Bützow : Er ist auf den Straßen zuhause

Seit 22 Jahren fährt er die Müllabfuhr-Touren im Landkreis Rostock: Burghardt Knitter aus Bützow.
Seit 22 Jahren fährt er die Müllabfuhr-Touren im Landkreis Rostock: Burghardt Knitter aus Bützow.

Der Müllwerker Burghardt Knitter lässt sich nicht aus der Ruhe bringen

svz.de von
09. Juni 2016, 12:00 Uhr

Burghardt Knitter aus Bützow arbeitet seit 22 Jahren beim Müllabfuhrunternehmen Veolia in Karow. Die Touren im Landkreis Rostock kennt er so gut wie seine Westentasche. Im November tritt er zu seiner letzten Fahrt an.

„Nach der Wende mussten viele schauen, was aus ihnen wird. Ich habe mich hier beworben und wurde genommen“, erzählt Knitter. In seiner Zeit als Müllwerker habe er fast alle Maschinen gefahren, die das Unternehmen vorweisen kann. „Solche Leute sind selten. Denn, wenn jemand in der Lage ist, alles zu fahren, können wir ihm auch verschiedene Touren anvertrauen“, sagt Maik Körner, Betriebsleiter in Karow. Deshalb arbeite Knitter vor allem als Springer. „Wenn einer Urlaub hat oder krank wird, kann ich problemlos die Touren übernehmen“, so Knitter.

Zwar gehe der Bützower routiniert an seine Arbeit heran, Alltagstrott stelle sich aber nicht ein. „Dieselbe Tour ist jeden Tag anders“, sagt Knitter. Vor allem in der Winterzeit stehen der Bützower und seine Kollegen regelmäßig vor neuen Herausforderungen. „Unsere erfahrenen Mitarbeiter können die Wetterlage richtig einschätzen. Wenn sie eine Tour nicht fahren, müssen die Anwohner Verständnis haben. Wenn Züge und Flugzeuge im Winter ausfallen, kann keiner verlangen, dass die Müllabfuhr zu ihnen kommt“, so der Betriebsleiter.

„Im Sommer laufen unsere Fahrten wie ein Länderspiel. Dann haben wir kaum Probleme“, so Knitter. Mit den gelegentlichen Hupkonzerten, wenn der Müllwagen den fließenden Verkehr behindert, komme der Bützower zurecht. Auch im persönlichen Gespräch lasse sich der Veolia-Mitarbeiter nicht aus der Ruhe bringen. „Wenn ein Anwohner auf mich zukommt, lasse ich ihn erst einmal aussprechen. Die Leute müssen einfach loswerden, was sie bedrückt. Dann versuche ich aber ruhig und sachlich die Lage zu klären. Komme ich nicht weiter, verweise ich an meinen Chef“, erzählt Knitter.

Die Entscheidung, nach der Wende als Müllwerker zu arbeiten, habe sein Umfeld wohlwollend aufgenommen, so Knitter. „Es gab sogar Leute, die meinten, an diesen Beruf kommt man nur ran, wenn man ihn vererbt bekommt“, sagt er.

In seiner Zeit bei Veolia habe der Bützower viele Neuerungen erleben müssen. „Der Beruf ist heutzutage viel anspruchsvoller als früher. Unsere Mitarbeiter müssen nicht nur fahren können, sondern auch ein Verständnis für die neue Technik haben“, erzählt Körner. So müssen die Müllwerker etwa ein spezielles Gerät bedienen können, das die exakten Fahrzeiten festhält und darüber Auskunft gibt, wann Pausen gemacht werden müssen. „Das Gerät ist wie ein kleiner Computer“, sagt Körner.

Mit dem Geruch habe Knitter keine Probleme. „Es gibt solche und solche Tage. Aber wer sich für den Beruf entscheidet, muss wissen, was ihn erwartet“, sagt Burghardt Knitter.

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