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Vereine : Geschichte bewahren, Zukunft gestalten

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Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Neue SVZ-Serie: Vereine stellen sich und ihre Arbeit vor / Der Kultur- und Heimatverein Vorbeck-Kambs zeichnet sich durch eine erstaunliche Wandlung aus

svz.de von
erstellt am 22.Feb.2016 | 12:00 Uhr

Nur 316 Einwohner (Stand 31. Dezember 2014) zählt die Gemeinde Vorbeck, zu der auch Kambs zählt. Dennoch ist sehr lebendig. Ein Grund dafür ist der Kultur- und Heimatverein Vorbeck-Kambs, der sich für den erhalt des Dorflebens einsetzt.

Im vergangenen Jahr hat dieser sich spürbar vergrößert und verjüngt. Zu seiner Gründung 1999 hatte der Verein knapp 20 Mitglieder. Allein im letzten Jahr traten fast 20 neue ein. Denn auch in der Gemeinde vollzieht sich ein Wandel. Während vermehrt ältere Bewohner wegziehen, oftmals um bei ihren Familien zu seien, zieht es nun junge Familien in die Gemeinde. Das zeigt sich auch im Altersdurchschnitt des Vereins, der früher 78 Jahre betrug und heute bei etwa 40 Jahren liegt. Das jüngste Mitglied, Marie Hirsch, ist erst 17.

Entsprechend richtet der Verein seine Aktivitäten aus: So gibt es seit Februar regelmäßig einen Zumba-Kurs im Gemeindezentrum, der von vielen Anwohnern genutzt wird. Und auch eine Sportgruppe – die Hupfdolen – halten sich seit Jahren bei wöchentlichen Treffen fit. Darüber hinaus organisiert der Verein aber auch Tagesfahrten, Konzerte, Wanderungen und ist bei der Organisation des Dorffestes aktiv. In diesem Jahr soll zudem das zweite Kürbisfest stattfinden. „Es ist schön zu sehen, wie Jung und Alt so gut harmonieren“, sagt Vereinsmitglied Franka Brzezinski. Die Kinder würden beispielsweise bei Wanderungen mit Ulrich Bauer aus Kambs förmlich aufgehen. Darin besteht der Kern des Vereins, der die Zukunft der Gemeinde gestaltet und gleichzeitig bemüht ist, die Geschichte und damit Traditionen zu bewahren.


Chronik beschäftigt den Verein seit Jahren


„Unsere 725-Jahrfeier war ein großer Punkt in unseren Aktivitäten“, erklärt Peter Parlow, stellvertretender Vereinsvorsitzender. Der Verein habe damals – gefeiert wurde 2010 – bereits großen Wert darauf gelegt, Geschichte erlebbar zu machen und fertigte eine Chronik. „Das war ein sehr großer Aufwand“, berichtet Brzezinski. Zur Feier wurde eine Zusammenfassung vorgestellt, doch fertig war das Werk noch nicht. „Wir haben uns da ein bisschen zu viel vorgenommen“, bericht der stellvertretende Vereinschef. Zwei weitere Jahre arbeiteten Peter Parlow, der sich mit der Historie Vorbecks befasste, und Uwe Kramp, der zu Kambs forschte, an den Chroniken. „Wir haben das getrennt ausgearbeitet, weil beide Dörfer unterschiedlich in ihrer Historie gewachsen sind“, erklärt Parlow. So sei Vorbeck schon immer ein Bauerndorf gewesen, während Kambs durch Gutshöfe geprägt wurde. Inzwischen wurde daraus ein 371 Seiten zählendes Werk, das gut 300 Jahre Geschichte zurückverfolgt.

Die Inhalte stammen aus völlig unterschiedlichen Quellen. Schon früher hatten sich Gemeindemitglieder mit der Geschichte beschäftigt. Lehrer, LPG-Mitglieder und später ABM-Kräfte sammelten Material. „Es ist schon sehr viel authentisches Material“, sagt Parlow. Teilweise stammen die Papiere aus Zeiten des Großherzogs und sind mit alten Siegeln versehen. Vieles sei handschriftlich hinterlegt. So gelangte er über einige Umwege an eine alte Chronik die kurz nach der 700-Jahrfeier 1985 verloren ging. – Vermutlich, weil der Verfasser, Karl Kembcke, auch rassistisches Gedankengut einfließen ließ, so Parlow. Als er nach einigem Forschen doch an die Aufzeichnungen kam, zeigte sich die nächste Hürde. Die Texte waren in Sütterlinschrift verfasst und mussten übersetzt werden. Die fremdenfeindlichen Kommentare wurden dabei entfernt. „Das Original haben wir dann dem Landeshauptarchiv in Schwerin übergeben“, berichtet Peter Parlow. Auch dort wurde er fündig und trug weitere Informationen zusammen. „All das haben wir zusammengeführt“, so Parlow weiter.

Doch die Neugier ist nicht gestillt. „Wir arbeiten natürlich weiter daran und setzen die Chronik fort.“


Plattdeutsch steht auf dem Vereinsprogramm


Den Einwohnern möchte er die Geschichte des Dorfes auch künftig näher bringen. Zunächst bereitet er für die April-Ausgabe des Dorf-Boten die Geschichte „Von dat Manklokaeten un von min Leiwgericht“ vor, in der er von zwei Begebenheiten berichtet. In „De Anfang von uns Nieburnläbn“ erzählt er zudem aus seiner Kindheit. „Wir haben als Verein vor, unsere mecklenburger plattdeutsche Sprache zu fördern“, erklärt der er weiter. So könne er sich auch bei genügend Nachfrage einen Kurs vorstellen.

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