett Radloff bekleidet als Grüne Dame ein Ehrenamt. Für beide Frauen ist das ein Glücksfall.Obwohl beide nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens stehen, versuchen sie sich mit ihrem Schicksal zu arrangieren.

„Go Activ – Keiner ist allein!“ ist ein Projekt des Bilse-Instituts in Güstrow, gefördert durch das Schweriner Sozialministerium. Es möchte im Landkreis Rostock die Idee von den Grünen Damen und Herren etablieren. Diese Ehrenamtler sind dort zur Stelle, wofür zum Beispiel Krankenschwestern in einer Klinik nicht die Zeit haben.

Im Juni hatte das Bilse-Institut deshalb zu einer Informationsveranstaltung in die Fachklinik nach Schwaan eingeladen. Fünf Frauen seien dabei gewesen, hatten sich informiert, erzählt Imke Bräuer von den Organisatoren. Übrig geblieben sei zunächst einmal nur Janett Radloff.

„Ich hatte den Flyer bei meine Arzt im Wartezimmer gesehen“, erzählt die Schwaanerin. Sie selbst sei seit Jahren chronisch krank, mittlerweile bezieht sie eine Erwerbsunfähigkeitsrente. „Doch nur zuhause rumsitzen und versauern, das möchte ich auch nicht. Dafür bin ich noch zu jung“, sagt die 40-Jährige. Zwei Tage in der Woche kommt Janett Radloff nun für zwei Stunden in die Klinik, um Patienten, die es wünschen, Gesellschaft zu leisten. „Wir gehen zum Beispiel bei schönem Wetter spazieren oder reden miteinander“, erzählt die Schwaanerin. Dabei begegnet sie den ihnen anvertrauten Menschen auf Augenhöhe. Sie wisse aus der eigenen Erfahrung wie es ist, mit einer schweren Erkrankung umzugehen. „Es gibt Höhen und Tiefen, jeder Tag ist anders“, sagt Janett Radloff.

„Der Bedarf ist auf jeden Fall da“, sagt Dr. Susan Wende. Die Qualitätsbeauftragte der Fachklinik spricht von den viele Patienten mit neurologischen Erkrankungen, wie Schlaganfall und Multipler Sklerose oder Unfallopfern, die in Schwaan eine Reha absolvieren. Die dauert oftmals viele Wochen und Monate. Nicht alle erhalten täglich oder regelmäßig Besuch, da Angehörige arbeiten oder weiter weg wohnen.

Am Tage haben viele der Patienten ein zum Teil umfangreiches Therapieprogramm. Dörte Lopschus dagegen kümmert sich um die Freizeitgestaltung der Patienten. „Unsere Arbeit beginnt, wenn die Therapeuten nach Hause gehen“, sagt die Kunsttherapeutin. Kreatives Gestalten, Basteln, Kinoabende stehen dann auf dem Programm. Es gibt Spieleabende oder es tritt auch mal der Schwaaner Schulchor auf. „Wir füllen die Zeiten aus, wenn das Grübeln losgeht“, sagt Dörte Lopschus. Der Einsatz der Grünen Damen und Herren sei eine Verstärkung dieser Anstrengungen um den Patienten. Er ist individueller und genauso wichtig.

Regina Labahn möchte wieder so schnell wie möglich mobil sein, wieder gehen können, um endlich nach Hause zu können. Tägliche Besuche von Verwandten sind nicht möglich, der Weg nach Rügen weit. Regina Labahn muss mit den Tränen kämpfen, als sie das erzählt. Janett Radloff, nimmt sie in den Arm, tröstet. Worte bedarf es in diesem Moment nicht.

Sie habe sich gewundert, dass bisher nur sie auf diese Idee von den Grünen Damen und Herren eingegangen sei, sagt Janett Radloff. Dennoch möchte Imke Bräuer vom Bilse-Institut die Hoffnung noch nicht aufgeben, in Schwaan eine kleine Gruppe von Ehrenamtlern zu etablieren. „Es ist ja nicht nur ein Angebot für die Patienten. Es ist ja auch eines für solche Frauen und auch Männer, die vielleicht in Rente gehen und in diesem Ehrenamt eine neue Aufgabe finden“, sagt Imke Bräuer. Es sei letztendlich eine sogenannte Win-Win-Situation für beide Seiten.

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