Zweiter Arbeitsmarkt : Einsatz für Teilhabe von Langzeitarbeitslosen

Adalbert Skambraks, Vereinsvorsitender der BQG, ist froh, dass er in Birgit Czarschka eine so engagierte Geschäftsführerin hat.
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Adalbert Skambraks, Vereinsvorsitender der BQG, ist froh, dass er in Birgit Czarschka eine so engagierte Geschäftsführerin hat.

BQG Bützow hat sich vergrößert und fordert mehr Engagement der Politik

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16. März 2016, 05:00 Uhr

„Wir sorgen nicht nur für Beschäftigung, sondern sind auch Sozialarbeiter“, sagt Birgit Czarschka. Die Geschäftsführerin der Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft Bützow (BQG) beklagt, dass sich die Politik immer mehr aus der Verantwortung für Langzeitarbeitslose zurückzieht. Adalbert Skambraks, Vereinsvorsitzender der BQG, warnt zudem davor, die Beschäftigungsgesellschaften kaputt zu sparen.

Ende Februar waren allein im Amt Bützow-Land 771 Frauen und Männer ohne Job. 256 von ihnen, also jeder Dritte, zählt zu den Langzeitarbeitslosen. „Es sind Menschen, die keine Chance mehr haben auf dem ersten Arbeitsmarkt“, sagt Birgit Czarschka. Hinzu kämen jene, die in der Statistik gar nicht auftauchen, wie zum Beispiel Ein-Euro-Jobber, Kranke, Vorruheständler. Mit der Arbeitsmarktreform 2012 sei die gerechte „Teilhabe an Arbeit“ verankert worden, so die BQG-Geschäftsführerin. Doch was sie täglich erlebt, widerspreche dem.

Birgit Czarschka macht das an aktuellen Zahlen deutlich. Ab April darf die BQG wieder für ein halbes Jahr Menschen im grünen Bereich als Ein-Euro-Jobber in den Gemeinden einsetzen. „Für das gesamte Amt Bützow-Land stehen dafür 14 Plätze zur Verfügung“, so Czarschka. Weitere elf Plätze kommen für Güstrow und Gemeinden im Amt Güstrow-Land hinzu. „Das sind so viele Maßnahmen, wie ich sie im vergangenen Jahr nur für das Amt Bützow-Land hatte“, erklärt die Geschäftsführerin.

Denn der Verein ist größer geworden. Weil eine in Güstrow tätige Beschäftigungsgesellschaft Insolvenz anmelden musste, haben sich Mühl Rosin, Reimershagen sowie Groß Schwiesow aus dem Amt Güstrow-Land der BQG Bützow angeschlossen. Die Gemeinde Hohen Sprenz war schon vorher Mitglied. Und auch die Stadt Güstrow nutzt die BQG als Dienstleister, um Beschäftigung auf dem zweiten Arbeitsmarkt zu organisieren. „Das ist eine Maßnahme, um die BQG auf den Füßen zu halten“, sagt Adalbert Skambraks. Außerdem arbeite Bützow mit der BQG Teterow zusammen. „Einer macht die Finanz-, der andere die Lohnbuchhaltung für beide“, erklärt Czarschka. Das alles diene dazu, Kosten zu minimieren. „Denn wir leben mittlerweile von unserem Ersparten“, sagt Skambraks. Das zeige, dass in der Vergangenheit gut gewirtschaftet wurde. Doch jetzt gehe es um den Fortbestand der BQG. Ein Punkt sei, dass die Jobcenter sehr unterschiedlich arbeiten. „Ich weiß nicht, ob und wie viele Maßnahmen ich im Jahr habe“, sagt Czarschka. Zudem würden die bürokratischen Hürden immer höher, der Aufwand dafür werde aber nicht bezahlt. Sie wünsche sich von der Politik, in einer Zeit, in der es wirtschaftlich relativ gut bestellt sei, die Schwächsten nicht zu vergessen. „Es sind Menschen, die dieser Gesellschaft etwas geben wollen und können“, sagt Czarschka. Sie nennt auch das Beispiel Adventsmarkt in Bützow. Dieser wird seit drei Jahren vom Verein organisiert. „Unter den 35 Mitstreitern sind 85 Prozent Langzeitarbeitslose. Sie sind richtig froh, wenn sie mit anpacken können. Dafür bekommen sie keinen Cent.“ Doch über das Ehrenamt gehe nicht alles.

Skambraks denkt dabei auch an die Zukunft: „Es kommen wieder Zeiten, in denen es wirtschaftlich nicht gut läuft. Die Arbeitslosigkeit wird steigen. Dann brauchen wir Vereine wie die BQG, die Qualität auf dem zweiten Arbeitsmarkt bieten. Die Job-Center kennen die Menschen doch gar nicht .“

Es liege in der Verantwortung der Gesellschaft, Menschen teilhaben zu lassen. Deshalb sei die BQG vor mehr als 20 Jahren gegeründet worden, sagt Skambraks. Sie habe Menschen insbesondere auf dem Land aufgefangen, als Anfang der 1990er-Jahre viele Arbeitsplätze verschwanden. Sie habe nicht nur Beschäftigung, sondern Menschen auch sozialen Halt gegeben. Daran habe sich nichts verändert.

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