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Schließung des Standortes in Laage : Großdruckerei am Ende

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Große Schlappe für den Wirtschaftsstandort Airpark Laage: Die insolvente Großdruckerei Adam will Ende August endgültig dicht machen. 61 Mitarbeiter stehen auf der Straße, erhielten bereits ihre Kündigungen.

svz.de von
erstellt am 31.Jul.2013 | 04:44 Uhr

Laage | Große Schlappe für den Wirtschaftsstandort Airpark Laage: Die insolvente Großdruckerei Adam will Ende August endgültig dicht machen. 61 Mitarbeiter stehen auf der Straße, erhielten bereits ihre Kündigungen. Nach Bekanntwerden der Insolvenz im Januar war Firmenchef Walter Adam extra nach Laage geflogen und hatte noch mit viel Optimismus ein erfolgsversprechendes Krisenmanagement angekündigt (SVZ berichtete). Die Insolvenzverwalter sprachen gar von einer "atypischen Insolvenz", hofften auf eine erfolgreiche Sanierung des Unternehmens noch in diesem Jahr und bewerteten die Ausgangslage als ausgesprochen gut.

Doch jetzt der Paukenschlag: Der aussichtsreichste Investor für die Übernahme habe abgesagt, teilte der Insolvenzverwalter mit. Damit bestehe wegen der "problematischen Liquidität keine mittelfristige Fortführungsprognose mehr".

Als es im Jahr 2007 mit der Großdruckerei Adam Nord GmbH im Airpark Laage losging, hatte Inhaber Walter Adam große Visionen: Eroberung des skandinavischen Marktes, eine zweite Ausbauphase für die Rollenoffset-druckerei mit zusätzlichen Jobs, eine riesige Ausbildungswerkstatt mit jährlich bis zu 30 Azubis, um den eigenen Firmennachwuchs heran zu zuziehen. Der Kurs stand auf Expansion, hatte Adam doch mit dem Bau der Druckerei in Laage die Kapazitäten seines Bruchsaler Unternehmens bereits mehr als verdoppelt. Rund 50 Millionen Euro flossen in den Aufbau des Laager Standorts, davon knapp 15 Millionen Fördergelder des Landes. Mehr als 120 Menschen arbeiteten mal im Airpark. Doch die Zeit der hochtrabenden Visionen ist für den Badener Adam schon lange vorbei. 2012 gab es in dem hochmodernen Betrieb erstmals Kurzarbeit und Entlassungen.

Noch im Januar hatte Adam verkündet: "Die Auftragslage ist in diesem Jahr so gut, dass wir in Laage neue Mitarbeiter einstellen wollen." Er habe "werthaltigere Aufträge" an Land ziehen können. Beteuerung damals: Entlassungen seien nicht geplant. Offensichtlich alles Augenwischerei. Laut Insolvenzverwalter Carsten Buderer aus Karlsruhe werde der Betrieb nur noch bis Ende August in vollen Umfang fortgeführt. "Sollten in Laage für den August geplante Aufträge sich verzögern, ist auch eine Fertigstellung dieser Aufträge im September möglich", sagt er.

Die Muttergesellschaft Adam GmbH in Bruchsal ist unterdessen nicht von der Schließung betroffen. "Der Betrieb in Bruchsal wird in vollem Maße aufrechterhalten", so Buderer. Das Mutterunternehmen verfüge über eine gute Auslastung und sei rentabel. Das Ende der Insolvenz für den Betrieb in Bruchsal werde noch dieses Jahr erwartet.

Ausgangspunkt der Firmenkrise waren nach Angaben des Insolvenzverwalters mögliche Fehler in den Verträgen zum Kauf von zwei Druckmaschinen im Wert von 24 Millionen Euro gewesen. Die Druckerei habe dann nach einer falschen rechtlichen Beratung die Ratenzahlung eingestellt.

Der Finanzierer habe den darauf folgenden Prozess gewonnen und sein Sonderkündigungsrecht wahrgenommen. Daraufhin sei die komplette Summe fällig geworden. "Was man auf Jahre abbezahlen will, kann man nicht auf einmal bezahlen", sagte der Insolvenzverwalter bereits im Januar in Laage. Und Adam ergänzte: "Ich musste Insolvenz anmelden, weil ich so viele Millionen nicht auf den Tisch legen konnte."

Insolvenzverwalter Buderer lässt aber auch einen kleinen Hoffnungsschimmer aufkeimen: "Die aktuelle Einstellungsentscheidung könnte widerrufen werden, wenn derzeitige Verhandlungen über die Absicherung der Rentabilität und der Liquidität mit einem Großkunden erfolgreich verlaufen werden." Doch zum jetzigen Zeitpunkt gebe es noch keine verbindlichen Zusagen.

Die Druckerei Adam druckt Werbung für Handelskonzerne und bezeichnete sich bisher als Marktführer bei individualisierter Prospektwerbung in Deutschland.

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