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Geschichten aus dem Schuhkarton : Geheimdokumente brachten 7000 Taler

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Auf den Spuren der Bützower Freimaurerloge

svz.de von
erstellt am 30.Mai.2015 | 08:00 Uhr

Der in Bützow seinen Lebensabend verbringende Edelmann und Kunstsammler Eduard von Glöden sah seine Felle wegschwimmen, als am 4. April 1845 eine vom Großherzog Friedrich Franz II. eingesetzte Kommission zur Hausdurchsuchung erschien und die unredlich erworbenen Geheimdokumente der Großen Landesloge der Freimaurer beschlagnahmte. Aus der Traum vom großen Geld aus dem Verkauf? Als die Landesloge jedoch keine Anstalten machte, ihr Eigentumsrecht gerichtlich einzuklagen, gab der Großherzog die Dokumente an v. Glöden zurück. Ende 1850 soll es dann doch noch zu einer Zahlung von 7000 Talern seitens der Landesloge gekommen sein.

Mitgliederzahlen steigen rasant

Ungeachtet dieses Aufsehen erregenden Eklats entwickelte sich die Freimaurerloge „Urania zur Eintracht“ in der kleinen Ackerbürgerstadt rasant. Zum 25. Stiftungsfest 1846 zählte die Gemeinschaft unter ihrem Logenmeister, Kriminalrat Conrad August Ackermann, bereits 77 Mitglieder. Aus dem zu eng gewordenen Salon in der Ratsapotheke war die Loge in die erste Etage des Hotel de Prusse in der Schloßstraße gezogen. Dem Logenbruder und Gastwirt Drühl gehörte das Anwesen.

25 Rituale (Sitzungen) führte die Gemeinschaft im Jahr durch. Bevor der Logenmeister mit 3 x 3 Hammerschlägen die Sitzung eröffnete, hatten Brüder drei Kerzen in silbernen Leuchtern auf dem Podium angezündet und davor den Logenteppich ausgerollt. Mit dem Rücken gen Osten referierte der Meister in Frack und Zylinder gewöhnlich eine Stunde über ein philosophisches Thema. Seine beiden Aufseher (Stellvertreter) zu links und rechts achteten auf absolute Ruhe. Erst in der anschließenden Runde kam es zu angeregten Gesprächen, in denen das freimaurerische Grundgesetz zu beachten war: „Auch sollt ihr nichts tun oder sagen, das verletzen oder eine ungezwungene, freie Unterhaltung unmöglich machen könnte. Denn das würde sich nachteilig auf unsere Eintracht auswirken und den guten Zweck vereiteln, den wir verfolgen. Deswegen dürfen keine persönlichen Sticheleien und Auseinandersetzungen und erst recht keine Streitgespräche über Religion, Nation oder Politik in die Loge getragen werden.“

Ausnahme: Sitzung im Rathaussaal

1858 hatte die Loge die Gelegenheit, in dem neuerbauten Haus ihres Bruders, Maurermeisters Johann Voth, in der 2. Ausfallstraße/Ecke Am Ausfall ein neues Domizil zu mieten und nach ihren Zwecken herzurichten. Die feierliche Lichteinbringung erfolgte in einem besonderen Ritual am 27. September 1858. Da die Zahl der teilnehmenden Brüder und Gäste anderer Provinziallogen sehr groß war, wurde die anschließende Tafelloge mit Genehmigung des Magistrats im Rathaussaal abgehalten.

27 Jahre hatte Conrad August Ackermann die Bützower Loge angeführt als er 1861 starb. In freier Wahl wurde Kriminalrat Friedrich Krüger zu seinem Nachfolger gewählt. In seine Amtszeit fiel die Schließung des Kriminalkollegiums 1879. Etliche Beamte des Gerichts, die Mitglied der Loge waren, zogen nach Schwerin oder andere Gerichtsstandorte.

Nach 77 Jahre: Ersmals Vorsitz durch Bützower

Zum Stiftungsfest 1888 übergab Bruder Krüger den ersten Hammer (Vorsitz) an Ackerbürger Friedrich Scheel. Nach 77 Jahren übernahm damit erstmalig ein gebürtiger Bützower die Führung der Loge. Ihm sollte 1909 der pensionierte Gerichtsschreiber Julius Bühring und letztlich 1924 der Apothekenbesitzer Paul Spierling folgen. Als 1926 die Bützower Loge ihr 105. Stiftungsfest feierte, befand sich der Logentempel erneut im Preußenhof. Auf der gut besuchten festlichen Tafelloge überbrachte Provinzialgroßmeister Mac Donald die Glückwünsche aller Logen Mecklenburgs. Das Thema des gehaltenen Vortrags lautete: „Durch Tugend zum Licht!“

Nazis versiegeln Tempel

Als 1933 die Freimaurer durch die Nazis verboten und der Tempel im Preußenhof durch Polizeioberwachtmeister Kempcke versiegelt wurde, trafen sich die Brüder im Gebäude des Hinterhofes der Apotheke in der Langen Straße 27 bei Paul Spierling ein letztes Mal. Mitgliedsabzeichen, verliehene Ehrenringe, Orden und Ehrenschleifen wurden nicht mehr getragen.

Nach dem Zusammenbruch des Naziregimes 1945 waren die wenigen noch lebenden ehemaligen Mitglieder der Bützower Freimaurerloge schon über sechzig Jahre alt. Zaghafte Versuche, die Freimaurerloge wiederzubeleben, wurden von der sowjetischen Militäradministration in der Sowjetischen Besatzungszone abgewürgt beziehungsweise durch das Innenministerium der DDR verboten.

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