Nach geklärter Finanzierung : Endspurt im Brüeler Armenhaus

<fettakgl>Altes Mauerwerk</fettakgl> und neue Türen - damit das zusammen geht, stimmen sich  Handwerker und  Planer ab. Hier  Steffen Krüger von der Brüeler Tischlerei Krüger, Bauingenieur Willi Meyer und Roberto Trüb von der Tischerlei Krüger (v. l.). <foto>Roswitha Spöhr</foto>
Altes Mauerwerk und neue Türen - damit das zusammen geht, stimmen sich Handwerker und Planer ab. Hier Steffen Krüger von der Brüeler Tischlerei Krüger, Bauingenieur Willi Meyer und Roberto Trüb von der Tischerlei Krüger (v. l.). Roswitha Spöhr

Die Finanzierung steht: Jetzt kann das denkmalgeschützte Brüeler Armenhaus aus dem 19. Jahrhundert nach längerer Zwangspause endlich fertig saniert werden. Das städtebauliche Sondervermögen machts möglich.

svz.de von
26. März 2013, 11:22 Uhr

Brüel | Wo alt auf neu trifft im so genannten Armenhaus in Brüel ist immer wieder auch die Entscheidung von Bauingenieur Willi Meyer gefragt. Und das ist an vielen Stellen im denkmalgeschützten Haus aus dem 19. Jahrhundert in der Wariner Straße 11. Seit mehreren Monaten wird das Haus über die landeseigene Entwicklungsgesellschaft (EGS) mit Mitteln aus der Städtebauförderung und in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege saniert. Bauherr ist die Stadt Brüel. Eigentlich wollte ein Mieter, der seine Wohnung nur für die Arbeiten geräumt hat, längst wieder in das Haus zurück ziehen. Doch weil die liquiden Mittel nicht ausgereicht hatten, gab es auf der Baustelle eine längere Zwangspause (SVZ informierte).

"Nach dem städtebaulichen Sondervermögen ist der Gesamtausbau jetzt finanzierbar", erklärt Bürgermeister Jürgen Goldberg. Und so sind wieder Handwerker im Haus. "Dank der Witterung vor drei Wochen konnte der Estrich eingebaut werden und seit Ende Februar können wir auch heizen", sagt Meyer. Vom Bauablauf her könnte das Erdgeschoss Ende Mai fertig gestellt sein, Anfang Sommer dann das Dachgeschoss. Er weiß, dass eine Familie, die seit Mitte der 1980er-Jahre hier wohnt, förmlich auf den Einzug wartet. Während im oberen Bereich des Hauses derzeit die Putzer und Trockenbauer werkeln, arbeiten unten Maler und Elektriker. An vielen Stellen im Haus trifft man auf Fachwerkbalken, die wo möglich sichtbar gemacht oder auch versetzt wurden. Willi Meyer zeigt auf eine Fachwerkwand in einem der unteren Räume. "Als die Wand herausgerissen wurde, war kein brauchbares Fachwerk da. Das fanden Zimmerer aber in einer anderen Wohnung und jetzt sieht es aus, als wenn die Wand schon immer hier gestanden hat", freut er sich. Die Zimmerleute haben bei den Innenfachwerkwänden gute Arbeit geleistet, sagt er. Um das zu können, braucht es Erfahrungen bei der Sanierung von Altbauten, weiß er.

Die Nutzung des Gebäudes im 19. Jahrhundert als Armenhaus soll trotz moderner Wohnbedingungen sichtbar bleiben. Beispielsweise durch den langen Flur, von dem aus seinerzeit die gleichmäßig großen Zimmer abgingen. Auch die alte Treppe bleibt, wird aber aufgearbeitet. Während im Erdgeschoss die vorhandene Raumhöhe akzeptierbar war, fand der Planer im Dachgeschoss lediglich zwei Meter bis zwei Meter zehn vor. Trotz Wärmedämmung in der Decke sind es jetzt auch hier 2,30 Meter Raumhöhe. Das Dachfenster eingebaut werden durften, sieht der Planer fast als ein Geschenk der Denkmalbehörde. "Die Fenster bringen richtig Licht in die Räume", sagt er.

Einen Kompromiss gibt es auch bei den Fenstern zur Wariner Straße. "Deren Aufteilung ist nicht denkmalgerecht. Aber weil sie erst vor acht Jahren eingesetzt worden sind, wäre es eine Verschwendung von öffentlichen Gelder, sie jetzt auszutauschen. Im Gutachten ist aber festgehalten, dass die Aufteilung, wenn die Fenster einmal ersetzt werden müssen, so wie zur Hofseite sein muss", erklärt Willi Meyer.

Die "neuen" Fenster zur Straßenseite hätten einiges von dem maroden Zustand des Hauses recht gut kaschiert, sagt er. Auch die Mieter wollten kaum wahrhaben, wie schlecht der Zustand aller Wohnungen wirklich war, weiß er. Denn bis zum Baubeginn waren zwei Wohnungen noch bezogen. Nur die dritte zum Wipersdorfer Weg hin, war seit Jahren nass und mindestens zehn Jahre nicht mehr bewohnt.

Im Erdgeschoss entstehen mit der Sanierung zwei Wohnungen. "Bevor es hier in die Vermietung geht, sollten im Dachgeschoss keine Arbeiten mehr passieren, die Dreck, Staub oder Lärm verursachen", meint Meyer. Die drei Wohnungen unterm Dach werden um die 40 Quadratmeter groß sein.

Gearbeitet wird auch im Außenbereich. "Das bessere der maroden Nebengebäude mit zwei Abstellräumen wurde instandgesetzt, neu verfugt und das Dach gedeckt. Dazu wurde dann ein neues Gebäude in Holzbauweise mit zwei Abstellräumen gesetzt, so dass alle fünf Wohnungen einen Abstellraum bekommen", sagt Meyer. Auf dem Hof, der noch begrünt wird, soll es später fünf Pkw-Stellplätze geben.

Einmal in der Woche kommt Willi Meyer zur Bauberatung ins Armenhaus, aber auch zwischendurch lässt er sich immer wieder hier sehen, sagt er, um sich mit den Firmen, die zum überwiegenden Teil aus der Region kommen, abzustimmen. "Und das hat bislang gut geklappt", erklärt er.

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