Bützow : Es wird wieder angepackt

Bei der Vorbereitung des Bodens für die Frühjahrsbestellung hilft der zweijährige Erwin seinem Opa in der Gartenanlage „Seeblick“ in Bützow tatkräftig mit.
Bei der Vorbereitung des Bodens für die Frühjahrsbestellung hilft der zweijährige Erwin seinem Opa in der Gartenanlage „Seeblick“ in Bützow tatkräftig mit.

Kleingärtner zieht es wieder in ihre Parzellen / Viel Leerstand „Am Klüschenberg“ / „Zur Eiche“ sind alle Gärten belegt

svz.de von
01. April 2017, 10:00 Uhr

„Nun wird’s auch wieder Zeit“, sagt Rainer Naumann. Er ist Vorsitzender der Vereinigung der Gartenfreunde „Zur Eiche“ und Herzblut-Kleingärtner. Das Wetter treibe nun wieder viele Bützower mit grünen Daumen in ihre Parzellen. Auch Rainer Naumann wird in den kommenden Monaten wieder mehr im Garten als zu Hause sein. Genau wie der Bützower sind viele Kleingärtner dabei, erste Frühlingsarbeiten zu absolvieren. Umgraben, den Komposthaufen pflegen, alte Blumen und Strauchwerk abnehmen.

In der Anlage „Zur Eiche“ gibt es 56 Gärten. Und alle sind belegt. Dennoch gebe es keine Wartelisten. Leerstand gibt es trotzdem nicht, die Gärten werden fließend übergeben. So fanden im Vorjahr beispielsweise gerade erst wieder fünf Gärten neue Besitzer, wie Rainer Naumann verrät. In erster Linie seien es die über 80-Jährigen, die ihre Gärten abgeben. „Aber das ist ja ganz normal.“ Dennoch stellt der Vorsitzende klar: „Wir brauchen Nachwuchs.“ Und damit sei auch die Zusammensetzung des Vorstands gemeint, schließlich „müssen wir an die Zukunft denken“.

Dass es keinen Leerstand gibt, hat die Anlage laut dem Vorsitzenden vor allem der Lage und der Ausstattung zu verdanken. Am Rühner Landweg befindet sich nämlich betreutes Wohnen, von deren Bewohnern viele auch einen Garten bewirtschaften. Und da die Anlage am See liegt, verfügt sie auch über einen Steg, wo man angeln und Boote anlegen kann. Außerdem verfügt jede Parzelle über einen eigenen Brunnen, neben Strom ist so auch die Wasserversorgung gesichert.

Bei den Gartenfreunden „Am Klüschenberg“ sieht die Versorgung etwas anders aus. Wie der Vorsitzende, Helmut Ortner, sagt, hätten einige zwar einen Brunnen, Strom gibt es jedoch nicht. Entsprechend herrscht auch ein großer Leerstand. „Wir waren hier mal 48 Gärtner“, sagt der 74-Jährige, der seit zehn Jahren den Vorsitz inne hat. Nun sind es noch neun. Eine Stromleitung zu verlegen scheint utopisch zu sein. Denn der Großteil der dortigen Gärtner ist laut Ortner Rentner oder Arbeitslose. Für die einen lohne es nicht mehr, andere können oder wollen nicht, findet der Vorsitzende offene Worte.

Die Stimmung lässt sich der 74-Jährige davon aber nicht trüben. Er brennt auf die neue Garten-Saison, die im Prinzip auch über den Winter gar nicht ganz vorbei war. Vorbereitungen seien schließlich immer zu treffen. Nun geht es aber wieder in die Vollen. „Jetzt geht’s langsam los“, reibt sich Helmut Ortner die Hände. Zwiebeln, Möhren, Salate – all dies könne bereits gepflanzt werden, sofern das Beet dafür fertig ist. „Aber“, betont Ortner, „Kartoffeln noch nicht“. Nach jahrelanger Erfahrung weiß er: „Am 15. Mai kommt noch einmal der Frost.“

Übrigens: Die Wasserproblematik erübrigt sich teilweise „Am Klüschenberg“ von allein, da die Anlage in der Senke liegt und es auf natürliche Weise sehr moorig ist. „Der Vorteil: Da braucht man kaum gießen“, so Ortner.

Zu gießen gäbe es bei den Ortners sonst einiges, denn sie bewirtschaften ihre gesamte Fläche. „Ich habe alles unter dem Spaten.“ Einen Stuhl gibt es aber trotzdem. Im Gewächshaus. Darin gäbe es dann zur Belohnung auch mal ein Bierchen, verrät Helmut Ortner. Am besten schmecke dies ohnehin, wenn der Rücken nass ist.

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