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Ratlosigkeit, wie es in Gemeinde weitergehen soll : Getrübte Feierlaune in Diekhof

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Kein Bürgermeister, keine Gemeindevertretung, keine Kohle - dennoch ließen sich die Diekhofer ihr Gemeindefest nicht vermiesen. Bürgermeister und Gemeindevertreter waren vor kurzem geschlossen zurückgetreten.

svz.de von
erstellt am 08.Sep.2013 | 05:30 Uhr

Diekhof | Kein Bürgermeister, keine Gemeindevertretung, keine Kohle - dennoch ließen sich die Diekhofer am Sonnabend ihr Gemeindefest nicht vermiesen. Viele Diekhofer hatten nach dem Rücktritt von Bürgermeister Ralf Lenz und der gesamten Gemeindevertretung (SVZ berichtete) schon geglaubt, dass das Fest gar nicht stattfinden würde. Doch dank des ehrenamtlichen Engagements der Zurückgetretenen konnte doch noch ein Fest für die knapp 1000 Einwohner zählende Gemeinde auf die Beine gestellt werden. Allerdings erstmals ohne Zuschüsse der Gemeinde, denn die ist bekanntlich pleite und sämtliche freiwilligen Leistungen wurden gestrichen. Sponsoren sprangen ein, eingeworben von den Ex-Gemeindevertretern, und bezahlten die einzelnen Programmpunkte. Bürgermeister und Gemeindevertreter waren vor kurzem aus Protest geschlossen zurückgetreten, da sie aufgrund finanzieller Zwänge keine Gestaltungsmöglichkeiten mehr für das gemeindliche Zusammenleben sehen.

Gemeindefest nur durch Sponsoren möglich

"Das Fest funktioniert zwar allein mit Sponsoren, aber das ist keine Dauerlösung. Es muss auch Aufgabe der Gemeinde sein, solche für das Dorf wichtigen kulturellen Veranstaltungen finanziell zu unterstützen", ist Ex-Bürgermeister Lenz überzeugt. "Ich bin frohen Mutes, dass sich auch wieder Engagierte finden werden, die sich der Neuwahl zur Gemeindevertretung stellen", äußerte er Sonnabendnachmittag, als er auf den vollen Festplatz blickte. Die Wahl wurde auf den 12. Januar 2014 festgesetzt. Aber nur noch bis zum 31. Oktober haben potenzielle Kandidaten Zeit, sich für das Ehrenamt in der Gemeinde zu melden. Die Zeit drängt also. Bis zur Wahl führt Holger Anders aus Neu Heinde die Geschäfte. Er wurde von der Kommunalaufsicht zum Beauftragten der Gemeinde bestellt. "Die Diekhofer sind mit Holger Anders als Beauftragten sehr zufrieden", unterstreicht Lenz. Das Vorpreschen der Freien Wähler, die die Ernennung von Anders torpedieren (SVZ berichtete), kann er überhaupt nicht nachvollziehen.

Im Gegensatz zu Lenz ist Annegret Bremer, Ex-Sozialausschussvorsitzende in Diekhof, nicht davon überzeugt, dass sich jemand finden wird, der für die Gemeindevertretung kandidiert. Es gäbe auch noch keine Freiwilligen. "Alle sagen, so einen guten Bürgermeister wie Ralf Lenz kriegen wir eh nicht mehr", sagt die Diekhoferin. Erbost ist sie, dass es auf den Rücktritt der Gemeindevertretung keine Reaktion gegeben habe, weder vom Amt Laage, noch vom Landkreis und auch nicht aus Schwerin. Sie sieht die Zukunft der Gemeinde eher düster: "Es gibt kein Geld mehr für freiwillige Leistungen. Das ist besonders schlimm für unsere Rentner. Es wird dieses Jahr wahrscheinlich keine Weihnachtsfeier mehr für die Rentner geben. Auch der bisher unterstützte Sportverein bekommt keine müde Mark mehr. Und zum ersten Mal seit 29 Jahren wird es dieses Jahr auch keinen Weihnachtsmarkt in Diekhof geben. Wer soll es organisieren, wer finanzieren?" Annegret Bremer hat bisher als Gemeindevertreterin Veranstaltungen, wie auch noch das Gemeindefest am Sonnabend, organisiert - "mit Leib und Seele", wie sie betont. Doch jetzt ist sie, wie die anderen auch, zurückgetreten. "Ich weiß nicht , wie es weitergehen soll. Ich bin sehr traurig, dass es so weit kommen musste", sagt sie frustriert.

Frust auch bei Ex-Gemeindevertreter und Gemeindearbeiter Dirk Stüdemann. "Das Ende ist offen. Ich kann nicht sagen, was kommt", sagt er. Die Gemeindevertretung in Diekhof habe immer toll zusammengearbeitet. "Trotz aller Schwierigkeiten wollten wir aber mit diesem Gemeindefest zeigen, dass wir doch noch was auf die Beine stellen können." Und Ex-Bürgermeister Ralf Lenz äußert abschließend die leise Hoffnung, "dass sich auch in der Politik in Schwerin etwas ändert, dass Signale ausgesandt werden, dass es sich wieder lohnt, sich in Diekhof ehrenamtlich zu engagieren".

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