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Bützower Zeitung

18. November 2017 | 15:16 Uhr

Bützow : Feuer in Bützows Innenstadt

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Bützower Blauröcke proben den Ernstfall

von
erstellt am 18.Okt.2014 | 09:46 Uhr

„Um  7.45 Uhr haben wir die Nebelmaschinen angeschmissen. Und es hat mächtig gequalmt. Doch keiner hat reagiert.“ Bützows Wehrführer Holger Gadinger kann es auch knapp zwei Stunden später immer noch nicht begreifen. Da steigen Rauchwolken aus einem Haus in der  Innenstadt, doch es gibt nicht einen Menschen, der bei der Rettungsleitstelle anruft. An diesem Sonnabendvormittag bleibt es ein Glücksfall. Denn der Rauch ist nur die „Begleiterscheinung“ für eine Feuerwehrübung. Doch was wäre wenn ...

Beim zweiten Frühstück Tacheles geredet

Es ist Sonnabend, kurz vor 10 Uhr. Im Gemeinschaftsraum der Freiwilligen Feuerwehr Bützow sitzen Männer und Frauen  in Uniform am Tisch. Manchem sind noch die Anstrengungen des Einsatzes, der gerade beendet ist, ins Gesicht geschrieben.  Kaffee steht auf dem Tisch, mancher nimmt einen Schluck aus einer Selterflasche. Aus der kleinen Küche wird eine Bockwurst gereicht. Für einige ist es das zweite Frühstück, für andere das erste an diesem Tag. Und es wird heiß diskutiert,  kein Blatt vor den Mund genommen, Tacheles geredet. 

Alarm: Feuer in der Bützower Innenstadt

Zwei Stunden zuvor, um genau  8.37 Uhr ertönen die Sirenen in Bützow. Feuer in der Langestraße 53, in einem leer stehenden Haus, genau im Stadtzentrum. Menschen sind in Gefahr. So der Einsatzbefehl. Nach nur wenigen Minuten rollen   Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht und Alarmsignal vom „Hof“ in der Gartenstraße, dem Einsatzort entgegen. Dort haben sich schon etliche Schaulustige versammelt. Aus dem Haus mit der Nummer 53, zwischen Zahnarztpraxis und Kaufmann Hollien, steigt Rauch auf.

Aus dem Fenster im obersten Stockwerk  „hängt“ ein Mensch halb aus dem Fenster. Schnell wird klar, es ist nur eine Puppe, der Feueralarm eine  Übung.  Dennoch ziehen die Kameraden ihr Programm durch. Die Atemschutzträger legen ihre Ausrüstung an, Stephan Finck bringt die Drehleiter in Stellung, im Korb steht Christoph Quandt mit einer Trage, um den „Mann“ aus dem brennenden Haus zu bergen.

Zur gleichen Zeit eilt ein Einsatztrupp auf den Hinterhof. Denn auch dort brennt es im ersten Obergeschoss. Steckleitern werden angestellt, um an den Brandort zu gelangen.

Hauseigentümer werden gerettet

Mittlerweile haben sich die Atemschutzträger über den Hausflur auf den Weg nach oben gemacht. Im zweiten Stock liegen ein lebloser und ein schwer verletzter Mann, der aber noch ansprechbar ist. Der erste wird auf eine Trage gehievt und dann nach unten gebracht, der zweite Mann, mit einer Beinverletzung von zwei Feuerwehrleuten mit bloßen Händen in Sicherheit getragen.

Als alle aus dem „brennenden“ Haus raus sind, sind auch die beiden vermeintlichen Opfer wieder heil und unversehrt. Es sind Sebastian Thienel und Stephan Holland. „Wir sind die Eigentümer“, verraten sie dem verdutzten Reporter.  „Wir haben gerade das Haus entkernt, da bot es sich an, jetzt noch so eine Übung hier zu machen“, sagt Thienel. In den nächsten Monaten wollen sie mit der Sanierung des denkmalgeschützten Hauses aus den 1930er-Jahren beginnen.

Mittlerweile ist auch das dritte  „Opfer“ geborgen, die Übung beendet. Die Kameraden packen zusammen. Nach einer Stunde herrscht wieder Wochenendruhe in der Bützower Innenstadt.

Erkenntnis: Das Funken noch intensiver üben

Alles andre als ruhig geht es derweil im Feuerwehrgerätehaus zu. Die Übung habe deutlich aufgezeigt, was es zu verbessern gilt. Es wird kein Blatt vor den Mund genommen. Eine Erkenntnis: Der Umgang mit der Funktechnik muss noch mehr geübt werden. Denn die ist in bestimmten Situationen anfällig, dann muss improvisiert werden. Doch das geht nur, wenn jeder die Funktechnik beherrscht. „Es geht ja nicht nur um die Menschen, die gerettet werden müssen, es geht ja auch um  euren eigenen Schutz“, so Amtswehrführer Ralf Ackerhans. Der lobt bei allen berechtigten kritischen Tönen die uneingeschränkte Einsatzbereitschaft der 29  Männer und Frauen, die an der Übung beteiligt waren.

Zweimal im Jahr am Sonnabend Training

Die Idee zu diesem Test hatte Christoph Herbst. „Ich hatte schon lange das Haus im Blick, kenne die Eigentümer. Denn es gibt nicht viele Häuser, wo man den Einsatz der Drehleiter so üben kann“, erzählt der stellvertretende Wehrführer, der an diesem Vormittag auch das Kommando hatte.

Der Einsatz kam für die meisten Blauröcke überraschend, auch wenn nicht ganz unvorbereitet. Normalerweise ist montags Feuerwehrdienst. Doch zweimal im Jahr findet die Ausbildung am Sonnabend statt. „Mancher kann in der Woche nicht, weil er beruflich unterwegs ist“, erklärt Herbst.

Dann trifft man sich am Sonnabend  um 9 Uhr. „So haben wir den Ausbildungsstart nur ein wenig nach vorn geschoben“, sagt Wehrführer Holger Gadinger. Und er wäre nicht traurig gewesen, wenn nur einer von den Bützowern richtig reagiert und bei der Leitstelle angerufen hätte, als er den Qualm bemerkte. „Dann wäre der Alarm halt noch ein paar Minuten früher losgegangen.“

 

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