bützow : Gekommen, um nicht zu bleiben

Hinter den Mauern: Jens Kötz (vorne links) zeigt den Gästen die Veränderungen an der Haftanstalt Dreibergen-Bützow.  Fotos: Nicole Groth
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Hinter den Mauern: Jens Kötz (vorne links) zeigt den Gästen die Veränderungen an der Haftanstalt Dreibergen-Bützow. Fotos: Nicole Groth

Ehemalige politische Gefangene der DDR besuchen die Justizvollzugsanstalt

svz.de von
30. September 2015, 06:00 Uhr

Am gestrigen Vormittag besuchten ehemalige politische Häftlinge der DDR die Justizvollzugsanstalt Bützow. Der Besuch eröffnete den letzten Tag des 13. Häftlingstreffens, das seit Sonntag in der Warnowstadt veranstaltet wurde...

Vor dem geplanten Rundgang durch die Haftanstalt hielt Dr. Andreas Wagner vom Verein Politische Memoriale einen Vortrag über die Geschichte der Haftanstalt. Er erläuterte die Bedeutung des Strafvollzugs von den Anfängen bis in die Zeit der SED-Herrschaft. In der DDR dienten Gefängnisse dazu, Andersdenkende und somit Regimegegner wegzusperren. Insbesondere in den 1950er mehrten sich die Zahlen der politisch Inhaftierten. Es herrschten katastrophale Zustände in der JVA Bützow, so Wagner. Das bestätigte Siegfried Jahnke. Von 1952 bis 1954 saß er in der JVA Bützow ein. „Das Gefängnis war eigentlich ausgelegt für 800 Mann. Als ich einsaß, waren wir 3000 Häftlinge“, sagte Jahnke.

Massenzellen seien in der DDR üblich gewesen. In Bützow teilten sich bis zu 30 Häftlinge eine kleine Zelle, so Wagner. Kollektiverziehung und Verwahrungsvollzug statt Resozialisierung, Disziplin und Arbeit – damit sollten die Häftlinge geformt werden. „Doch diese Art der Arbeit war für Körper und Gesundheit schädlich“, sagt Wagner.

„Heute hat der Strafvollzug nicht mehr viel mit dem zu tun, was vor 1989 galt“, sagte Jens Kötz, Fachbereichsleiter für Öffentlichkeitsarbeit bei der JVA Bützow. Die Häftlinge in der JVA säßen aufgrund eines rechtskräftigen Urteils oder eines Haftbefehls ein. „Niemand muss für immer hier bleiben“, sagt Kötz. Wer heute in die JVA komme, erhalte die Möglichkeit, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen – ob mit dem Nachholen des Schulabschlusses oder dem Erlernen eines Berufes. „Wir müssen uns nichts vormachen. Unter denen, die rausgehen, kommen auch welche wieder“, sagt Kötz. Doch Ziel der JVA-Mitarbeiter sei es, an den Gründen, welche die Menschen in das Gefängnis brachten, zu arbeiten, um sie zum Positiven verändert wieder in das Leben hinauszuschicken, so der Pressesprecher. Nach den Vorträgen stand der Rundgang durch die JVA an. Kötz zeigte den Gästen die aktuellen Baumaßnahmen an der Haftanstalt und erklärte, welche Veränderungen sich dadurch ergaben.

Die Gäste konnten bei dem Rundgang bereits einen Blick in das neue Gebäude auf dem Gelände werfen – das Hafthaus H. Erst in der kommenden Woche wird der Neubau offiziell eröffnet. Beim Eintreten staunten die ehemaligen Häftlinge nicht schlecht. „Wir brauchen uns keine Sorgen mehr machen, sollten wir noch einmal eingesperrt werden“, sagte Peter Lasch, der selbst acht Monate in der JVA Bützow inhaftiert war.

Das Haus umfasst 134 Einzellen. Die Zellen haben eine Größe von 14 Quadratmetern und seien mit einer eigenen Dusche ausgestattet, so Kötz. Es gibt einen Sportraum, einen Gemeinschaftsraum, jeder Insasse könne ein eigenes Telefon auf seiner Zelle haben. Dabei könne er aber nicht angerufen werden, sondern nur raustelefonieren. Die Türen der Zellen sind mit einem Display ausgestattet, über das die Beamten Informationen des jeweiligen Insassen ablesen können. „Man kann schon staunen. Aber trotzdem bin ich froh darüber, hier nicht bleiben zu müssen“, sagt Irmgard Sinner, ehemalige Insassin in Halle.

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