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Bützower Zeitung

26. September 2017 | 00:18 Uhr

Schlemmin : Fichte erhält den Ehrentitel

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

2017 ist der Nadelbaum zum „Baum des Jahres“ auserkoren worden – ein Baum, bei dem die Meinungen sich teilen

svz.de von
erstellt am 22.Feb.2017 | 06:00 Uhr

Bevor die dänische Nordmanntanne ihren Siegeszug in die weihnachtlichen Wohnzimmer der Deutschen hielt, war die Fichte der ursprüngliche Weihnachtsbaum. 2017 wird sie nun Baum des Jahres.

Seit 27 Jahren verleiht die Stiftung Silvius Wodarz diesen Ehrentitel. Nun trägt ihn die Gemeine Fichte. Der heimische Baum – der zumindest in Mecklenburg-Vorpommern gar nicht so heimisch ist – findet sich auch im Revier von Steffen Hambruch in Schlemmin wieder. „Tatsächlich ist der Bestand an Fichten in diesen Gegenden künstlich. Ihre natürlichen Verbreitungsgebiete sind in Skandinavien oder dem Ural.“ Aber auch in den Alpen und den deutschen Mittelgebirgen finden sich Fichten und erfüllen somit ein wichtiges Kriterium: Der Baum des Jahres muss einen natürlichen Bestand im Land haben.


Eine nicht gänzlich unumstrittene Wahl


„Die Auszeichnung soll der Gesellschaft den Wert des Baumes verdeutlichen“, erklärt Hambruch. Gleichzeitig wisse er auch, dass die Wahl der Fichte zum Baum des Jahres nicht unumstritten war und diskutabel bleibt. „Viele kennen die Fichte als den sogenannten Brotbaum. Sie ist genügsam und sehr ertragsreich. Andere wiederum sehen in ihr ein Symbol für die Monokultur“, so der Förster. Neben dem schnellen Wachstum zeichnet sich die Fichte vor allem durch einen geringen Nährstoffanspruch am Boden aus. „Dafür ist sie auf viel Wasser angewiesen“, weiß der Förster. Daher seien die klimatischen Veränderungen wegen der globalen Erwärmung dem Fichtenwachstum auch abträglich. „Mit ein paar Tagen Hitze im Sommer kann der Baum umgehen. Aber die permanente Erhöhung der Durchschnittstemperatur ist für sie nachteilig.“

Die Fichte sei an kälteres Wetter und harte, lange Winter angepasst. „Die ausbleibenden Winter sind ein weiterer Faktor, weshalb die Fichte in den kommenden Jahren Probleme bekommen wird. Die Winter dienen den Bäumen als Ruhephase und wenn diese fehlen, bedeutet das Stress für den Baum“, erklärt Hambruch. Der künstlich aufgestellte Bestand der Fichten wäre unter anderem deshalb seit rund 30 Jahren rückläufig. „Die Fichten sind zudem sogenannte Tellerwurzler. Das bedeutet, dass die Wurzeln sich nicht tief in den Boden schieben, sondern sich flach ausbreiten. Das wiederum erhöht das Risiko, bei Sturm umzufallen.“ Obwohl nur rund 20 Prozent seines Revieres mit Nadelbäumen bestanden sind – von denen die Fichte den zahlenmäßig größten Teil einnimmt – seien 80 Prozent der Umstürze bei Stürmen Fichten. „So können ganze Flächen niedergehen“, sagt Hambruch.

Die Fichte wurde ab dem 18. Jahrhundert flächendeckend gepflanzt. Da sie mit etwa 80 Jahren ertragsreif ist – eine Buche braucht im Vergleich 140 Jahre, eine Eiche sogar 180 – wurde sie wegen des hohen Holzbedarfes in Monokulturen angepflanzt und dann im Kahlschlag abgeholzt. „Diese Praxis läuft der heutigen Idee des nachhaltigen Waldes – Stichwort Dauerwald – entgegen“, so der Förster. Die Fichte habe laut Hambruch ohnehin nur im Mischwald eine Zukunft. „Beigemischt können die Fichten – trotz der starken Konkurrenz natürlich vorkommender Bäume – bestehen. Im Reinbestand werden sie es aber nicht schaffen“, sagt er.

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