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Bützow : Er hätte nicht davon zu Träumen gewagt

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Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Dem Bützower Maler Albert Martens soll nun ein Denkmal gesetzt werden. Ehrentafel und Ausstellungsstücke im Kunsthaus sollen an ihn erinnern

svz.de von
erstellt am 07.Aug.2014 | 21:43 Uhr

Tief ins Nachdenken bin ich gekommen in diesen heißen Sommertagen, die doch eigentlich eher lähmend aufs Gemüt sich legen. Aber nichtsdestotrotz: So weiß ich, dass ich vor 40 Jahren den Bützower Maler und Zeichner Albert Martens kennen und schätzen gelernt habe. Von Albert Martens (1923-1987), von den meisten Bützowern nur Ali genannt, sind mir einige Bilder, Gouachen, Aquarelle und Zeichnungen, die ich von ihm bekam, geblieben. Zum Teil für einen Freundschaftspreis, wie er einst ruhig an seiner Zigarette drehend und mich über den Rand seiner Brille betrachtend, meinte.

Mit 16 Jahren kam der Hochbegabte auf die Kunstakademie nach Berlin. Er studierte unter anderem bei Professor Walter Tank im Fach Anatomie und bei Professor Willy Jaeckel in den Fächern Porträt und Akt. Er besuchte kurzfristig private Kurse bei Jaeckel, da der bereits 1938/39 durch NS Kulturfunktionäre als entarteter von der Akademie entfernt wurde.

Albert Martens liebte und verehrte Willy Jaeckel sehr. 1942, nach vier Semestern die ihm mit glänzenden Zwischenzeugnissen bescheinigt wurden, musste er zur Wehrmacht einrücken. Von den Zeichensälen weg, an die Front in den Krieg. Martens ist Offiziersanwärter und Frontmaler. Kriegserlebnisse zerstören, traumatisieren ihn.

1944 kommt der von ihm verehrte Lehrer Willy Jaeckel durch Bombentreffer in seinem Atelier in Berlin ums Leben. In dieser Zeit versuchte Albert Martens einen Selbstmordversuch, in dem er sich die Pulsadern an den Handgelenken durchschnitt. Dem Künstler droht das Standgericht, doch Offiziere seines Regimentes konnten ihn davor bewahren. Albert Martens wurde dann für geisteskrank erklärt und in Unehren aus der Wehrmacht entlassen. Er wurde anschließend in die Heilstätte nach Gehlsdorf bei Rostock eingeliefert. Dort blieb er – mit Unterbrechungen – einige Jahre bis nach dem Krieg.

Er dokumentierte mit Farben und Kohlestift das unter den Bomben der Alliierten sterbende Rostock. Später malte er zahlreiche Ostseebilder – Warnemünde, Boltenhagen, Rügen und Hiddensee – hier wohl auch mit Leidenschaft den Spuren des von ihm verehrten Lehrers Willy Jaeckel folgend. Albert Martens war Invalidenrentner. Um die stets klamme Familienkasse etwas aufzufüllen, die Familie etwas besser durchzubringen, malte er auch Bilder, für die er sich auch mir gegenüber schämte.

Allmählich zum Instrument für Agitation und „Plakatkunst“ werdend, verstummte er in den sechziger Jahren völlig. Er glaubte nicht mehr an sich. Lebte in den Erinnerungen.

Im Barlachhaus in Güstrow gab es vor einiger Zeit eine Ausstellung mit Bildern vom zerstörten Rostock aus dem 2. Weltkrieg, darunter auch zwei Aquarelle von Albert Martens. Er erzählte mir mal, dass er Bilder an das historische Museum in Rostock verkauft habe. Das Werk des Malers, da sind in den etwa 20 Jahren seines Schaffens einige hundert Gemälde und Aquarelle gemalt worden. Die Bilder sind heute in alle Himmelsrichtungen über Deutschland verstreut. Viele Mecklenburger werden wohl vorrangig Kunst von Albert Martens besitzen. Bilder von Albert Martens sind heute noch im Kunsthandel, auf Auktionen zu erwerben. Allerdings wird der Maler nur allzu oft mit falschen Geburts-und Lebensdaten benannt. Als Ostseemaler, der in Rostock lebte zum Beispiel. Ich habe bereits viel über Albert Martens geschrieben, sodass es zwangsläufig zu Wiederholungen kommen mag. Dem Naturell, dem Werk dieses Künstlers verpflichtet, auch immer als Lernender, ist es mir gelungen, nun endlich, nachdem ich zwei Jahre im Rathaus beim vorherigen Bützower Bürgermeister vorstellig wurde, um für das Gedenken an Albert Martens zu streiten. Alles hinhaltend und umsonst.

Ein Jugendfreund, Karl-Heinz Wetchy, einer der treuesten und ich, haben Geld gesammelt, das Ja-Wort des Hausbesitzers bekommen und werden voraussichtlich noch im August eine Gedenktafel am Wohnhaus des Malers Am Ausfall Nr. 3 anbringen lassen. Hierfür sei allen die mit einer Geldspende zur Herstellung der Tafel und die auch ohne Spende uns in der Sache beipflichteten, der allerherzlichste Dank ausgerichtet.

Unser Bemühen wird es auch weiterhin sein, im gegebenen Rahmen dem Maler Albert Martens im hiesigen Bützower Kunsthaus zu versuchen, mit zwei, drei Bildern und einigen Fotos und Dokumenten, einen würdigen Platz zu schaffen. Dies aber nicht als museale, sondern auch als lebendige Gegebenheit.


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