Bützow : Fazit: Der Schlamm muss raus

Diskussion am Wallgraben: Heinz Fuhrmann (2. v. r.) debattiert mit Rüdiger Barz und Stephan Meyer (4. v. r.).
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Diskussion am Wallgraben: Heinz Fuhrmann (2. v. r.) debattiert mit Rüdiger Barz und Stephan Meyer (4. v. r.).

Experten und Einwohner testeten gestern am Bützower Wallgraben die Fließgeschwindigkeit

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04. März 2014, 18:32 Uhr

Gestern 14 Uhr am Mühlenwehr in Bützow: Über 20 Einwohner sind der Einladung von Stephan Meyer, Bürgermeisterkandidat der CDU, zu einem Experiment gefolgt. Es soll zeigen, ob bei einem höheren Wasserstand in der Warnow die Fließgeschwindigkeit im Wallgraben steigt oder ob es Engstellen gibt, die dies verhindern. Den Anstoß dazu hatte eine Diskussion zum Wallgraben im Kultursalon des Vereins PferdemarktQuartier gegeben. Stephan Meyer hatte deshalb die Experten vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Natur (StaLU), vom Wasser- und Bodenverband (WBV) Warnow-Beke und von der Stadt sowie alle interessierten Einwohner eingeladen.

Das StaLU hat den Wasserstand um zehn Zentimeter hochgefahren, um den Druck zu erhöhen, durch den das Wasser in den Wallgraben läuft. Die Rechnung geht auf: Was mit bloßem Auge schwer zu erkennen ist, kann Architekt Hartmut Böhnke auf seinem Nivelliergerät ablesen: „Der Wasserstand im Wallgraben ist jetzt genauso hoch wie in der Warnow“, sagt er bei der ersten Messung am Hafen. „Das erste Rohr ist also frei“, sagt Rüdiger Barz vom WBV. „Das Wasser ist zwar gestiegen, aber es fließt nicht“, findet Heinz Fuhrmann (85). Er kennt noch die Zeit, als das Wasser durch einen offenen Graben aus der Warnow in den Wallgraben strömte. „Früher war da so viel Druck drauf, dass die eine Mauer bauen mussten, damit die Strömung die Böschung nicht kaputt macht“, sagt er. Auch Uwe Göllnitz (64) erinnert sich: „Wir haben als Kinder im Wallgraben noch gebadet und da waren Fische drin.“ Als der Graben teilweise zugeschüttet und verrohrt wurde, fing das Dilemma an: Die Fließgeschwindigkeit nahm rapide ab und der Graben verschlammte immer mehr. Trotzdem war noch alles „im grünen Bereich“, als der Graben regelmäßig entschlammt wurde, sagen die Älteren. Doch dies ist nun schon seit 20 Jahren nicht mehr passiert. Bei ihrem Gang über den Wall bietet sich den Betrachtern ein schlimmes Bild: An vielen Stellen ist der Wallgraben zugewuchert, voller Schlamm und Dreck. „Man sollte den Leuten mal bewusst machen, dass dies keine Müllhalde ist“, sagt Rüdiger Barz. „Und dieser ganze Mist fließt jetzt durch den höheren Wasserstand in den See rein“, ärgern sich Uwe und Monika Henszelewski.

Doch bestätigt ihre Beobachtung, dass das Wasser im Graben in Richtung See in Bewegung ist. Auch die Messungen von Hartmut Böhnke an den Brücken am Rostocker Tor und Vor dem Rühner Tor ergeben, dass die Durchlässe dort frei sind. Der Haken scheint also in der Tat die Verschlammung des Grabens zu sein. Boden- und Wasserverband und die Stadt einigten sich deshalb schon vor geraumer Zeit darauf, gemeinsam eine Entschlammungsaktion zu finanzieren. Kostenpunkt: 80 000 Euro. Doch noch ist dies nicht in trockenen Tüchern. „Noch hat die Stadt ihren Anteil nicht bestätigt“, sagt Barz.

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