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Bützower Zeitung

23. November 2017 | 16:16 Uhr

Schwaan : „Es gibt auch ein Leben danach“

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Die Aufklärer – Handicapsport bewegt Schule: Unter diesem Motto wurden Schülern Berührungsängste genommen

svz.de von
erstellt am 19.Okt.2017 | 08:00 Uhr

Basketball? Badminton? Sogar Fechten? Die Schüler der Prof.-Franz-Bunke-Schule staunten, als sie sahen, welche Sportarten Menschen mit einer Behinderung ausüben können. Doch wie lebt sich der Alltag dieser Menschen? Was kann man mit einem Rollstuhl alles machen und was nicht? Diese und viel mehr Fragen bekamen vier Schulklassen der fünften und sechsten Stufe nicht nur beantwortet, sie konnten die Grenzen der Gefährte sogar selbst austesten.

Die Projektbegleiter des Verbandes für Behinderten- und Rehabilitationsport MV hatten fünf Stationen für die Kinder vorbereitet. Diese machten sich zuerst mit den unterschiedlichen Rollstühlen vertraut, denn ein normaler Rollstuhl hat nur wenig mit einem Sportrollstuhl gemein, der viel breiter und wendiger ist. „Ich bemerke es immer wieder. Je jünger die Kinder sind, desto mutiger und aufgeschlossener gehen sie an die Rollstühle heran“, so Mario Thierfelder, der die Parcours-Station betreute. „Sie haben keine Angst, mit dem Stuhl umzukippen. Ältere haben da schon öfter eine mentale Blockade, weshalb sie vorsichtiger sind.“

Sein Parcours besteht aus verschiedenen Hürden, die einem Rollstuhlfahrer auch im Alltag begegnen. So mussten die Kinder einige kleine Stufen erklimmen, sich auf schmalen Plattformen um die eigene Achse drehen und eine Rampe hoch- und wieder herunter fahren. Auch eine Tür auf einer Anhöhe galt es zu öffnen, ohne unabsichtlich herunterzurollen. „Das wichtigste ist, dass die Kinder ihren Körperschwerpunkt verlagern, je nach dem wo es hingehen soll. Zu weit nach hinten sollte man sich jedoch nicht fallen lassen. Das kleine Stützrad ist eher eine Sicherheit für den Kopf, als dass es einen wirklich vor dem Umfallen bewahrt“, sagte Mario Thierfelder, der den Schülern durchgehend Tipps gab. „Mir ist aber besonders daran gelegen, dass sie verstehen, dass das Leben auch mit einer Behinderung weitergeht. Es gibt auch ein Leben danach.“

Über Hindernisse fahren ist das eine, doch im Ballsport gegeneinander zu spielen das andere. „Für die Kinder ist es eine koordinative Herausforderung, weil sie sich einerseits auf die Steuerung des Rollstuhls konzentrieren müssen, andererseits darauf, den Ball zu erwischen“, erläutert Sonja Bade, die die Badminton-Station anleitete. Oft fliege der Federball einfach zu schnell auf den Boden. Darum müsse man öfter auf einen leichteren Luftballon ausweichen. Auch das Halten des Schlägers, während man die Räder mit dem Handballen bewegt, müsse geübt werden.

Aber es spielten nicht nur die Rollstuhlfahrer gegeneinander. Beim sogenannten „Integra-Badminton“ mischten sich auch Nichtfahrer mit ihnen in Teams zusammen. Neben den weiteren Stationen wie Basketball und Fechten gab es außerdem auch „unsportliche“ Stationen, die Wissen vermittelten. So wurde ihnen auch die Blindenschrift gezeigt. Ziel für das Ende der viel zu kurzen zwei Stunden war es, dass die Schüler ihren Namen schreiben konnten.

Bei der letzten Station, die in ganz ruhiger Atmosphäre in der Sportumkleide stattfand, widmete sich Projektkoordinator Nils Bandelin mal nur den Fragen der Schüler und erklärte ihnen, wie seine Bein-Prothese im Detail funktioniert und wie es sich mit ihr lebt. „Es ist nicht nur alles spaßig. Wir wollen auch aufklären und informieren“, erklärt er. Ohne große Berührungsängste fassten die Schüler seine Prothese an. „Kann sie abfallen? Kann man damit schwimmen gehen?“ Die Kinder hatten viele Fragen und keine blieb unbeantwortet. Auch von der Zeit nach seiner Amputation berichtete Nils Bandelin seinen gespannten Zuhörern. „Manche Schüler haben im Vorfeld gar keine Berührungspunkte mit Menschen mit Handycap. Andere kennen es aus ihrem Verwandtenkreis, haben aber das Bedürfnis, darüber zu reden.“

Am Ende des Projektages waren die Schüler um viele Antworten und Erlebnisse reicher. Das eigene Erleben und Ausprobieren bereitete ihnen viel Freude.

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