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Bützower Frauentreff : Gewalt in der Familie: Wegsehen hilft keinem

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Jede vierte Frau erfährt in ihrem Leben häusliche Gewalt. In der Diskussionsrunde im Bützower Frauentreff wurde das Tabuthema an die Öffentlichkeit geholt. Wo man Hilfe erhält, war im Treff zu erfahren.

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erstellt am 18.Apr.2013 | 10:41 Uhr

Bützow | Eine Frau stürzt die Treppe hinab, überschlägt sich einmal, zweimal… Gebannt schauen alle Augen im Bützower Frauentreff des dfb auf den kleinen Film, der da läuft. "Tausende von Frauen fallen jeden Tag die Treppe hinunter - angeblich", sagt Ellen Schlutow von der Kontakt- und Beratungsstelle "Frauen in Not" Kröpelin.

Sie war gestern auf Einladung der Bützower Gleichstellungsbeauftragten Britta Schacht zu Gast im Bützower Frauentreff, um dort Interessierte über das Thema "Gewalt in der Familie" und wie sich Frauen in dieser Situation helfen können, aufzuklären. "Jede vierte Frau erfährt in ihrem Leben häusliche Gewalt", so haben es statistische Untersuchungen ergeben, sagt Ellen Schlutow, die mit ihrer Beratungsstelle für Betroffene und Hilfesuchende für den ganzen Landkreis Rostock zuständig ist.

"Alles, was dir gegen deinen Willen angetan wird, ist Gewalt", sagt sie, da gebe es nichts schönzureden. Trotzdem sei es eine bekannte Tatsache, dass das Thema Gewalt in der Familie in der Öffentlichkeit meist unter den Teppich gekehrt werde. Wobei es vielerlei Arten von Gewalt gebe. Da existiere nicht nur die körperliche Gewalt durch Schlagen und Treten, auch die psychische durch Einschüchtern und Erniedrigen und die ökonomische Gewalt durch das Vorent halten von Einkommen sei schlimm. Nicht zu unterschätzen seien auch die soziale Gewalt durch Isolation oder die Angst, die Kinder zu verlieren, die sexuelle Gewalt durch Vergewaltigung in der Partnerschaft oder Stalking, das das Opfer fertig macht. "Warum gehen die Frauen nicht weg von ihrem Partner, der ihnen Gewalt antut?", warf Ruth Abraham von der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe Bützow die Frage auf. "Die Frauen sind oft traumatisiert", so Ellen Schlutow. Außerdem haben sie eine Menge Ängste, bis dahin, die Kinder zu verlieren. Und viele hoffen immer wieder aufs neue, dass es diesmal stimmt, wenn der Partner, der sie misshandelt hat, sich am nächsten Tag entschuldigt und verspricht, dass es nicht mehr vorkommt. Bis sie dann das nächste Mal eines Besseren belehrt werden…

Allen, denen noch der Mut zur Trennung vom gewalttätigen Partner fehlt, gibt Ellten Schlutow den Tipp: "Man sollte wenigstens die Verletzungen dokumentieren lassen. Das kann man anonym im Rechtsmedizinischen Institut Rostock."

Ein Grund dafür, die Trennung vom gewalttätigen Partner immer wieder hinaus zu schieben, sei auch die Furcht, ihm im kleineren Orten immer wieder zu begegnen, weiß Ellen Schlutow. "Dann muss man es so machen wie ich, ich bin aus Bayern hier hochgezogen", sagt eine der Frauen aus den Besucherreihen, die ebenfalls Gewalt von ihrem Partner erfahren hat. Interessant auch: In 38 Prozent der Fälle beginnt die Spirale der Gewalt erst nach der Eheschließung, in 20 Prozent der Fälle nach Bekanntwerden einer Schwangerschaft, hat die Statistik ermittelt. Das Gesetz stehe immer auf Seiten der Opfer, keiner solle sich scheuen, im akuten Extremfall bei der Polizei unter der Nummer 110, bei der Gleichstellungsbeauftragten, bei ihrer oder einer anderen Beratungsstelle Hilfe zu suchen, versucht Ellen Schlutow betroffene Frauen zu ermuntern. Aus ihrer täglichen Arbeit weiß sie allerdings, dass bis zu diesem ersten Schritt oft viel Zeit vergeht.

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