zur Navigation springen
Bützower Zeitung

22. Oktober 2017 | 03:14 Uhr

Frühlingsfrisur für Nöllers Schafe

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

6. Mecklenburger Schafschurfest lockte am Sonnabend viele Neugierige nach Lohmen

Schäfer Rico Nöller ist zufrieden. Rund 500 Lämmer aus dem vergangenen Jahr sind verkauft und das zu einem guten Preis. Er blickt optimistisch in die Zukunft. Bevor die 450 Mutterschafe ab dem 10. Mai ihre Lämmer bekommen, wurden sie am Sonnabend geschoren. Zum sechsten Mal verband man in Lohmen das Notwendige mit dem Angenehmen und lud zum Schafschurfest ein.

Eine Truppe professioneller Schafscherer erledigte im Akkord ihre Arbeit vor den Augen vieler Schaulustiger. „Das ist ja toll. So etwas haben wir noch nie gesehen“, erzählte Wolfgang Eichendorf aus Berlin. „Großstädter eben“, fügt er erklärend hinzu. Mit seiner Frau macht er gerade Urlaub in Mecklenburg. Hochachtung zollt er den Schafscherern. Es sei faszinierend ihnen zuzuschauen. Jeder Handgriff sitze. „Ein Knochenjob“, meint der Berliner. Auch Hans-Joachim Strauß aus Güstrow beobachtete mit seinem Enkel Artur das Geschehen. Es sei auf dem Dorf aufgewachsen und dort immer mit Tieren in Berührung gewesen, erklärt er sein Interesse. „Die lassen sich so schön streicheln“, schwärmt Mathilda Kattner aus Güstrow und erinnert sich an ein Kuscheltier, das sie als kleines Kind hatte. „Wir mögen Schafe total gern“, fügt ihre Freundin Lisa Kiefer, ebenfalls aus Güstrow, hinzu.

Die Werbung in eigener Sache können die Schäfer – eine recht überschaubare Gruppe im Land – sehr gut gebrauchen. Rico Nöller will nicht klagen. Er selbst habe diesen Beruf gewählt, auch wenn die Familientradition dabei keine geringe Rolle spielte. Den ganzen Tag an der frischen Luft, etwas Schöneres könne er sich nicht vorstellen. Aber die Wolle – etwa 3,5 Kilogramm pro Tier – bringe so gut wie nichts ein, auch wenn sich der Preis ein wenig verbessert habe. Man könne die Schafscherer davon bezahlen. „Es wird heute so viel über nachwachsende Rohstoffe gesprochen, auch Wolle ist ein nachwachsender Rohstoff. Vielleicht sollte sich die Politik mal Gedanken darüber machen“, regt der Schäfer an. Rico Nöller hat für seine Tiere etwa 100 Hektar Wiesen gepachtet. Dort steht das Futter gut. Den neuen Lämmern wird es an nichts mangeln, denkt er. Bis zum Spätsommer bleiben sie auf den Wiesen, dann zieht der Schäfer mit seiner Herde zum Nachweiden auf Flächen anderer Landwirte. Dafür sei er sehr dankbar. Rico Nöller nennt z.B. Wolfgang Hannika von der Rinderzucht Tarnow GbR. Auf Flächen bei Tarnow seien seine Schafe im Winter, berichtet er.

Lohmen und Schafe, das gehöre irgendwie zusammen, erklärt Bürgermeister Bernd Dikau das Engagement der Gemeinde, die zusammen mit dem Heimatverein, unter dessen Dach die Arbeitsgemeinschaft zur Zucht altdeutscher Hütehunde existiert, das Schafschurfest, zu dem stets auch viele Händler mit ihren Produkten rund ums Schaf kommen, organisiert.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen