Häftlingstreffen in Bützow : „Erinnerung, die wehtut“

Die ehemaligen Häftlinge aus Bützow legten am Denkmal am Krummen Haus Blumenkränze nieder.
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Die ehemaligen Häftlinge aus Bützow legten am Denkmal am Krummen Haus Blumenkränze nieder.

In der Andacht am Krummen Haus wurden die Opfer der DDR-Zeit wieder präsent

svz.de von
30. September 2017, 10:00 Uhr

„Wenn das Gute nur bedeutet, sich anzupassen und keinen Streit zu verursachen, dann ist es nicht fruchtbar. Das Gute engt uns nicht ein, lässt uns nicht stagnieren, sondern wachsen“, so formulierten die Pastoren Andreas Timm und Johanna Levetzow eine Passage in der Andacht zum 15. Häftlingstreffen.

Die Gedenkveranstaltung fand am Denkmal für die politischen Häftlinge in der DDR und in den Bützower Gefängnissen am Krummen Haus statt und bot einen besinnlichen Abschluss zum dreitägigen Programm. Sowohl Häftlinge und Angehörige als auch Interessierte fanden sich dort unter freiem Himmel zusammen und lauschten den Worten der Pastoren.

„Es ist eine Erinnerung, die wehtut“, sagt Andreas Timm. „Wir gedenken allen, die politisch oder wegen ihres Glaubens verfolgt wurden. Denen, die für ihre Überzeugungen leiden mussten und auch für sie gestorben sind. Denen, die Widerstand gegen eine Gewaltherrschaft geleistet haben.“

Trotzdem stand die Andacht nicht nur im Zeichen der Trauer, denn die Pastoren verloren nicht die Perspektive zum Guten und zum Positiven. Genauso sprachen sie sich für Versöhnung und Vergebung – für Frieden – aus. Dabei dürfe man sich nicht verbittern lassen und müsse auch offen für Neues sein. Dass Gott einem wie ein Vertrauter dabei begleiten könne, wurde unter anderem mit einem besonderen Bibel-Psalm unterlegt. Diesen hatten im Vorfeld Insassen der JVA-Bützow eigens umformuliert. Mit dem Aufruf, die Erinnerung wachzuhalten, nicht die Kraft zu verlieren und Ausschau nach dem Leben zuhalten wurde die Andacht beendet und Blumenkränze am Denkmal niedergelet. Im Anschluss fanden sich die Häftlinge noch zu letzten gemeinsamen Gesprächen zusammen.

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