Nach dem Tornado in Bützow : Eines der teuersten Dächer der Stadt

Architekt Hartmut Böhnke (r.) berät sich mit Dachdecker Enrico Pahl.  Fotos: Sabine Herforth
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Architekt Hartmut Böhnke (r.) berät sich mit Dachdecker Enrico Pahl.

Der Tornado fegte etwa 1500 Ziegel vom Dach der Reformierten Kirche. Alte Biber sollen erhalten werden

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03. November 2015, 08:00 Uhr

Das Dach der Reformierten Kirche in Bützow ist alt. Jeder Ziegel – das Mansat- und auch das Walmdach sind mit Biberschwänzen gedeckt – ist ein Unikat. Mit dem Tornado gingen viele verloren. „Es sind sehr viele kaputt gegangen“, berichtet Architekt Hartmut Böhnke. Auf dem Oberdach gingen etwa 50 Prozent der Biber verloren, das Unterdach hat weniger abbekommen.

„Die Stadt hat sich mit der Denkmalschutzbehörde darauf geeinigt, dass auf der Kirche die alten Biber drauf kommen“, berichtet Architekt Hartmut Böhnke. Damit haben beide Parteien sich für die wohl teuerste und aufwändigste Möglichkeit entschieden. Schon, dass etwa ein Drittel der Ziegel ersetzt werden muss, ist eine echte Herausforderung. Denn die alten Ziegel gibt es nicht überall. „Ein paar haben wir selbst noch liegen“, verrät Enrico Pahl vom Tarnower Dachdeckerunternehmen Pahl. Andere müssen von Händlern angekauft werden.

Puzzlespiel bis zum fertigen Dach

Die Arbeit auf der Kirche ist für die Dachdecker zudem eine besondere Herausforderung, denn die alten Ziegel verlangen den Männern Einiges ab. „Wir haben unheimlich viel zu tun, die Steine zu bergen“, erklärt Pahl. Diese werden dann vom Mörtel befreit, bevor die intakten wieder auf dem Dach ihren Platz finden. „Sie haben Vor- und Nachteile“, erklärt Hartmut Böhnke, warum die alten Ziegel so fordern.

Jeder einzelne ist von Hand gemacht und damit sehr unregelmäßig. Das fertig gedeckte Dach ist deshalb zwar stimmig, aber ein genauer Blick verrät, dass hier kein Stein dem anderen gleicht. „Jeder Ziegel ist ein Unikat“, so Böhnke. „Das macht aber auch das Flair eines Dachs aus“, fügt er an. Kein Wunder, denn alle Steine, die auf der Reformierten Kirche ruhen, sind 150 Jahre oder älter.

Aufwand vergleichbar mit Stiftskirche

Beim finalen Eindecken fallen dann weitere Ziegel weg, die zu brüchig sind. Statt mit Mörtel werden die Biberschwänze nun aber mit Klammern befestigt – auf einer Holzkonstruktion, die eine bessere Luftzirkulation zulässt, ohne Nässe durchzulassen. Zudem müssen die Arbeiter viele Teile einpassen und in einem scheinbar endlosen Puzzlespiel passende Ziegel zusammenfügen. „Derjenige, der deckt, muss auch darauf achten, dass alles passt“, erklärt Pahl. Denn natürlich spielt die Optik eine Rolle.

„Aufwandstechnisch ist es für uns mit das umfangreichste Projekt“, fügt Pahl an. Das sei vergleichbar mit den Arbeiten an der Stiftskirche. Auch von der Kostenseite sei das Dach eines der teuersten Unterfangen, verrät Böhnke, ohne Zahlen zu nennen.

Eine Frage, die den Architekten und sein Team derzeit besonders beschäftigt ist, wie sich alte und neue Ziegel gelungen kombinieren lassen. Denn die Firsthauben, die die Dachflächen an den Kanten verbinden, gibt es nur neu. Sie seien besonders zerbrechlich und deshalb nicht mehr aufzutreiben, erklärt Böhnke. Aber weder rote noch graue Ziegelsteine fügen sich gänzlich ins Bild ein.

Bis zum Winter sollen die Gerüste verschwinden. Die Malerarbeiten müssen warten, bis die Witterung es im nächsten Jahr wieder zulässt.

Weitere Information zum Tornado in Bützow lesen Sie in unserem Dossier.

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