Laage außerhalb der Lärmschutzzonen : Flugplatz-Anwohner tief enttäuscht

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Vier der Diskussionspartner für die Behörden gestern im Laager Rathaus: Peter Berkner, Wilfried Katz, Hans-Jürgen Zimmermann und Rüdiger HartungRegina Mai

Jagdflugzeuge ziehen ihre Bahnen am blauen Frühlingshimmel. Es ist laut und das gestern Vormittag genau zu der Zeit, als im Laager Rathaus der Entwurf eines neuen Lärmschutzplanes vorgestellt werden sollte.

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06. März 2013, 11:03 Uhr

Laage | Jagdflugzeuge ziehen ihre Bahnen am blauen Frühlingshimmel. Es ist laut und das gestern Vormittag genau zu der Zeit, als im Laager Rathaus der Entwurf eines neuen Lärmschutzplanes vorgestellt werden sollte. Da ging es viel um Gesetze, um Berechnungsmodelle, um Zuständigkeiten. Den Nerv der Bürger traf das nicht immer. Sie verließen die Veranstaltung mit großer Enttäuschung. "Das ist ein Schlag ins Gesicht. Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast", kommentierte Hans-Jürgen Zimmermann aus Woland. Die Stadt Laage und alle Dörfer im Umfeld des Militärflughafens liegen außerhalb der drei Lärmschutzzonen - zwei für den Tag, eine für die Nacht. Lediglich ein Wohngebäude befindet sich innerhalb. Es ist das ehemalige Gutshaus in Striesdorf, seit mehr als 20 Jahren unbewohnt und völlig ruinös.

Entscheidend ist der Mittlungspegel von 180 Tagen

Hermann Lewke, Dezernet der Immissionsschutzbehörde des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie (Lung) Güstrow, hatte keine Zustimmung erwartet. Seine Aufgabe war es, im Verfahren die Öffentlichkeit zu beteiligen. 2007 habe der Bund die Aufgabe der Festsetzung der Lärmschutzbereiche den Ländern übertragen. Erst jetzt liege ein Entwurf vor, der auf die Lärmzustände am Laager Flughafen im Jahr 2019 abstellt. Dazu, so hörten die Bürger mit mehr oder weniger Verwunderung, werde nicht etwa der Lärm gemessen, sondern errechnet. Dem läge aber eine Lärmmessung bei den einzelnen Flugzeugen zugrunde. Errechnet werde dann aus den 180 lärmintensivsten Tagen ein Durchschnittspegel. Der darf in der &lt;xx&gt;&lt;/xx&gt;Tag-Schutzzone 1 nicht 68 Dezibel überschreiten, in der Tag-Schutzzone 2 nicht 63 und in der Nacht-Schutzzone nicht 55 Dezibel.

Bürger monieren: Alles graue Theorie

Alles graue Theorie, monierten die Bürger. Rüdiger Hartung hat in Hohen Sprenz schon 135 Dezibel gemessen. Die Jäger würden durchschnittlich 72 bis 78 Dezibel verursachen. Alles Einzelfälle, bekam er zu hören. Gerechnet werde mit einem Mittlungspegel der 180 Tage. Das schließe einzelne Ausreißer nach oben mit ein. Der Laager Wilfried Katz bemängelte Flugzeiten nach 16 Uhr und am Abend. Lärm gehe zu Lasten der Gesundheit. Bodo Weiß aus Striesdorf beklagte mehr Lärm als noch vor Jahren und eine gewisse Ignoranz bei der Bundeswehr, was die Sorgen der Bürger anbelangt. "Falsch", entgegnete der stellvertretende Kommodore des Jagdgeschwaders 73, Jürgen Schumann. Er verwies auf eine Lärmschutzkonferenz, die für das 3. Quartal geplant sei. Die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden werden dazu eingeladen. Auf Nachfrage erklärte er, dass es den Bürgermeistern offen stehe, Bürger aus der Gemeinden mitzubringen. Staffelchef der Flugbetriebsstaffel, Michael Lokay, sah sich auf "der Ebene von Einzelmeinungen" und bat: "Steigen sie mit uns in den Dialog ein."

Lewke gab der Diskussion, die genau genommen nicht Thema der Veranstaltung war, Raum. "Die Belästigung ist sicher da und nicht unerheblich", räumte der Dezernent des Lung ein. Es bestehe aber in den Orten in Flughafennähe keine akute Gesundheitsgefahr. Und es bestehe auch für niemanden ein Recht auf Erstattung von Aufwendungen für den baulichen Schallschutz, so das Ergebnis der Berechnungen, in die auch der Lärm vom zivilen Teil des Flughafens einbezogen wurde.

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