Vandalismus in Bützow : Graffitis: Jeder Hinweis zählt

Ein König, wie der Urhber dieses Werkes an einer Wand in der Altstadt titelt, ist der Sprayer sicherlich nicht.
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Ein König, wie der Urhber dieses Werkes an einer Wand in der Altstadt titelt, ist der Sprayer sicherlich nicht.

Drei junge Männer und Frauen verunstalteten Wände in der Altstadt. Die Polizei vermeldet nun einen Ermittlungserfolg

svz.de von
30. Juli 2015, 11:45 Uhr

Die scheinbar kleinen Erfolge sind manchmal die wichtigsten. Das ist bei der Polizei in Bützow nicht anders.

Mit Graffitis verunstalteten vergangene Woche mehrere Täter Hauswände in Bützows Altstadt (wir berichteten). Angefangen an der Freien Schule, wo die Schmierereien noch sichtbar sind, bis in die Schlossstraße wurden verschiedene Wände in der Nacht vom 22. auf den 23. August wahllos verschandelt. „Das zieht sich wie ein Faden durch die Stadt Bützow“, berichtet Achmed Mannke, Leiter des Kiminalkommissariats, Außenstelle Bützow.

Was die drei „Künstler“ nicht ahnten, war, dass sie bei ihrer nächtlichen Aktion beobachtet wurden. Die Zeugen meldeten sich umgehend bei der Polizei und gaben dem Fall die entscheidende Wendung. „Dass sie sofort reagiert haben, nachdem sie Geräusche wahrgenommen haben“ sei genau richtig gewesen, lobt Mannke. „Das war für uns Anlass, der Sache stärker nachzugehen“, erklärt Revierleiter Dirk Höhlein.

Ohne Zeugen kaum Chance auf Erfolg

Denn die Erfahrung zeige, dass sich Ermittlungen in diesem Bereich grundsätzlich schwierig gestalten. Ohne Zeugen hätte die Polizei kaum Möglichkeiten, Sprayer zu ermitteln. „Ein, zwei Tage später ist man fast chancenlos“, fügt Mannke an. Nach ersten Ermittlungen durch die Polizei übernahm die Kripo den Fall. „Die ermitteln viel intensiver und akribischer“, erklärt Polizeichef Höhlein den Vorgang. Dass aufmerksame Bürger Beobachtungen melden, sei auch für sie ein glücklicher Umstand. „Das ist etwas ganz positives, was nicht alltäglich ist“, so Mannke.

„Einer dieser Zeugen konnte dann auch eine Person beschreiben und benennen“, führt Mannke weiter aus. Der Verdacht ließ sich soweit erhärten, dass die Staatsanwaltschaft und auch das Amtsgericht einem Durchsuchungsbeschluss zustimmte und die Wohnung des Verdächtigen durchsucht wurde. Dort fanden sich diverse Spraydosen und andere Hinweise. Die Beamten konnten schließlich drei Täter ermitteln: zwei junge Männer und eine Frau, alle Anfang 20 und teilweise polizeilich bekannt.

Gemeinsam hatten sie in der Nacht sechs bis acht Gebäude beschmiert. Die mit Farbe aufgesprühten Worte messen zwischen zweieinhalb und dreieinhalb Meter. „Das zeigt auch die Intensität der Tat“, so Mannke. Deshalb wird auch wegen Sachbeschädigung ermittelt. Zudem sei eine Tendenz zum Drogenmilieu naheliegend.

„Wir haben auch Spuren am Tatort gesichert“, berichtet der Leiter des Kriminalkommissariats in Bützow. So werden die Farbspuren nun mit dem Inhalt der aufgefundenen Farbdosen abgeglichen. „Es muss nicht immer der Fingerabdruck sein“, sagt Mannke, zufrieden mit dem Ermittlungsergebnis. Indizien – auch bei kleineren Delikten – legen eine Spur zum Täter.

Wer Schaden verursacht, muss dafür einstehen

Sprayen sei zwar keine schwere Straftat, aber eben auch kein Kavaliersdelikt. Die unschönen Schriftzüge verschandeln das Stadtbild und sind nicht leicht und vor allem nicht günstig wieder loszuwerden. Ein Umstand, den auch das Sprayer-Trio in Bützow noch zu spüren bekommen wird. „Wer einen Schaden verursacht, muss dafür auch einstehen“, stellt Mannke klar. Dafür sei zwar ein zivilrechtliches Verfahren nötig. Durch die Ermittlungen besteht nun aber überhaupt erst die Möglichkeit Ansprüche an die drei Täter geltend zu machen.

Einige betroffene Privatpersonen reagierten umgehend und entfernten die Graffitis von ihren Wänden.

Glaubt man der „Broken Windows“-Theorie aus der Kriminologie ist das der beste Weg, weitere Schmierereien zu verhindern. Diese besagt, dass dort wo Zerstörung zu finden ist, noch mehr zerstört wird. Das heißt, wo Graffitis eine Wand verschandeln, ist die Versuchung groß, weitere „Kunstwerke“ hinzuzufügen. Im Umkehrschluss bedeutet dass aber auch, dass eine bisher gepflegte Stelle – wenn nichts unternommen wird – schnell zum Schandfleck verkommen kann. „Einwohner sollten daran interessiert sein, es zu melden“, appelliert Mannke.

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