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Bützow : Elefantenbrücke: Kleingarten fällt Bauprojekt zum Opfer

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Pächterin muss ihre Parzelle aufgeben, damit das Grundstück für den Neubau zur Verfügung steht. Ob es tatsächlich dafür genutzt wird, steht aber nicht fest.

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erstellt am 12.Jul.2017 | 06:00 Uhr

Als Jenny Neffke bei der Stadt Bützow den Pachtvertrag für ihren Garten an der Warnow unterschrieb, war sie überglücklich. „Das sollte meine Rückzugsoase sein“, sagt sie. Mittlerweile ist der Traum jedoch geplatzt. Denn die Stadt hat den Vertrag gekündigt. Der Grund: Das Grundstück werde für den Neubau der Elefantenbrücke benötigt.

Bevor die Stadt den Vertrag kündigte, wollte Jenny Neffke den Garten selbst abgeben, aus gesundheitlichen Gründen. „Ich hatte einen Interessenten und dann hieß es aber schon vonseiten der Stadt, dass daraus wegen des Brückenprojektes nichts wird“, erzählt sie. „Von dem habe ich zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses aber noch nichts gewusst. Ich kam damals aus Bad Doberan und hatte noch nie von der Elefantenbrücke gehört.“ Nachdem Jenny Neffke den Garten nicht übergeben konnte, bekam sie von der Stadt die Kündigung – die wenig später wieder zurückgezogen wurde. „Da ging es mir dann auch schon besser und ich dachte, dass ich meinen Garten damit sicher habe.“ Wieder einige Monate später dann erneut ein Kündigungsschreiben, dieses Mal endgültig. „Ich fühle mich wie ein Spielball der Stadt“, so Neffke.

Nun muss sie das Grundstück, wie im Vertrag festgehalten, binnen eines Monats beräumen, Laube und Pflanzen müssen verschwinden. „Ich soll selbst für den Abriss aufkommen. Das bringt mich in die Privatinsolvenz.“

Dass das Grundstück für den Bau benötigt wird, stand 2015 noch nicht fest, sagt Bürgermeister Christian Grüschow (parteilos). „Der Vertrag mit der ausführenden Firma wurde erst in den letzten anderthalb Jahren geschlossen.“ An dem Prozedere ist laut Grüschow nichts Verwerfliches. Er sagt: „Es gibt einen Pachtvertrag, der von beiden Seiten kündbar ist. Wir bewegen uns dabei im Privatrecht. Jede Seite bekennt sich mit dem Vertragsabschluss zu gewissen Rechten und Pflichten.“ Ob das Grundstück am Ende tatsächlich benötigt wird, steht allerdings noch nicht fest. „Wir wissen nicht, ob es wirklich genutzt werden muss, wollten es uns aber offen halten“, sagt der Bürgermeister.

Jenny Neffke fühlt sich von der Verwaltung überrumpelt – auch wenn sie weiß, dass sie sich mit ihrer Unterschrift den Konditionen der Stadt als Verpächter verpflichtet hat. Für sie steht fest: „Hätte ich von dem Brückenbau gewusst, hätte ich den Vertrag nicht unterschrieben.“

Um für ihre Sache zu kämpfen, hat sich Jenny Neffke juristischen Beistand ins Boot geholt. „Es wäre ein Traum für mich, wenn ich zumindest eine Entschädigung bekommen könnte“, sagt sie. „Andere Gartenbesitzer werden ebenfalls entschädigt, wenn Baumaßnahmen stattfinden.“ Sie wisse, dass alles im Vertrag festgeschrieben sei, wolle aber dennoch jede Chance nutzen. „Aber eigentlich weiß ich, dass ich gegen Windmühlen kämpfe.“

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