Bützow : Eine unendliche Geschichte

So könnte die neue Elefantenbrücke aussehen. Dr.-Ing. Dirk Büchler von BaltiCo stellte 2014 die Technologie und Lösungsansätze vor.
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So könnte die neue Elefantenbrücke aussehen. Dr.-Ing. Dirk Büchler von BaltiCo stellte 2014 die Technologie und Lösungsansätze vor.

Bützow wartet auf Neubau der sogenannten Elefantenbrücke. Modell wird jetzt in Wismar getestet - Firma kündigt Bau für Frühjahr 2016 an

svz.de von
16. September 2015, 17:50 Uhr

„Herr Bürgermeister, Sie haben versprochen, dass die Brücke in diesem Jahr gebaut wird“, wandte sich die Bützowerin Erika Zschämisch auf der jüngsten Stadtvertretersitzung an Christian Grüschow. Doch die Bützower warten noch immer, das etwas an der Elefantenbrücke passiert. Christian Grüschow hebt die Arme. Die Stadt und die Stadtvertreter hätten alles getan, nun liege der Ball bei der beauftragten Firma BaltiCo. Die bemühe sich um  die Zulassung, denn bei dem Brückenneubau handele es sich um Neuland in Bezug auf das Material, das verwendet wird. „Das ist einfach nur traurig. Von Jahr zu Jahr werden wir vertröstet“, ist Erika Zschämisch enttäuscht.

Das Gutachten und der Abriss

Die unendliche Geschichte der  Elefantenbrücke beginnt bereits im Jahr 2008. Seinerzeit wird die Brücke, die die Innenstadt mit der Gartenstraße und der Straße Am Forsthof verbindet, bei einer Prüfung als „dringend sanierungsbedürftig“ eingestuft. Im Dezember 2009 beauftragt die Stadt einen Planer mit den Vorbereitungsarbeiten für eine Sanierung.

Im April 2010 entscheiden die Stadtvertreter, die Brücke ganz abzureißen. Denn allein die Sanierung der maroden Gründung hätte 91 000 Euro gekostet. Schon vor fünf Jahren wird aber der Brücke selbst nur noch eine Lebenszeit von zehn Jahren eingeräumt. Eine neue würde noch einmal 120 000 Euro kosten. Ein Jahr später, im November 2011 wird die Brücke gesperrt. Weil die Sperrung aber immer wieder negiert wird, lässt die Stadt die Brücke ein halbes Jahr später, im Mai 2012, ganz abreißen.

Viele Varianten aber das Geld fehlt

Bereits 2010 beginnt die Diskussion über einen Brückenneubau. Im September des Jahres entscheiden sich die Stadtvertreter für einen Brückenneubau. Die Warnowquerung soll  ähnlich der am Gummiweg gestaltet werden. Das heißt, der Überbau wird eine Holzkonstruktion mit einem Geländer, in das ein Bützow typisches Emblem eingearbeitet wird. Doch der Stadt fehlt  das Geld. Zumal zum gleichen Zeitpunkt die Brücke in der Gartenstraße komplett erneuert werden muss. Auf Grund der hohen Kosten für einen Neubau schlägt der damalige Stadtvertreter Martin Schade (FDP) eine Konstruktion auf schwimmenden Pontons   vor.  Später heißt es, eine „Brücke von der Stange“  – eine Montagebrücke aus Stahl und Holz – wäre für knapp 100 000 Euro zu haben. Doch der Neubau wird immer wieder verschoben und 2013 ganz auf Eis gelegt. Alle Fraktionen betonen immer wieder, wie wichtig das Projekt ist. Doch der Stadt fehlt das Geld.

Bützower Brücke als Vorzeigeprojekt

Erneut ist es Martin Schade, der im Januar 2014 eine  weitere Variante ins Spiel bringt. Die BaltiCo GmbH  aus Hohen Luckow beschäftigt  sich mit dem Bau von  Leichtbau-Brücken.  Dr.-Ing. Dirk Büchler von BaltiCo erläutert zwei Monate später  den Stadtvertretern  die Technologie und den Materialeinsatz. Die Brücke werde mit Kohlefaserstoffen  in einem sogenannten Stabwickelverfahren gebaut. Die Produktion erfolge vollautomatisch. Das Material biete den Vorteil, dass es nicht rosten könne. Da das Unternehmen die Brücke als Vorzeigeobjekt nutzen möchte, gehe es finanziell in Vorleistung, die Stadt müsse nur noch einen Teil der Gesamtsumme bezahlen.   Doch aus dem geplanten Bau im Sommer 2014 wird nichts.

Firma muss neues Verfahren testen lassen

Warum? Das liegt an der Gesetzgebung. Da es sich um eine neue Technologie handelt, müsse sich das neue Bauwerk einer Einzelprüfung unterziehen. Dabei arbeitet das Unternehmen eng mit der Hochschule Wismar zusammen. Und genau dorthin wird in dieser Woche ein Modell , darunter der Seitenträger der neuen Brücke im Maßstab von eins zu vier geliefert, informiert jetzt Dirk Büchler auf SVZ-Nachfrage. „Unter anderem geht es um einen Bruchtest, der durchgeführt wird.“ Liegen die Ergebnisse vor , warte das Unternehmen noch auf die Freigabe vom Landesamt für Verkehr. Das muss letztlich das endgültige O.K. geben.   Büchler rechne mit etwa drei Wochen, bis die Ergebnisse aus Wismar vorliegen. Erfahrungsgemäß gebe es dann noch die eine oder andere Nachfrage. „Wir gehen aber davon aus, dass wir die Brücke dann im Frühjahr  errichten können“, so der Geschäftsführer.

Im Juni hatten die Stadtvertreter die finanziellen Mittel – 80 000 Euro – freigegeben. Die Summe wird in zwei Raten gezahlt. Die Stadt überweist laut Vertrag  sechs Monate nach Fertigstellung die erste und spätestens nach 18 Monaten die zweite Rate.

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