Mittsommer-Remise : Es schlummert viel Arbeit in Boitin

Die Besucher schauen sich in einem der Wohnräume um.
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Die Besucher schauen sich in einem der Wohnräume um.

Besucher konnten anlässlich der Mittsommer-Remise das Gutshaus erkunden

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20. Juni 2016, 12:00 Uhr

Wie sieht es wohl heute im Gutshaus Boitin aus? – Dieser Frage gingen am Wochenende zahlreiche Besucher vor Ort auf dem Grund. Anlässlich der Mittsommer-Remise öffnete Ludger Sunder-Plassmann das Anwesen für die Öffentlichkeit. Doch nicht alle waren begeistert von dem Gutshaus.

„Ich hatte mehr erwartet“, sagt eine Bützowerin, die als Kind in Boitin lebte. „Ich kenne das Gutshaus noch von früher. Das hier war unser Fernsehraum“, sagt sie und zeigt einen der größeren Räume, in dem heute Stühle an einem Tisch aufgereiht sind. Nachdem sie Boitin verlassen hatte, habe sie den Verfall nicht verfolgt und war überrascht, als sie nach vielen Jahren wieder in dem Gutshaus stand. Hausbesitzer Ludger Sunder-Plassmann wolle sie deshalb keinen Vorwurf machen. „Ich kann das gar nicht beurteilen, das wäre ungerecht. Ich hatte mir nur ein bisschen mehr erhofft“, gesteht sie.

Wie viel Arbeit in den vielen Gutshäusern der Region schlummert weiß hingegen Richard Petzoldt, der sich unter anderem in der Stiftung Herrenhäuser und Gutsanlagen M-V für deren Erhalt einsetzt. „Den Zustand des Boitiner Gutshauses kann ich nur erahnen“, erklärt er mit Blick auf die Verfassung vor wenigen Jahren, als das Haus nur durch ein Notdach überhaupt gerettet werden konnte. „Es war total ruinös“, bestätigte Ludger Sunder-Plassmann während der Führung. Die Zeit scheint in dem Gutshaus stehen geblieben zu sein. In einem Wohnraum splittert die Farbe von der Decke, an einem Türrahmen scheinen frühere Farbschichten hindurch.

Für viele Besucher war es auch ein Stück Ernüchterung, denn der Erhalt geschweige denn die Modernisierung eines so großen Gutshauses ist eine Mammutaufgabe.


Konzerte und Diskussion


Für Unterhaltung sorgten unterdessen die Spielleute der Gruppe Rabengesang aus Greifswald. „Wir haben historische Instrumente mitgebracht und spielen historisches Liedgut“, erklärt Sebastian Sack. Dabei erklangen unter anderem verschiedene Dudelsäcke, Harfe und Drehleier, die später erklärt wurden auch selbst ausprobiert werden durften. Für das Abendprogramm hatte der Veranstalter zudem den Geiger Léo Thouvenin-Masson eingeladen. Der Autor Jan Christ lud zudem bei seinem Vortrag zum Thema „Warum ich lieber ein Pole wäre, aber keiner werden konnte“ zur Diskussion ein. Er habe versucht die deutsche und die polnische Mentalität zu erforschen. „Es ist eine Gegnerschaft und eine Sympathie“, gibt er einen Einblick.

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