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Bützower Zeitung

23. November 2017 | 23:28 Uhr

Klein Görnow : Gedanken in Farben festhalten

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Marlies Leonhardt setzt sich mit aktuellen Themen kritisch auseinander / Bilder sollen ein Plädoyer für die Vernunft sein

von
erstellt am 12.Jan.2015 | 11:55 Uhr

Konzentriert zieht Marlies Leonhardt mit dem feinen Pinsel die Linien auf ihrer Malpappe. Die Klein Görnowerin beschäftigt sich mit aktuell-politischen Themen, kritisiert diese und gibt ihren Gedanken freien Lauf, indem sie sie auf Malgrund bannt. Es entstehen gesellschaftskritische Collagen, mit Zeitungsausschnitten, eigenen Texten und Farbe zum Unterstreichen des gegenwärtigen Gefühls. „Erst wenn ich meine Gedanken heraus gelassen habe, das Werk fertig gestellt ist- und das geht recht zügig - dann bin ich mit den Gedanken frei und kann mich meinen schönen Motiven widmen“, lächelt die 79-Jährige. Mit Hilfe bewusst gewählter Farb- und Formgebung auf Malgrund, will sie eine Reflexion auf den realen und katastrophalen, ökologischen und sozialen Zustand der Erde aufmerksam machen. „Ich möchte gerne an die Zuständigen appellieren, dass wir alle Verantwortung haben für diese eine – unsere - Welt. Ich möchte für die Erhaltung unserer Natur und Umwelt appellieren, denn sie sind die existentielle Grundlage die das Überleben der Menschheit sichert. Schließlich sind wir für kommende Generationen verantwortlich, ihnen eine lebenswerte Perspektive zu hinterlassen. Meine Bilder sollen ein Plädoyer für die Vernunft sein, gegen ökonomische und militärische Macht“, so die energische Seniorin.

Trotzdem strebt sie in ihren Arbeiten die Harmonie, den sozialen Frieden, an. Diese Bilder, die in teilweise abstrakter Malweise entstehen, nennt sie Bilder der Erholung. „Sie ist sehr experimentell, diszipliniert in ihrer Arbeit und perfektionistisch“, ergänzt ihre Schwiegertochter Ulrike von Laar.

Seit 1997 lebt die Familie in Klein Görnow. Sie hat ihre Umwelt Natur belassen und genießt es, wenn sie eine Rotte Schwarzkittel oder einen Hirsch vom Fenster aus beobachten kann und Molche und Rotbauchunken auf der Spur sind.

Mit dem Malen hat sich Marlies Leonhardt einen lang Wunsch erfüllt, den sie seit der Kindheit hegte. Sie arbeitete als Sekretärin im Ruhrgebiet, stammt aus einer katholischen Familie. Der Vater war Lehrer mit persönlicher Vorliebe für Biologie, Kunst, Musik und Literatur. Er öffnete den Kindern die Augen für die Schönheit der Landschaft, erklärte Flora und Fauna und ihr Zusammenleben. „Ich habe es genossen, wenn ich durch Kunstsammlungen schlenderte und mir Bilder großer Meister ansehen konnte. Ich habe mir Kunstbücher gekauft, um von der Malweise zu lernen. Habe Kurse in geometrisches Zeichnen besucht und mit Öl- und Aquarellfarbe meine ersten realistischen Darstellungen gemalt“, erzählt sie.

Davon ist sie aber längst abgekommen. Ihre Gedanken bannt sie in bedachter Farb- und Motivwahl auf Malgrund. Dazu dienen Leinwand, Pappe, Papier, Karton, Tapeten und Verpackungsreste. Eigentliche schmeißt sie diesbezüglich nichts weg. Nachdenklich hält Marlies Leonhardt Verpackungspapier in Maschengitterform in den Händen und überlegt, wie sie es farblich gestalten kann, ohne die Gitterraster zu verkleben, dass die Farbe nicht verläuft und wo sie das Material aufbringen kann. Langeweile kommt bei der Seniorin nicht auf. Gerade hat sie sämtliche Arbeiten, die nicht in den Zimmern zu sehen sind, archiviert, gelistet, gerahmt und in Regalen gelagert. Dazu hat die Familie ein Zimmer umgestaltet. Nun hat die 79-Jährige endlich ein eigenes kleines Atelier, muss nicht am Küchentisch sitzen, Farbkasten, Pinsel und Papier zurechtlegen, sondern kann ihre Arbeit liegen lassen und weiter machen, wann es ihr beliebt. So entstanden Arbeiten die getupft sind, Strukturbilder, die unter Verwendung von Sand, Kies und Holzspänen entstanden sind.

Gerade befindet sich die Klein Görnowerin in einer Umwandlungsphase und beginnt Farbe mit Spachtel aufzutragen. Aber auch Bürsten, und Teile von Haushaltsgegenständen dienen zum Auftragen des Malmittels auf dem Grund.

Ihre erste Ausstellung hatte sie in Rothspalk. Im Gutshaus einer befreundeten Familie zeigte Marlies Leonhardt zum Tag der offenen Gärten erstmals einige Arbeiten der Öffentlichkeit. Zu Pfingsten im kommenden Jahr wird sie dann erstmals ihre Türen öffnen zu „Kunst offen“.









 

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