Bützow : Gefangene stricken für Frühchen

Agnete Mauruschat übergab die Söckchen, Mützchen und Jäckchen an Dr. Christiane Trapp und Stationsschwester Sibylle Hein (v.l.). Foto: Hans-Jürgen Kowalzik
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Agnete Mauruschat übergab die Söckchen, Mützchen und Jäckchen an Dr. Christiane Trapp und Stationsschwester Sibylle Hein (v.l.). Foto: Hans-Jürgen Kowalzik

Einige der gefangenen Frauen der JVA Bützow stricken Socken, Mützen und Jacken für Frühchen und kranke Neugeborene. Die ersten 35 Garnituren wurden jetzt an das KMG-Klinikum Güstrow übergeben.

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17. Mai 2013, 08:24 Uhr

Güstrow/Bützow | Die Frauen haben geschlagen und gestohlen und andere schlimme Dinge getan. Dafür sitzen sie in der Bützower Justizvollzugsanstalt. Ihre Haft soll die Wiedergutmachung ihrer Taten sein. Seit einem Jahr tun sie das aber auch auf eine besondere Art: Einige der gefangenen Frauen stricken Söckchen und Mützchen und neuerdings Jäckchen für Frühgeborene bzw. kranke Neugeborene. Gestern überreichte Agnete Mauruschat, Leiterin der JVA, die ersten 35 Garnituren Dr. Christiane Trapp, Chefärztin der Kinder- und Jugendklinik im KMG-Klinikum Güstrow, und Stationsschwester Sibylle Hein. Chefärztin und Stationsschwester freuten sich riesig über diese Geste gefangener Frauen. Vor allem deshalb, weil die Frühchen und kranken Neugeborenen so etwas gut gebrauchen können. Christiane Trapp: "Es ist ja allgemein bekannt: Wenn die Füße warm sind, dann friert man auch nicht so schnell am ganzen Körper. Das ist bei Kindern nicht anders. Deshalb ist es auch nicht selten, dass die Muttis, aber auch vor allem die Omas, ihren Kindern oder Enkeln Socken und Mützen ins Krankenhaus mitbringen."

Wärmehaushalt bei diesen Kindern noch nicht so ausgeprägt

Aber besonders die Frühchen und die kranken Neugeborenen hätten einen noch nicht so ausgeprägten Wärmehaushalt. Da helfe auch der Inkubator nicht ganz. Die Söckchen, Mützchen und Jäckchen seien daher eine sehr gute Hilfe den Wärmehaushalt auszugleichen, erklärt die Chefärztin. Im KMG-Klinikum gibt es im Jahr durchschnittlich 120 Frühchen. Sie werden hier ab 1500 Gramm betreut. Die Frauen können sie ab der 32. Schwangerschaftswoche entbinden.

Warum aber stricken gerade gefangene Frauen in der JVA Bützow diese Sachen? Hintergrund ist die Tätigkeit der Kroschke-Stiftung, die auf verschiedenste Art Kinder unterstützt. Dazu zählt es Menschen zu überzeugen, sich an einer Strickaktion für Frühchen zu beteiligen. Im Mai vor einem Jahr wandte sich die Stiftung an die JVA mit der Bitte mitzumachen. Auch, weil die Stiftung in der JVA Bützow am Familien-Projekt "Papa ist auf Montage - Elternschaft während der Haftzeit" mitwirkt. "Der Bitte sind wir sehr gern nachgekommen, haben den gefangenen Frauen das Anliegen erläutert und sind auf eine große Resonanz gestoßen", sagt Barbara Hansen, Projektleiterin. Dabei stellte die Anstaltsleitung schnell fest, dass einige Frauen sehr gut mit Stricknadeln umgehen können. Mauruschat: "Andere, die es nicht konnten, wollte es aber sofort lernen, um mitzumachen."

Angekommen sind gestern in Güs trow liebevoll verpackte Stricksachen in den verschiedensten Farben und aus besonders weicher Wolle. Was die inhaftierten Frauen bei der Arbeit vermutlich gefühlt haben, verdeutlicht dieser Satz an die Mütter und die Kinder, der in jedem Geschenk liegt: "Viel Freude mit dieser in Liebe gefertigten Handarbeit."

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