Der Hafen von Bützow : Einst lebhafter Frachtverkehr in Bützows Hafen

Impressionen aus dem Jahr 1958 Wolfgang Schmidtbauer
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Impressionen aus dem Jahr 1958 Wolfgang Schmidtbauer

Der Bau der Hafenpromenade ist in vollem Gange und da lohnt es sich, einen Blick in die geschichtliche Entwicklung von Wall und Hafen sowie auf die Entwicklung der Schifffahrt in Bützow zu werfen.

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08. September 2012, 09:02 Uhr

Bützow | Die Kanalbaugesellschaft hatte an der Trasse die Einrichtung von Ladeplätzen für Anlieger vorgesehen, und so war der Magistrat davon ausgegangen, dass auch Bützow einen Ladeplatz für solche Güter erhalten würde, die nach oder von der Stadt und dem Umland verschifft werden sollten.

In einer Karte des Kanalverlaufs wurde eine Entladestelle für Bützow am neuen Nebelverlauf etwa in Höhe der Schweinsbrücke vorgesehen. Allerdings gab es keine Einigung zur Übernahme der Kosten. Da das vorgesehene Areal nicht der Stadt, sondern zur Domäne Wolken gehörte, war die Kommune nicht bereit, die Entladestelle aus eigenen Mitteln herzustellen. Die Bauleitung lehnte ihrerseits im September 1886 den Bau auf Kosten der Kanalgesellschaft mit der Begründung ab, dass Bützow bereits eine Ladestelle besäße, für die es sogar Gebühren erhebe. Weshalb sich der Magistrat nicht energischer für die Interessen der Stadt einsetzte, geht aus den Akten nicht hervor. Auch als sechs Jahre später, im Oktober 1892, eine "Superrevision" des Kanalprojekts mit sämtlichen Anliegern stattfand, erhoben im Gegensatz zu anderen weder Bürgermeister Paschen noch Senator Niemann für Bützow irgendwelche Forderungen.

Daher wurden im Verdingungsanschlag weder der Ausbau des Bützower Hafens noch die Herstellung einer weiteren Verladestelle festgehalten.

Die sieben Ladeplätze, welche für die in Kanalnähe liegenden Dörfer und Güter sowie die Güstrower Zuckerfabrik an der Trasse eingerichtet worden waren, wirkten sich für Bützow kaum negativ aus, da die am Kanal aufgenommenen Güter - häufig Zuckerrüben - auch ohne diesen Wasserweg nicht über Bützow in Richtung Güstrow transportiert worden wären. Allerdings lag der Bützower Hafen nach Fertigstellung des Kanals am Ende einer "Sackgasse". Alle Fahrzeuge, die Ladung nach Bützow und Güstrow aufgenommen hatten, waren gezwungen, an der Bützower Mühlenbrücke zu wenden und etwa eintausend Meter zurück zu fahren, um die Kanaleinfahrt zu erreichen.

Befürchtungen, dass der Verkehr im Bützower Hafen dadurch beeinträchtigt würde, bewahrheiteten sich jedoch nicht.

In Bützow betrieb Kaufmann Louis Hünemörder seit 1877 eine Reederei, und nach Fertigstellung des Kanals gründete sich auch in Güstrow ein Schifffahrtsunternehmen. Hier kaufte 1896 ein Konsortium das Dampfboot "Pfeil", das bisher die Strecke Rostock - Warnemünde befahren hatte. Es sollte nun unter dem Namen "Güstrow 1" auf dem Kanal und der Warnow zwischen Güstrow und Rostock verkehren. Die Bützower Reederei ging 1902 in den Besitz von Ludwig Richter über. Über sie schrieb der Bützower Korrespondent voller Stolz im Juni 1909 an die "Mecklenburgische Zeitung": "Der hiesige Schiffsreeder Richter hat wieder zwei neue große Frachtprähme in Betrieb gesetzt. Sie sind aus Stahl und auf einer holländischen Werft gebaut. Jedes Schiff hat eine Tragfähigkeit von 4 000 Zentner. Unsere hiesige Schiffahrt verfügt jetzt über zwei Dampfer und vier große Prähme ..."

Mit Beginn der Schiffahrt am 1. April 1897 ließ sich der Frachtverkehr zunächst gut an. Im Jahre 1898 passierten 460 Schiffe in beiden Richtungen die Schleuse Wolken. Diese Entwicklung bewog die Kaufleute Gebrüder Leopold und Martin Ahron, Bützower Bürger seit 1885 bzw. 1887, im Jahre 1904 den (alten) Getreidespeicher am Hafen zu errichteten. Der Speicher am Markt neben dem Wohnhaus Lange Straße 34 wurde 1922 abgerissen und Bahnhofstraße 35 von der Firma H. Josephy ein neuer erbaut.

Zwischen 1909 und 1914 wurden in Bützow im Jahresdurchschnitt rund 7 000 Tonnen, in Güstrow etwa 8 300 Tonnen entladen. Danach gab es infolge des Ersten Weltkrieges einen Einbruch im Warentransport, dem eine Erholung folgte.

Im Jahresdurchschnitt wurden während des Jahrzehnts zwischen 1920 und 1929 in Bützow rund 4 400, in Güstrow 5 700 Tonnen angelandet. Nach einem erneuten Rückgang des Frachtverkehrs gab es vor dem Zweiten Weltkrieg nochmals eine geringe Zunahme des Verkehrsaufkommens. In Bützow kamen 1936 ca. 500 Tonnen Güter an, während in Richtung Rostock etwa 60 000 Tonnen Fracht befördert wurden. Zu Berg wurden Ziegel, Zement, Natursteine, Bretter, Steinkohle, Dünger und Benzin, zu Tal Getreide, Bau- und Nutzholz transportiert. Da Getreide einen großen Teil der Fracht ausmachte, ließ die Firma Oterich & Sohn 1937 noch einen neuen Getreidespeicher am Hafen errichten.

Um die gleiche Zeit erhielt Bützow übrigens noch einen zweiten Hafen bei der Papierfabrik für deren Frachtverkehr. Für die Zufahrt wurde die Lüßnitz begradigt und eine ausreichende Fahrrinne auf dem Bützower See ausgebaggert. Darüber haben Erika Uhma und Dr. Günter Camenz in der Schrift des Heimatvereins "Die Papierfabriken zu Bützow" ausführlicher berichtet.

Von der erneuten Belebung des Verkehrs auf der Warnow in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts profilierte der Kanal kaum. Seine geringe Tiefe verhinderte den Einsatz größerer Schiffe, und da er mit 14 Kilometern schiffbarer Länge zu kurz war, um eine spürbare Ersparnis an Transportkosten zu bewirken, nahm seine Bedeutung im zweiten Drittel des vorigen Jahrhunderts mehr und mehr ab. Schließlich wurde er im Vergleich zu der wesentlich leistungsfähigeren Bahn als Transportweg bedeutungslos und deshalb in den 60er- Jahren des vorigen Jahrhunderts stillgelegt. Etwa zur gleichen Zeit wurde der Bereich südlich der Mühlendamm-Schleuse zum Trinkwasserschutzgebiet für Rostock erklärt und durfte nicht mehr von Booten mit

Verbrennungsmotoren befahren werden, was nun auch das Ende eines sporadischen Personenverkehrs auf der Warnow bedeutete. In den folgenden Jahren wurde der Bützower Hafen nur noch manchmal von Sportbooten angelaufen.

Seit einigen Wochen wird das Hafengelände neu gestaltet, und ein Boot mit Elektroantrieb führt Ausflugsfahrten auf der Warnow durch.

Es ist erfreulich, dass der Hafen wieder belebt wird, und es wäre ein Gewinn, wenn auch die beiden Speicher wieder genutzt würden. Es muss ja nicht durch Getreide sein...

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