Bützow nach dem Tornado : Fenster bald in neuem Glanz

Pastor Karl-Martin Schabow (l.) und Architekt Hartmut Böhnke (r.) freuen sich über die Finanzspritze, die Wolfgang Pollax von der Deutschen Denkmalstiftung mit im Gepäck hatte.
Pastor Karl-Martin Schabow (l.) und Architekt Hartmut Böhnke (r.) freuen sich über die Finanzspritze, die Wolfgang Pollax von der Deutschen Denkmalstiftung mit im Gepäck hatte.

Stiftung spendet 60 000 Euro für Kirche

svz.de von
16. September 2015, 17:52 Uhr

Auf den ersten Blick scheint es, als hätten das Wappen- und das Lutherfenster in der Bützower Stiftskriche den Tornado am 5. Mai gut überstanden.  „Im Glas sind nicht viele Schäden, aber die Rippen sind gebrochen“, erklärt Architekt Hartmut Böhnke, dass nicht alles heil blieb. Bei den Rippen handelt es sich um die vertikalen Mauerziegel, die sich in vier Bahnen durch die Fenster ziehen. Sie werden von vertikalen Windeisen durchzogen. „Die sind auch arg in Mitleidenschaft gezogen“, fügt Böhnke an.  Viele Schäden bestanden schon vor dem Sturm. „Durch den Tornado wurde alles noch einmal hin- und hergerückt“, gibt Böhnke zu bedenken. Entsprechend teuer wird die geplante Restaurierung mit circa  75 000 Euro.

Finanzielle Unterstützung gab es gestern erneut von der Deutschen Stiftung für Denkmalschutz: Wolfgang Pollex, Ortskurator Wismar, übergab einen ersten Fördervertrag über 60 000 Euro an Pastor Karl-Martin Schabow. Kurz nach der Katastrophe hatte die Stiftung bereits eine Notfallhilfe über 210 000 Euro an Bürgermeister Christian Grüschow übergeben. Die jetzige Summe stammt aus einem eigens eingerichteten Spendenkonto und ist zunächst für die  Arbeiten an den beiden Fenstern vorgesehen. Weitere Gelder stellte Pollex   in Aussicht.

Die Arbeiten an den beiden historischen Spitzbogenfenstern beginnen   erst im kommenden Jahr. Die über zwei Meter Hohe Verglasung müsse komplett ausgebaut werden, erklärt Architekt Hartmut Böhnke.  Das macht über die Wintermonate wenig Sinn. Denn zunächst müssen die Rippen, also die senkrecht angeordneten Mauerziegel, zurückgebaut werden. Ersetzt werden  auch die Windeisen, die durch die Rippen verlaufen sowie seitlich im Mauerwerk verankert sind. Diese sind inzwischen stark korrodiert und beschädigten auch das Ziegelwerk.  

Tornado wirft Arbeiten um Jahre zurück

Überprüft werden soll  auch, ob die bereits restaurierten Fenster beschädigt oder in ihrer Haltbarkeit beeinträchtigt sind, so Pastor  Schabow.   Das Lutherfenster war Anfang des 20. Jahrhunderts ein Geschenk des Bützower Landbaumeisters Adolf Prahst, das er der Kirche zu seinem 80. Geburtstag machte. Gegenüber liegt das Wappenfester, auf dem Wappen Mecklenburger Städte sowie die Sitze des Bischoffs zu sehen sind.

„Die Tragik ist eigentlich, dass wir mit den Maßnahmen fertig waren und uns alles, was wir die letzten elf Jahre gemacht haben, vor die Füße geworfen wurde“, so der Pastor. Neue Motivation zu finden, sei da nicht immer einfach.

Pollex zeigte sich dennoch beeindruckt: „In der Not halten die Menschen zusammen.“ Die Solidarität sei vor allem in dieser Situation sehr groß. Landes- und bundesweit förderte die Stiftung seit 30 Jahren Kulturdenkmäler   mit  insgesamt etwa einer halben Milliarde Euro.

Alles rund um den Tornado in Bützow und Umgebung lesen Sie in unserem Dossier
 

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