Bützow : Freibad leidet unter Gerüchten

Olaf Magunsky wehrt sich gegen die Verdrehung von Fakten.
Olaf Magunsky wehrt sich gegen die Verdrehung von Fakten.

Nach dem Übergriff auf ein Mädchen wehrt sich Betreiber gegen Verdrehung der Tatsachen und fremdenfeindliche Kommentare

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21. Juni 2016, 21:00 Uhr

Gutes Wetter und kaum Gäste – dieses Bild bot sich in den vergangenen Tagen im Freibad Rühner See. Olaf Magunsky, der Betreiber der Badeanstalt, kennt den Grund für die ausbleibende Kundschaft: Vor zehn Tagen hat ein Mann ein zehnjähriges Mädchen beim Baden belästigt. „Jetzt werde ich von allen Seiten darauf angesprochen, dass ein Kind fast vergewaltigt wurde“, sagt Magunsky.

Das verdrehe allerdings die Fakten, so der Bützower. „Dem Mädchen ist nichts passiert, weil wir sofort eingeschritten sind.“ Der Mann sei dem Mädchen und ihrer gleichaltrigen Freundin ins Wasser gefolgt, habe an ihrem Schwimmreifen gezogen und wollte einer von ihnen das Oberteil öffnen. „Ich bin sofort eingeschritten, so etwas dulde ich auf meinem Gelände nicht“, sagt Magunsky. Er habe gleich die Polizei angerufen, die den Mann auch mitgenommen hat.

Fraglich bleibt für Olaf Magunsky und seine Mitarbeiter aber, wie die Angelegenheit bis ins Radio vordringen konnte. „Ich weiß nicht, wer die Medien eingeschaltet hat, denn eigentlich ist jeder dazu angehalten worden, das Ganze stillschweigend zu behandeln.“ Dabei gehe es nicht darum, den Übergriff totzuschweigen, sondern vor allem die Kinder vor kursierenden Geschichten zu schützen.

„Sie sollten in der Schule nicht damit konfrontiert werden und jetzt werden die Fakten extrem aufgebauscht, das geht gar nicht“, so Magunsky.

Darüber hinaus geht es Olaf Magunsky auch darum, sich von der ausländerfeindlichen Note zu distanzieren, die die Gerüchteküche weiter anheizt. Denn der Mann, der das kleine Mädchen belästigt hat, kommt aus Syrien. Auch deswegen habe sich die Geschichte verselbstständigt, vor allem in den sozialen Netzwerken, sagt Felix Trost, der derzeit als Praktikant im Freibad Rühner See aushilft und auch am 12. Juni dabei war, als sich der Vorfall am See ereignete.

„Es stimmt, dass der Mann sich auffällig benahm. Deswegen hatten wir ihn die ganze Zeit im Auge“, so Trost. Dramatisiert werde die Sache derzeit allerdings vor allem, weil der Mann Syrer ist, um das Mädchen gehe es dabei schon gar nicht mehr. Auch für Olaf Magunsky steht fest, dass die Nationalität keine Rolle spielt in diesem Fall. Er sagt: „Es wäre genauso schlimm, wenn es ein Deutscher gewesen wäre.“ Außerdem sei es nicht richtig, dass eine solche Straftat generell auf alle Asylbewerber bezogen wird.

Der Mann muss sich jetzt wegen sexuellen Übergriffs verantworten. Die Bearbeitung des Falls hat die Rostocker Staatsanwaltschaft übernommen. Die Ermittlungen laufen, zum aktuellen Stand könne aber noch nichts gesagt werden, heißt es.

Olaf Magunsky hofft nun, dass die Gerüchteküche bald verstummt und wieder Badegäste an den Rühner See kommen. „Hoffentlich erholt sich mein Geschäft davon, sonst kann ich die Arbeitsplätze, die ich hier geschaffen habe, leider wieder streichen.“ Angst zu verbreiten, sei für niemanden förderlich. „Wir achten sehr darauf, was auf dem Gelände vor sich geht, es muss niemand Angst haben.“

Wenn die Geschichte weiter mit falschen Fakten verbreitet werde, müsse er rechtliche Schritte wegen Verleumdung einleiten, so Magunsky.

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