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Bützower Zeitung

22. November 2017 | 16:07 Uhr

Bernitt : Er bewahrt Geschichte im Ordner

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Günther Seemann sammelt historische Verkehrsdokumente

von
erstellt am 02.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Er habe noch einen Führerschein vom 24. Juni 1893, sagt Günther Seemann. „Theoretisch wäre er auch noch gültig, aber der Inhaber lebt natürlich nicht mehr“, so der Bernitter. Das Original ist Teil einer Sammlung historischer Verkehrsdokumente, die Seemann in den vergangenen zehn Jahren zusammengetragen hat.

Seit Jahrzehnten beschäftigt sich der heute 78-Jährige mit Oldtimern. Bis vor wenigen Monaten hatte er selbst noch eine stattliche Anzahl von Mopeds und Krädern der unterschiedlichen Marken und Baujahre. Doch mittlerweile hat er sie an andere Oldtimerfreunde verkauft. „Ich bin in einem Alter, da musste ich eine Entscheidung treffen. Meine Kinder interessieren sich nicht dafür. Aber ich wollte die Fahrzeuge in gute Hände abgeben“, erklärt Seemann.

Historische Fahrzeuge wieder so herzurichten, dass sie fahrbereit sind und auch gezeigt werden können, sei für ihn aber nur ein Teil dieser Leidenschaft, die er mit anderen Menschen teilt. Seemann möchte noch mehr. „Viele vergessen, dass das Kfz-Wesen gerade einmal etwas mehr als 100 Jahre alt ist. Für mich ist auch Hintergrundwissen wichtig, über die Herstellung und die Produktionsbedingungen, unter denen Fahrzeuge entstanden sind“, meint der Bernitter.

Viele kennen zum Beispiel die Bezeichnung für Kleinkrafträder SR. Doch wofür stehen diese beiden Buchstaben? „Das S steht für Simson. Das ist bekannt. Das R ist die Abkürzung für Rheinmetall“, verrät Seemann. Dabei habe es sich um eine Büromaschinenfabrik in Sömmerda gehandelt. Die habe für Simson in den ersten Jahren die Motoren gebaut. „Entwickelt wurden die Motoren aber bei Simson“, erklärt der gebürtige Rühner.

Eine Fahrschulpflicht gebe es in Deutschland beispielsweise seit 1909, hat Seemann herausgefunden, der selbst Fahrlehrer bei der Gesellschaft für Sport und Technik war. Ebenfalls seit 1909 gebe es das Nationalkennzeichen „D“ für Deutschland an Kraftfahrzeugen. Das „DDR“ sei erst 1974 eingeführt worden.

Zu den ersten Besitzern eines Automobils in Bernitt gehörte 1935 der Bauer Karl Schuldt, wie ein Kraftfahrzeugbrief verrät, den Günther Seemann von Angehörigen bekommen hat. Solche und viele andere Originaldokumente oder Kopien hat er zusammengetragen. Dazu gehören zum Beispiel Technikbücher und solche über verschiedene Autotypen. Nach langer Suche konnte er auch ein Kartenspiel zur Verkehrserziehung ergattern. „Das habe ich mit unseren Kindern gespielt. Doch ich hatte nur noch die Spielanleitung, aber nicht mehr die Karten“, erzählt Seemann.

Seine Sammlung sieht Günther Seemann als einen kleinen Beitrag dazu, Unwiederbringliches für die Nachwelt zu erhalten. Deshalb hat er auch schon ganz konkrete Vorstellungen, wer die umfangreiche Dokumentensammlung einmal erben soll. Er habe da einen jüngeren Oldtimerfreund im Blick, der wie er selbst für diese Dinge brennt. Der Bernitter verbindet damit zugleich die Hoffnung, dass die Sammlung nicht nur erhalten, sondern ergänzt und erweitert wird.

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