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Bützower Zeitung

18. November 2017 | 22:54 Uhr

Bützow : Ganz „flinc“ ans Ziel kommen

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Erfahrungen von Menschen aus der Region mit dem Mitfahrgemeinschaftssystem „flinc“ / PferdemarktQuartier erwartet Gäste aus Schweden

von
erstellt am 16.Okt.2014 | 21:25 Uhr

Schnell mal zu einem Bekannten in die Stadt oder ins Kino nach Güstrow oder Rostock. Für Menschen auf dem Dorf ist das nicht so ganz einfach. Gerade für ältere Menschen, aber auch für ganz junge bedeutet Leben auf dem Lande, sich einzuschränken oder sein Leben gut zu organisieren.  Das Projekt „Flinc“ des Vereins PferdemarktQuartier setzt genau da an. Es ist jetzt fast ein Jahr alt. Im nahen Kröpelin  wurde  das Mitfahrgemeinschaftssystem „Wir fahren zusammen“ gestartet. Und auch im schwedischen Tingsryd gibt es ein solches System. Heute sitzen die Initiatoren wieder im Salon am Pferdemarkt zusammen, um eine erste Bilanz zu ziehen, Erfahrungen auszutauschen.

Bützows Vereinschef Gottfried Hägele hat jedoch vorab schon einmal eine kleine Umfrage unter  hiesige Autofahrern gestartet, die sich an „flinc“ beteiligen.

Mitfahren schont die Umwelt

Axel Ulrich fährt täglich die Strecke Bützow-Dobbertin. Er bietet  seine freien Plätze im Auto zur Mitfahrt an. Auch auf Teilstrecken nehme er andere mit, versichert der Bauingenieur und verrät, dass ihm besonders der ökologische Sinn einleuchtet. „Was fahren wir jahrelang alleine durch die Gegend und könnten so viel Emissionen einsparen, würden mehr Leute im selben Wagen sitzen, die dieselbe Strecke fahren“, ärgert er sich.

Dabei ist es ganz einfach. Ob auf der Website oder der App fürs Smartphone von flinc.de findet man in Sekundenschnelle heraus, ob jemand dieselbe Strecke zur selben Zeit fährt.  „Es ist ja nichts Neues, schon lange hat sich die Praxis, dass man Arbeitskollegen oder Schulkinder  mitnimmt, bewährt. Es ist jetzt aber für viel mehr Menschen offen.“

„Man birgt mit seinem guten Namen“

Anne-Kathrin Voss ist die jüngste der Bützower „Flincer“. Für sie ist  der Kostenaspekt wichtig. „Wer wie ich in der Ausbildung steckt, hat nicht den dicksten Geldbeutel. Wenn ich durch MitfahrerInnen die Kosten teilen kann, ist dies super. Täglich nach Rostock oder wöchentliche nach Hamburg würden mich arm machen. Flinc schafft eine unkomplizierte Form der Kostenteilung. Und noch ein Pluspunkt: Man meldet sich mit seinem richtigen Namen  an und birgt so mit seinem ,guten Namen’.“

Auch Bewertungen seien möglich. „Für viele Jugendliche von den Dörfern sind Mitfahrten bei vertrauenswürdigen Menschen eine großartige Sache – nur schade, dass noch so wenige mitmachen“, bedauert Voss. 

„Es ist toll, neue Leute kennenzulernen“ Sybille Peper aus Bützow ist ebenfalls fast jeden Tag mit dem Auto nach Rostock unterwegs. Bis zu drei  Plätze sind bei ihr täglich   frei, wenn sie vormittags  startet.  Sybille Peper hat ihre Pendlerfahrten von zuhause zur Arbeit bei „flinc“ als Angebot eingestellt, weil sie es sinnvoll findet, dass man nicht immer alleine mit dem Auto durch die Gegend fährt. „Im übrigen ist es doch auch reizvoll, neue Leute kennenzulernen“, sagt die Mittfünzigerin und lächelt. Für sie war die Anmeldung im Internet ein dreiminütiges Kinderspiel, sagt sie.

Eine  gute Ergänzung zum ÖPNV

Mathias Wolschon kennt in Bützow jeder. Der Arzt und Stadtvertretervorsteher engagiert sich und ist neben dem Beruf viel auf Achse. „Warum sollte ich nicht meine freien Plätze im Auto anbieten und so  Fahrgemeinschaften bilden?“ fragt er. Per Handy gibt er die Fahrt z.B. zur nächsten Kreistagssitzung in Güstrow bei  flinc ein. Binnen Sekunden kann jeder darauf zurückgreifen. „Die Kontaktaufnahme von Fahrer und Mitfahrer wird vom System in Sekunden hergestellt. Dann entscheidet jeder selbst, ob er die Fahrt mit dem anderen antreten will“, sagt Wolschon. So lerne man sich in der Region besser kennen und kommt ins Gespräch.

Was bezahlt wird, schlägt im Voraus das System vor. Diese Form gegenseitig ermöglichter Mobilität sei eine gute Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr, weil sie spontan angeboten werden kann und auch Strecken abdecken kann, die kein Bus befährt.

„flinc“ macht Dörfer attraktiver

Natürlich „flinct“ auch der Vereinschef selbst, als  Pendler zur Arbeit nach Schwerin. Gottfried Hägele: „Damit werden ländliche Räume attraktiver. Denn mit mehr Mobilitätsangeboten zwischen den Dörfern und den größeren Städten wird der Vorwurf kleiner, so ,weit ab vom Schuss’ zu sein. Der ländliche Raum punktet durch Platz, Gestaltungsraum, Ruhe und erschwingliche Lebenskosten, verliert aber immer durch seine große Distanzen und dem dünnen öffentlichen Nahverkehr. Mitfahrsysteme sind hervorragende Ergänzungen zum ÖPNV.“

 

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