zur Navigation springen
Bützower Zeitung

16. Dezember 2017 | 04:38 Uhr

Bützow : Goldene Zeiten brechen an

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Restauratorin Kaja Cossart vergoldete Hahn und Kugel der Stiftskirche. Eine Besichtigung ist heute möglich

svz.de von
erstellt am 01.Okt.2015 | 17:59 Uhr

Drei Quadratmeter Gold im Wert von 1900 Euro befinden sich zurzeit vor dem Altar der Bützower Stiftskirche. Doch eigentlich gehört es dort nicht hin. Bei dem Gold handelt es sich um den Hahn und die Kugel nebst Stange, die morgen ihren Platz auf dem Dach der Kirche wieder einnehmen.

„Sonst ist das ja immer so weit oben“, sagt Ulrich Cladow. Der Bützower nutzte bereits gestern die Gelegenheit, sich die fertigen Stücke anzuschauen. „Ich habe mir den Hahn und die Kugel aber größer vorgestellt“, sagt Cladow. Auch Ruth Finck interessierten die Arbeiten an Hahn und Kugel. „Ich finde schade, was der Tornado alles zerstört hat. Nun freut es mich, die Fortschritte sehen zu können“, sagt Finck.

„Die Vergoldung haben wir uns selber geschenkt. Wir möchten damit ein Zeichen der Hoffnung setzen“, sagt Karl-Martin Schabow, Pastor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde. Zuvor hätten Hahn und Kugel noch glanzlos auf dem Dach der Stiftskirche gethront.

Für die Restaurationsarbeiten verwendete Kaja Cossart von TSP Spezialbau aus Drechow 23,75-karätiges Gold. Doch zuvor besserte Industriekletterer Henner Unebenheiten vor allem an der Kugel aus. Dann trug Cossart sechs Schichten Epoxidharz auf. Die Farbe sei sehr elastisch und lasse keine Risse zu, wenn die vergoldeten Stücke oben auf dem Kirchendach Wind und Wetter ausgesetzt seien, so Cossart. Es folgten drei Schichten gelbe Acrylfarbe und anschließend zwei Schichten Anlegeöl. Das Öl stellt die Klebegrundlage für das Blattgold dar, welches Cossart Stück für Stück auf Hahn und Kugel anpinselte. Immer wieder besserte sie einzelne Stellen aus, saß bis zu zwei Stunden daneben, um Farbrückstände und Fingerabdrücke zu übermalen. Die Schwierigkeit besteht vor allem darin, die richtige Golddicke aufzutragen. Ist die Schicht zu dünn, glänze das Gold nicht richtig, ist sie aber zu dick, entstünden Unebenheiten, so Cossart. Der Hahn wiege zwischen 25 und 30 Kilogramm. Die Kugel sei im Vergleich viel leichter, da diese von innen hohl sei.

Während ihrer Arbeit am Hahn entdeckte Cossart die Spuren ihrer Vorgänger. Frühere Restauratoren hinterließen Jahreszahlen und Initialen. Auch den Stempel einer in Bützow ansässigen Schmiede konnte sie ausmachen.

Cossart konnte schon viele Erfahrungen im Vergolden sammeln können. Im Jahr 1995 entschied sie sich dazu, Restauratorin zu werden und absolvierte ein Praktikum in diesem Bereich. Doch es sei nicht einfach, in diesem Beruf Fuß zu fassen. Sie entschied sich für ein Studium der Mittelalterlichen Geschichte und Kunstgeschichte in Berlin. Nun steht sie davor ihren Doktortitel in Kunstgeschichte zu erhalten.

Interessierte können heute von 9 bis 12 Uhr Hahn und Kugel in der Bützower Stiftskirche betrachten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen