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Bützow : Friedhof: Denkmalschutz erschwert Barrierefreiheit

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Bützowerin beklagt schlechte Bedingungen für Rollstuhlfahrer. Verwalter sieht keine schnelle Lösung

svz.de von
erstellt am 18.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Andrea Groß sitzt seit 14 Jahren im Rollstuhl. Seitdem sind viele Alltagssituationen für die Bützowerin beschwerlich geworden, unter anderem der Besuch auf dem Friedhof. Insbesondere die Kapelle sei nicht barrierefrei, sagt Andrea Groß. „Es gibt keine Rampe für Rollstuhlfahrer. Das ist nicht schön.“ Deswegen würden viele Leute mittlerweile darauf verzichten, an Trauerreden teilzunehmen.

Ein Umbau zugunsten von Rollstuhlfahrern ist jedoch nicht so einfach möglich. Der Grund: Die Kapelle ist seit 1996 fertig restauriert und steht unter Denkmalschutz. „Zu dieser Zeit wurde Barrierefreiheit leider noch nicht mit einkalkuliert“, so Matthias Knappe, der seit 2003 den Posten des Friedhofsverwalters bekleidet. Untätig in Sachen Barrierefreiheit war er seitdem nicht. So hat Knappe nach dem Antritt der Stelle den Eingangsbereich des Verwaltungsgebäudes so umgestalten lassen, dass dieser für Rollstuhlfahrer leichter passierbar wurde.

„Die ursprüngliche Schräge war zu schmal für einen Rollstuhl und führte nach hinten auf die Wiese“, so der Friedhofsverwalter. Rollstuhlfahrer hätten nur von hinten über den Rasen in das Gebäude gelangen können. „Im Zuge des Umbaus hätte ich die Halle auch gern machen lassen, aber da waren mir die Hände gebunden.“ Außer den Regelungen der Denkmalschutzbehörde gibt es noch andere Schwierigkeiten. So befinden sich rechts und links neben dem Eingang der Kapelle Gräber. „Die können nicht einfach überbaut werden“, so Knappe.

Andrea Groß wünscht sich zumindest eine mobile Rampe für den Eingangsbereich. Doch das funktioniere auch nicht, so der Verwalter. „Sie müsste ständig hin- und hergelegt werden.“ Wesentlicher seien jedoch die Maße. Knappe: „Das Podest vor der Eingangstür ist dafür zu schmal.“ Diese Hürde käme auch bei einem Umbau der Halle zum Tragen. Zudem gäbe es dann viele weitere Vorschriften einzuhalten. „Die Rampe zum Podest wäre zehn Meter lang. Bei der Länge müsste sie auf halber Strecke von einem Podest unterbrochen werden, damit die Rollstuhlfahrer auch Pause machen können“, erklärt Knappe. Dieser Aufwand wäre immens und durch die Regularien des Denkmalschutzes nicht möglich. Für einen seitlich am Podest angebrachten Lift seien die baulichen Gegebenheiten ebenfalls nicht geeignet; der Abstand zu den Gräbern ist zu gering. Hinzu komme, dass Maßnahmen dieser Größenordnung eine enorme finanzielle Belastung seien. „Der Friedhof ist kirchlich und bekommt keine Zuschüsse von der Stadt“, so Knappe.

Eine Änderung sieht er in ferner Zukunft. „Irgendwann muss an der Kapelle wieder etwas gemacht werden. Dann wird Barrierefreiheit sicher mit einbezogen. Eine schnelle Lösung kann ich leider nicht bieten.“

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