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Baumgarten : Ernte: 600 Euro Verlust pro Hektar

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Landwirte aus der Region beklagen Ernteeinbußen von bis zu 50 Prozent beim Getreide / Mais und Rüben sind die einzigen Lichtblicke

von
erstellt am 24.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Die Sorgenfalten im Gesicht von Jens Lötter sind beim Blick über die bereits abgeernteten Getreidefelder deutlich sichtbar. „So eine Ernte wie 2016 habe ich in den letzten 25 Jahren noch nicht erlebt“, sagt der Landwirt aus Baumgarten. Frost im Januar, Trockenheit im Frühjahr und zu viel Regen in der Erntezeit haben dafür gesorgt, dass die Erträge teilweise um mehr als die Hälfte einbrachen. Einziger Lichtblick: Die Mais- und Rübenernte, die über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre liegt.

„Die Situation ist existenziell“, sagt Ulrich Constien, Betriebsleiter der Agrargenossenschaft Klein Sien. Während die Einbußen auf guten Böden mit 20 Prozent zwar schmerzhaft aber durchaus kompensierbar seien, fuhr der Landwirt auf sandigen Böden nur etwa 50 Prozent der durchschnittlichen Einträge ein. Besonders betroffen: die Rapsernte. „Ich habe hier mit jedem Hektar 600 Euro verloren“, so Constien. Aufgerechnet auf die fast 400 Hektar, die der Betriebsleiter mit der gelb blühenden Pflanze bestellt hat, sind dies Einbußen von fast 250  000 Euro – allein beim Raps.

Mit dieser miserablen Ausbeute steht Constien aber keineswegs allein da. „In der gesamten Region ist die Lage ähnlich dramatisch“, sagt Katrin Kauer, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes. Neben den ungünstigen Witterungsbedingungen führt Kauer dafür auch das Beizverbot für Raps an. „Dadurch ist das Saatgut wesentlich anfälliger für Schädlinge als vorher“, sagt sie. Während der Kahlfrost im Januar die Anzahl der Pflanzen stark minimierte, schrumpfte der ausbleibende Regen die Bestände im Frühjahr zusätzlich zusammen. „Schlechte Ernten konnten in den Vorjahren meist durch gute Weltmarktpreise ausgeglichen werden. Dass nun aber beides so extrem niedrig ist, daran haben unsere Bauern zu knabbern“, sagt die Geschäftsführerin.

Bereits am 25. Juli stand etwa auf den Feldern von Jens Lötter kein Halm mehr. Ein Zeitpunkt, an dem für ihn und seine sechs Mitarbeiter eigentlich erst die heiße Phase der Ernte beginnt. „Die Ernte passt halt einfach zu den Milchpreisen“, sagt der Landwirt. Auch wenn er das Debakel mit Galgenhumor nimmt, trifft es den Baumgartener besonders hart. Konnte er schlechte Erträge in den Vorjahren mit den Milcheinnahmen seiner fast 400 Kühe ausgleichen, geht das in diesem Jahr nicht. „Momentan bekommen wir 22,5 Cent pro Liter und damit immerhin schon einen halben Cent mehr als im Vormonat. Um kostendeckend zu arbeiten, wären aber zwischen 31 und 34 Cent notwendig“, so Lötter. Dabei hat er seinen Hof erst 2013 um einen Kuhstall und eine Biogasanlage erweitert – eine Zeit, zu der die Milchpreise noch gut waren.

Einziger Lichtblick bei ihm und auch bei seinem Kollegen Ulrich Constien ist da die Mais- und Kartoffelernte. Da beide Kulturen erst im Frühjahr in die Erde kommen, wurden sie von Frost und Trockenheit verschont und versprechen bessere Erträge als 2015. „So kann ich die Kühe im Winter zumindest mit eigenem Futter versorgen und muss nicht auch noch zukaufen“, sagt Lötter.

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