Selbstmord von Eisenbahnbrücke : Familiendrama erschüttert Bützow

 Ort des schrecklichen Dramas: die Rombachtalbrücke in Hessen
Ort des schrecklichen Dramas: die Rombachtalbrücke in Hessen

Vater springt mit Kindern in den Tod – nun wird bekannt: Tim und Lisa stammen aus der Warnowstadt

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11. August 2015, 06:30 Uhr

Es erschütterte ein ganzes Land, als bekannt wurde, dass ein 37-jähriger Vater aus Parchim mit seinen beiden leiblichen Kindern von einer 95 Meter hohen Eisenbahnbrücke in den Tod sprang. Das Unglück ereignete sich am Nachmittag des 2. August bei Schlitz in Hessen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft habe der Vater seinen neun Jahre alten Sohn und seine zehn Jahre alte Tochter zunächst mit einem Messer angegriffen, danach seien alle drei von der Brücke gestürzt. Als Hintergrund der Tat werde bislang ein Sorgerechtsstreit vermutet, so der Gießener Staatsanwalt Thomas Hauburger.

Wie gestern bekannt wurde, lebten die beiden Kinder, Tim und Lisa, gemeinsam mit ihrer Mutter in Bützow. Nach der Trennung vom Vater seien sie vor etwa drei Jahren in die Warnowstadt gezogen, erinnert sich Marcell Orlowski, ein enger Freund der Mutter und ihres jetzigen Lebensgefährten. „Ich kannte die beiden Kinder persönlich – sie konnten doch nichts dafür“, so Marcell Orlowski fassungslos. „Man schickt seine Kinder in die Ferien und sie kommen nicht wieder.“

Marcell Orlowski hat ein großes Anliegen. Die Beerdigung der beiden „Mäuse“, wie sie auf Facebook genannt werden, stehe kurz bevor, doch die Familie habe nur wenig Geld für die letzte Reise von Tim und Lisa. „Sie sollen einen schönen Stein bekommen“, wünscht sich Marcell Orlowski und ist damit nicht allein.

Im sozialen Netzwerk Facebook hat sich nach dem Bekanntwerden des Familiendramas eine Gemeinschaft gegründet, der schon mehr als 300 Menschen angehören. Freunde und Verwandte sammeln Spenden für die Beisetzung der Kinder. Ramona Langschwager und ihre Familie haben das Spendenkonto eingerichtet, auf dem inzwischen rund 200 Euro eingegangen seien, wie sie berichtet. Doch Marcell Orlowski wünscht sich eine größere Spendenbereitschaft, damit der trauernden Familie eine große Last von den Schultern genommen werden kann. Auch Bürgermeister Christian Grüschow zeigte sich gestern erschüttert.

„Schon die Tragödie allein hat mich zutiefst betroffen, dass die beiden Kinder aus Bützow stammen, macht mich fassungslos“, sagt der 35-Jährige Familienvater. Er habe selbst kleine Kinder und könne sich kaum vorstellen, was für ein unendliches Leid die Familie durchleben muss. „Es geht mir persönlich sehr nahe“, sagt Grüschow und fügt hinzu: „Wir haben auch im Familienkreis darüber gesprochen und ich kann mir schwer vorstellen, wie man mit solch einem Verlust umgehen kann.“

Neben dieser schrecklichen Tragödie sei die Familie auch von dem Tornado am 5. Mai betroffen, weiß Christian Grüschow. Darum entschied das Stadtoberhaupt gestern, den Bützower Spendenbeirat zu einer außerordentlichen Sitzung einzuberufen. „Es hat in dem Gremium eine intensive Diskussion darüber gegeben, wie wir die Familie unterstützen können“, informiert Christian Grüschow. Doch weil die Spendengelder zweckgebunden seien, gäbe es leider keine Möglichkeit, Gelder für die Beerdigung der Kinder auszuschütten.

„Dennoch“, so versicherte das Stadtoberhaupt, „werde er die Familie nach Kräften und im Rahmen seiner Möglichkeiten unterstützen.

Hier können Sie helfen:
Spendenkonto:
Konto-Inhaber: Daniel Langschwager
IBAN: DE05 1305 0000 1040 3370 97
BIC: NOLaDE21ROS
Kreditinstitut OstseeSparkasse Rostock
Verwendungszweck: Tim und Lisa

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