Schwaan : Erstmals vier Jungstörche in Schwaan beringt

Nur eine Minute, dann ist es geschafft: Einmal fest Drücken und schon hält der Ring ein Leben lang am Bein des Storches.
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Nur eine Minute, dann ist es geschafft: Einmal fest Drücken und schon hält der Ring ein Leben lang am Bein des Storches.

NABU-Weißstorchbetreuer Stefan Kroll war gestern mit seinem Team zur Beringung in der Region unterwegs

svz.de von
23. Juni 2015, 19:03 Uhr

Der Besuch gestern am Storchennest am Schwaaner Tannenberg war nicht wirklich willkommen. Unruhig beobachteten die Altstörche die neugierigen Zweibeiner am Boden.

Denn gestern bekamen die Störche Besuch von Stefan Kroll, NABU-Weißstorchbetreuer, und seinem Team. Helmut Stienhans aus Dummerstorf  fuhr gemeinsam mit Christoph Roscher vom Papendorfer Agrarbetrieb in einem Korb nach oben. Der Altstorch – geborener Schwaaner – verfolgte das Schauspiel und verließ das Nest, als die beiden ihm zu nah kamen. Die Scheu vor dem Menschen überwiege, sagt Kroll. Angriffslustig seien die Tiere eher selten.  Die Beringung erfolgt rein ehrenamtlich. Die Bauernverbände Bad Doberan und Bützow kommen jedoch für das Kranfahrzeug und Fahrer Christoph Roscher auf.

Auf Höhe des riesigen Nestes angekommen, lassen sich die insgesamt vier gut gewachsenen Jungtiere eines nach dem anderen fallen, stellen sich tot.

„Das machen sie in einem bestimmten Alter“, erklärt Kroll, dass es sich dabei um einen Reflex handelt, den die Störche im Alter von vier bis sechs Wochen an den Tag legen.  „Das machen wir uns natürlich zu Nutzen.“ Jünger dürfen die Tiere nicht sein, weil sonst der Ring über das Beingelenk rutschen und stören würde. Sind sie älter als sechs Wochen, „dann würden die Störche sich wehren oder eventuell runterspringen.“

In diesem Jahr ist die Beringung eine kleine Sensation: Alle vier Jungstörche   im Nest   wurden beringt. Das ist eine Premiere. Zuvor gab es zwar schon einige Male vier Jungtiere – bis zur Beringung haben sie es aber nie alle geschafft.  „Das ist in diesem Jahr außergewöhnlich günstig“, sagt Kroll zufrieden. Die Schwaanerin Dorothee Großmann, die seit Monaten die Entwicklung der Tiere verfolgt und dem NABU berichtet, ist begeistert, als sie ihre „Schützlinge“ so nah erleben darf. Besonders froh ist sie, dass es dem Altstorch gut geht. „Er war letztes Jahr einige Tage im Zoo in Rostock, weil er verletzt war“, berichtet Kroll von einer Bruchlandung des Tieres. Bei dieser Gelegenheit wurde der Storch ebenfalls beringt und kehrte nach einem Winter in Afrika nun wieder zurück.

Dass Jungstörche sich bei ersten Flugversuchen verletzten, ist nicht selten. Der Rostocker Zoo hat für diesen Fall eine Ausnahmegenehmigung und darf Weißstörche aufnehmen. Gerade jetzt, wo die ersten Jungstörche flügge werden und mit Fliegen beginnen, kann es zu unsanften Landungen und Verletzungen kommen. Wer ein Tier findet, kann sich an Storchenbetreuer wenden (www.stoerche-doberan.de). Diese holen verletzte Störche auch ab.

Einer dieser Betreuer ist Hans-Heinrich Zöllick, der schon seit den späten  1960er-Jahren die Störche in Schwaan im Blick hatte. Heute betreut er zwar das Gebiet Ribnitz-Damgarten, ließ es sich dennoch nicht nehmen, die Beringungen gestern zu verfolgen. Die Entwicklung sei in den vergangenen Jahrzehnten stark negativ verlaufen. „Das ist  rapide zurückgegangen“, sagt er. Immer weniger Störche kommen nach MV. Zwischen 2004 und 2005 gab es einen Rückgang von über 30 Prozent, den er sich auch heute noch nicht erklären kann. Damals reduzierte sich die Zahl der Störche von 1150 Tieren auf nur 850.

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