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Bützower Zeitung

22. September 2017 | 15:17 Uhr

Bützow : Friseurin aus Leidenschaft

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Nach ihrer Flucht geht Nadja Al Ahmad einer Ausbildung in ihrem Traumberuf nach

svz.de von
erstellt am 15.Feb.2017 | 09:00 Uhr

Das Klappern der Schere ist für Nadja Al Ahmad Alltag. Denn seit September vergangenen Jahres geht die 27-Jährige ihrer Passion nach: dem Friseurberuf. Al Ahmad ist bei dem Bützower Friseursalon „Cut and Cash “ Auszubildende im ersten Lehrjahr. Für die Syrerin ist dies keine Selbstverständlichkeit. „Ich liebe es in Deutschland und ich bin froh, dass ich hier sein darf“, sagt sie.

Vor etwa zwei Jahren flüchtete Nadja Al Ahmad aus ihrer Heimatstadt Damaskus. Der Krieg vertrieb sie, führte sie durch die Türkei und Bulgarien und schließlich nach Bützow. Seit mehr als eineinhalb Jahren lebt sie nun in Deutschland, möchte sich hier eine Existenz aufbauen. „Dazu gehört auch ein Beruf. Und vor allem die Sprache“, weiß Al Ahmad. Dafür nehme sie einmal die Woche Privatunterricht. „Ich habe einen viermonatigen Deutschkurs besucht. Aber ich muss es perfekt sprechen können.“ Dem stimmt auch Chefin und Salonbetreiberin Isabell Klebig zu: „Das Kundengespräch ist sehr wichtig, die Sprache daher essenziell.“ Den Eifer von Nadja Al Ahmad begrüßt sie daher. „Grundsätzlich bin ich sehr stolz auf Nadja“, sagt Klebig.

Dass sie hier ihr Handwerk gefunden habe, daran besteht laut Al Ahmad kein Zweifel. „Ich wollte schon immer Friseurin werden. Schon als Kind habe ich den Puppen die Haare frisiert“, so die Auszubildene. Den Anstoß zu der Leidenschaft gab ihr die Mutter. „Meine Mutter ist Friseurin. Und ich wollte immer wie sie sein“, sagt Al Ahmad.

In der Heimat hatte sie nach dem Abitur bei ihrer Mutter im Salon gearbeitet – bis dieser von einem Bombenhagel völlig zerstört wurde. „Wir flüchteten aus Damaskus, blieben eine Woche lang in einem nahen Dorf und beschlossen dann, dass wir aus Syrien fliehen müssen.“ Ein Leben in der alten Heimat, wo noch immer ihre Eltern leben, käme für sie nicht mehr in Frage. „Wann wird Syrien befriedet sein? Wann wieder aufgebaut? In zehn Jahren? Oder 20? Dort gibt es für mich auch langfristig keine Zukunft.“ Stattdessen wolle sie hier in Deutschland bleiben und arbeiten. „Ich habe noch keine Aufenthaltsgenehmigung. Aber wenn ich meine Ausbildung beende und angestellt werde, kann ich sie bekommen“, hofft Al Ahmad.

Die Chancen stehen gut, denn Al Ahmad sei sehr begabt, so Klebig. Die Bestätigung bekam sie am 20. November 2016, als sie beim jährlichen Lehrlingsfrisieren in Kiel den zweiten Platz belegte. „Es treten aus etwa 100 Filialen Lehrlinge aus jedem Lehrjahr gegeneinander an“, erklärt Klebig. Dort konnte die junge Frau zeigen, was sie in ihrer Ausbildung bereits gelernt hat. „Ich beobachte viel und versuche es dann an der Puppe. Dauerwellen zum Beispiel“, sagt Al Ahmad. So könne sie kreativ arbeiten.

Auch nach Feierabend bleibt sie künstlerisch. In ihrer Freizeit malt Nadja Al Ahmad gerne. „Ich zeichne mit Bleistift, male aber auch gerne farbig.“ Ihre liebsten Motive sind Impressionen aus Kuba. Dort gewesen sei sie aber noch nie. „Ich mag die Bilder. Aber als Urlaubsziel wäre es nicht meine erste Wahl.“ Stattdessen würde sie lieber einmal nach Paris fahren. „Dort lebt meine Schwester. Die ist übrigens auch Friseurin.“

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