Flüchtlinge in MV : Feuerwehr fördert Integration

Bei der Fahrzeug- und Gerätekunde lernen Afrim Melani, Sergiy Plaksenko und Shkelzen Shaqiri (v. l.) das technische Equipment der Feuerwehr kennen. In den kommenden Monaten durchlaufen sie die Grundausbildung.
Bei der Fahrzeug- und Gerätekunde lernen Afrim Melani, Sergiy Plaksenko und Shkelzen Shaqiri (v. l.) das technische Equipment der Feuerwehr kennen. In den kommenden Monaten durchlaufen sie die Grundausbildung.

Seit September sind die Asylbewerber Afrim Melani, Sergiy Plaksenko und Shkelzen Shaqiri offiziell Blauröcke in Bützow.

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25. September 2015, 08:00 Uhr

Die Freiwillige Feuerwehr Bützow hat Zuwachs bekommen. Seit dem ersten September sind die drei Asylbewerber Shkelzen Shaqiri, Afrim Melani und Sergiy Plaksenko offizielle Mitglieder. „Sie sind jetzt – wie alle am Anfang – Feuerwehrmannanwärter. Das heißt, sie sind jetzt ein Jahr auf Probe dabei“, sagt Wehrführer Holger Gadinger. Ab Frühjahr 2016 nehmen die drei an fünf aufeinander folgenden Grundlehrgängen teil, danach müssen sie eine praktische Prüfung absolvieren. Bis dahin sind sie schon in den Ausbildungsdienst integriert, der alle zwei Wochen stattfindet.

Die drei sind schon vor ihrer offiziellen Mitgliedschaft auf die Feuerwehr zugekommen. Bereits nach dem Tornado sind sie aktiv geworden, haben in der Stadt mit angepackt. Shkelzen Shaqiri sei dann auf ihn zugekommen, sagt Gadinger. „Wir haben sie dann zu einem Ausbildungsdienstabend eingeladen und im Juni und Juli haben sie bei uns reingeschnuppert.“

Für Shkelzen Shaqiri, der im Dezember 2014 mit seiner Familie nach Bützow kam, ist das Engagement in der Feuerwehr eine Herzensangelegenheit. Er sagt: „Es geht dabei in erster Linie darum, Leben zu retten, anderen Menschen zu helfen.“ Und genau das lernen die drei jetzt von der Pike auf. Verteilt auf die drei Ausbildungsgruppen der Wehr lernen sie alles, was zu einem Einsatz dazu gehört. So lernen sie im Zuge der Fahrzeug- und Gerätekunde das technische Equipment genau kennen, dürfen aber auch schon bei Übungseinsätzen mitmachen. „Sie waren auch schon mit unserem Schlauchboot auf dem Rühner See“, erzählt Holger Gadinger.

Bei richtigen Einsätzen sind die drei auch schon dabei. Allerdings dürfen sie dort nur bis zur sogenannten Verteilerlinie aktiv werden. „Das heißt, sie können Absperrungen aufbauen und als Tragehilfe eingesetzt werden“, erklärt der Wehrführer. Bis jetzt seien die drei schon bei zwei Einsätzen dabei gewesen, einer davon war ein Wohnungsbrand.

Besondere Zuwendung brauchen die Feuerwehrmänner in spe vor allem im sprachlichen Bereich. Während Shkelzen Shaqiri mittlerweile sehr gut Deutsch spricht, haben Afrim Melani  und Sergiy Plaksenko noch ihre Schwierigkeiten mit der neuen Sprache. „Wir bemühen uns darum, langsam zu sprechen und dabei Augenkontakt zu halten“, sagt Gadinger. Die wichtigen Handgriffe würden sie sich genau von den Kameraden abschauen. Diese sind auch darauf eingestellt und hätten die Neuzugänge sehr gut aufgenommen. Gezeigt hat das auch der Feuerwehrball am vergangenen Wochenende, bei dem die drei und ihre Familien mitgefeiert haben. „Das dient ja auch dem Kennenlernen in geselliger Runde. Sie sollen bei uns ja nicht nur arbeiten. Schließlich bedeutet Feuerwehr auch Vereinsleben“, sagt Holger Gadinger.

Die Integration der Asylbewerber in die Feuerwehr ist vorerst ein Pilotprojekt. „Wir haben uns mit der Stadt darauf geeinigt, erst einmal  die drei  auszubilden. Für uns ist das ja auch Neuland“, so Gadinger. Wenn sie ihre Grundausbildung hinter sich haben, gebe es vielleicht wieder Platz für den einen oder anderen Neuzugang.

Shkelzen Shaqiri, Afrim Melani  und Sergiy Plaksenko sind dankbar   dafür, etwas zurückgeben zu können. „Wir haben vom Landkreis alles bekommen, was wir für uns und unsere Familien brauchen. Das hier ist das Wenigste, was wir zurückgeben können“, sagt Shkelzen Shaqiri.

Mehr zur aktuellen Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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