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Rühn : Für sie gibt es keinen Tag mit Langeweile

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Lieselotte Bissa engagiert sich seit fast 60 Jahren für die Volkssolidarität in Rühn / Im nächsten Jahr will sie noch einmal in die alte Heimat nach Petersberg reisen

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erstellt am 07.Okt.2017 | 09:00 Uhr

Wer über die Volkssolidarität in Rühn berichtet, der kommt nicht an dem Namen Lieselotte Bissa vorbei. 1960 wurde die Ortsgruppe Rühn der Volkssolidarität gegründet. Und seitdem ist die heute 85-Jährige Vorsitzende der Gruppe. Sie würde die Verantwortung gerne in jüngere Hände geben, doch noch finde sich keinen Nachfolger, erzählt die rüstige Seniorin.

1932 in Ostpreußen geboren kam sie mit der Großmutter, der Mutter und einer Schwester in den Kriegswirren im November 1945 nach Mecklenburg. Zunächst in Schwaan und Groß Grenz aufgewachsen, lebt Lieselotte Bissa seit 1955 in Rühn. Die vierfache Mutter (drei Söhne, eine Tochter) hat zudem neun Enkel- und 13 Urenkelkinder.

Nach dem Studium am Institut für Lehrerbildung in Güstrow arbeitete Lieselotte Bissa von 1955 bis 1972 an der Schule in Rühn und bis zu ihrer Pensionierung 1991 in der Käthe-Kollwitz-Schule Bützow als Grundschullehrerin.

SVZ-Redakteur Ralf Badenschier stellte ihr die 20 Fragen zum Wochenende.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Bei mir Zuhause im Garten. Da gibt es immer etwas zu tun.


Was würden Sie als Bürgermeister in Ihrem Wohnort sofort ändern?

Da gibt es wenig zu sagen. Es gibt viele Vereine, die gut zusammenarbeiten und viel bewegen. Es ist schon viel im Dorf passiert. Doch eines ärgert mich: die vielen „Tretminen“.

Wo kann man Sie am ehesten treffen?

Bei mir Zuhause oder irgendwo im Dorf. Ich bin ja viel unterwegs.


Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Als Kindermädchen bei einer Familie in der Mühle in Groß Grenz. Da war ich 14 Jahre alt, das war 1946.

Wofür haben Sie es ausgegeben?
Das weiß ich gar nicht. Aber wir wurden sehr sparsam erzogen. Ich denke mal, das Geld habe ich in die Sparbüchse gesteckt.


Was würden Sie gerne können?
Ich würde gerne Englisch sprechen können. Immer wenn man auf Reisen und im Ausland ist, wird Englisch gesprochen. Aber dafür ist es wohl jetzt zu spät. Damit hätte man vielleicht gleich nach der Wende anfangen müssen.


Was stört Sie an anderen?
Unehrlichkeit. Und mich stören Menschen, die alles besser wissen, aber selbst nicht bereit sind, zum guten Gelingen beizutragen.

Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?

Ich lache oft und gerne über Lustiges aus dem Kindermund. Herzhaft gelacht habe ich über das Programm bei meinem 85. Geburtstag, das meine Enkelkinder organisiert hatten.

Was haben Sie zuletzt Unvernünftiges getan?

Ich habe mir aus dem Fernsehen eine Dampfbügelstation bestellt. Die wurde mir dann zuschickt mit einer großen, umständlichen Gebrauchsanweisung. Ich habe sie mir durchgelesen und es war auch in Ordnung. Aber eigentlich hätte es ein einfaches Bügeleisen auch getan.

Wer ist Ihr persönlicher Held?

Es sind alles die Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, insbesondere auch die, die sich dafür manchmal in Gefahr bringen, wie Lebensretter.


Welches Buch lesen Sie gerade?
Ich bin nicht so der Buchleser. Ich lese täglich die Schweriner Volkszeitung. Und ich interessiere mich für Bücher über Naturheilverfahren.

Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?

Ich schaue das Nordmagazin, die Visite-Sendung und in „In aller Freundschaft“. Aber es ist nicht so, dass ich jetzt unbedingt fernsehen muss. Ich habe immer viel zu tun.


Wo trifft man Sie eher: bei einer Karnevalsfeier oder bei einem Fußballspiel?
Ganz klar beim Karneval. Ich bin am Freitag und am Sonnabend bei den Abendveranstaltungen dabei, helfe, wo Hilfe gebraucht wird, zum Beispiel beim Anziehen der Kindertanzgruppe. Und am Sonntag natürlich beim Seniorenfasching.


Wen würden Sie gerne mal treffen?

Ich weiß gar nicht, ob diese Person noch lebt. Es handelt sich um einen französichen Kriegsgefangenen. Der hat mich 1945 bei klirrender Kälte gefunden und zu meiner Verwandtschaft zurückgebracht und mir so das Leben gerettet. Leider kenne ich nur seinen Vornamen: Reini. Er war damals ein junger Mann, acht bis zehn Jahre älter als ich, Anfang 20.

Wenn Sie selbst kochen: was kommt dann bei Ihnen auf den Tisch, griechische, italienische, chinesische oder deutsche Gerichte?
Ich koche täglich deutsche Gerichte, wie bei Muttern. Mit Kartoffeln, Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten, mit Fisch und Fleisch aus der Region und mit eigenen Kaninchen. Und ich probiere gerne etwas Neues aus.


Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?

„Ganz in Weiß“ – auch ein Lieblingslied meines verstorbenen Mannes. Bei diesem Lied waren wir oft auf der Tanzfläche. Wir waren 38 Jahre verheiratet.

An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne und von wem haben Sie es bekommen?

Das war einen Puppe mit echtem Haar und beweglichen Gliedmaßen. Die hatte ich von meiner Oma bekommen. Da war ich zehn jahre alt. Ich weiß, diese Puppe hat sehr viel Geld gekostet. Leider ist sie dann im Krieg verloren gegangen.

Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
Ich möchte gerne noch einmal in die alte Heimat nach Petersberg fahren. Wir sind gerade dabei, das vorzubereiten. Wenn ich gesund bleibe, will ich mir im nächsten Jahr diesen Traum erfüllen.

Wie gestalten Sie Ihre Freizeit als Rentner?

Langeweile kommt bei mir nicht auf. Ich habe immer etwas zu tun. Im Garten, als Vorsitzende der Ortsgruppe, beim Organisieren von Veranstaltungen. Mein Tag ist ausgelastet.

Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen und warum?
Unserem Bürgermeister Hans-Georg Harloff. Er hat ganz viele Ideen und für alle ein offenes Ohr. Es hat sich schon vieles verändert. Und außerdem tut er sehr viel für den Erhalt des Klosters im Klosterverein.

















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