Bützow: Malen als Therapie : Farben öffnen Herzen und Seelen

<strong>Clas Köster</strong> und Schwester Melanie Quandt halten stolz den Kalender in den Händen.<foto>Katja Grabowski</foto>
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Clas Köster und Schwester Melanie Quandt halten stolz den Kalender in den Händen.Katja Grabowski

Etwas ganz besonderes ließ sich das Palliativteam der Warnow-Klinik einfallen. Ein Kalender mit Bildern von Patienten. Einmalige Erinnerungen durch einmalige Bilder, die bei der Kunsttherapie entstanden sind.

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11. Januar 2013, 10:37 Uhr

Bützow | Etwas ganz besonderes ließen sich die Mitarbeiter des Palliativteams der Warnow-Klinik einfallen. Ein Kalender mit Bildern von Patienten. Einmalige Erinnerungen durch einmalige Bilder, die bei der Kunsttherapie entstanden sind.

Die Kunsttherapie mit Clas Köster ist ein Angebot des Palliativteams für die Patienten auf der Station. Es handelt sich dabei um Menschen, die schwer erkrankt oder kurz vor ihrem Lebensende sind. Clas Köster ist zweimal in der Woche auf der Station, um mit den Patienten zu malen. Die Idee des Kalenders kam der Leiterin Doktor Iris Friesecke. Diese suchte nach einer Verwendung für all die schönen und bewegenden Bilder. Der Kalendervorschlag war ein gemeinsames, kreatives Werk des gesamten Teams. Die darin abgelichteten Zeichnungen erzählen alle ihre eigene Geschichte. "Bilder öffnen Türen. Türen, die der Zugang einer Kommunikation sein können." Das hat Kunsttherapeut Clas Köster in seiner Tätigkeit auf der Palliativstation in der Warnow-Klinik schon oft feststellen können. "Ein selbstgemaltes Bild, das bei einem Patienten an der Wand hängt, kann oft ein Mittel beziehungsweise ein Gegenstand eines Gesprächs sein. Für Patienten, Schwestern oder Angehörige sowie den Therapeuten kann es ein Zugang oder Beginn einer Unterhaltung sein", berichtet der Kunsttherapeut.

Ein Bild entsteht in einem Prozess, es kann eine Geschichte erzählen oder gibt eine Erinnerung wieder. Es drückt Emotionen aus. Auch die Angehörigen schätzen die Arbeit von Clas Köster sehr. "Viele haben ihre Eltern und Großeltern noch nie malen gesehen. Und gerade das macht meine Arbeit schon einzigartig. Man öffnet Menschen für völlig neue Dinge", berichtet Köster. "Der Maler", wie er oft von den Patienten genannt wird, möchte mit seiner Arbeit etwas entstehen lassen und bewirken. Oft arbeitet er am Krankenbett der Patienten. Einen Raum oder eine Atmosphäre zu schaffen, die das Gegenwärtige für einen kleinen Moment vergessen lässt, ist nicht immer leicht. Es gelingt dem Kunsttherapeuten dennoch. "Ich gebe beim Malen keinen Themen vor. Entweder mal ich für den Patienten, der Patient selber oder wir zusammen. Es gibt auch kein richtig oder falsch dabei", erzählt Köster über seine Tätigkeit. Jeder Tag enthält eine neue Herausforderung.

Die Patienten gehen unterschiedlich mit der Kunsttherapie um. Die einen stehen dem sehr offen gegenüber und lassen sich voll und ganz darauf ein. Und andere sind sehr skeptisch und verschlossen. Aber das stellt für den 45-Jährigen kein Problem dar. " Der Schlüssel sind die Menschen selbst. Manchmal ist es schon nur eine Farbe, die bei ihnen etwas bewirkt und auslöst. Oder ich erfahre vom Team was bei den Patienten so los ist und finde dadurch einen Zugang zu ihnen", sagt Köster. Das Bild ist gar nicht mal das Wesentliche, es ist der Prozess. Denn so sei es, dass während des Malens etwas Wunderbares mit einem und zwischen den Menschen passiert, so Köster. Und das spiegelt sich im Kalender wieder. "Alle Bilder sind aber anonym. Und unter jedem Bild steht eine Weisheit, die nachträglich, aber passend zum Bild hinzugefügt wurde", erzählt Köster. Zu dem Bild auf dem Deckblatt gibt es auch eine kleine Geschichte. "Das Bild mit einer Blume, einem Herz und den Klangschalen vor dem gelb-grünen Hintergrund, hatte eine ehemalige Patientin gemalt. Die Klangschalen sind Gegenstand der Musiktherapie. Eine Angehörige brachte es dann eines Tages wieder zurück auf die Station und schenkte es uns, was uns sehr berührte", erzählt der Kunsttherapeut. Ein Tandra-Spruch gefiel der Patientin so gut. An diesen hatte sie beim Malen gedacht, weil dieser sie so bewegt hatte: "Fließen im Lebensfluss - verbunden sein bis in mein Herz hinein."

Wer Interesse an dem besonderen Kalender hat, kann diesen im Krankenhaus auf der Station zwei gegen eine kleine Spende bekommen.

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